Hanse­Lexikon
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Suchbegriff: Jahnke

Pfundzoll
Der P. oder das Pfundgeld ist eine seit 1362 in besonderen Notsituationen erhobene, temporäre Sonderabgabe auf alle von hansischen Kaufleuten seewärts im- oder exportierten Waren in den nördlichen... mehr

Der P. oder das Pfundgeld ist eine seit 1362 in besonderen Notsituationen erhobene, temporäre Sonderabgabe auf alle von hansischen Kaufleuten seewärts im- oder exportierten Waren in den nördlichen Städten der Hanse. Die Zollgrundlage war ursprünglich der Warenwert in Pfund flämisch (daher P.), später wurden die Waren nach festgelegten Tarifen besteuert. Der P. wurde von einzelnen Regionen innerhalb der Hanse zur Deckung besonderer Kriegskosten beschlossen und mit der Nutzung der resp. dem Ausschluss aus den hansischen Privilegien verknüpft. Allerdings war die Erhebung und die Teilnahme am P. freiwillig und geschah meist nur in der betroffenen Region. P. wurden zwischen 1362 und 1500 mindestens 103 mal erhoben. Einige Landesherren, so der Deutsche Orden, versuchten, die temporären P.e in permanente, landesherrliche Abgaben umzuwandeln. Die bei der P.-erhebung angelegten P.bücher geben [einen ersten] Einblick in den Warenverkehr einer Hansestadt.

Carsten Jahnke2016

Quellen: St. Jenks, Das Danziger P.buch von 1409 und 1411, 2012.

Literatur: C. Jahnke, P.rechnungen im Ostseeraum – Bestand und Fragen der Auswertung, in: Die preußischen Hansestädte und ihre Stellung im Nord- und Ostseeraum des Mittelalters, hrsg. Z. H. Nowak, J. Tandecki, 1998, S. 151-68.
Pfundzollbücher
P. oder Pfundgeldbücher sind die zur Abrechnung des Pfundzolles resp. -geldes angelegten Einnahmeverzeichnisse. In der Regel registrieren sie die Namen der zollpflichtigen Schiffer und Kaufleute... mehr

P. oder Pfundgeldbücher sind die zur Abrechnung des Pfundzolles resp. -geldes angelegten Einnahmeverzeichnisse. In der Regel registrieren sie die Namen der zollpflichtigen Schiffer und Kaufleute sowie teilweise die verzollten Waren und deren Menge. Im hansischen Raum gab es zwei Registrierungssysteme. Das eine verzeichnet Schiffer und Kaufleute getrennt, das andere beide zusammen nach Schiffsladungen. Die meisten Listen sind chronologisch angelegt, allerdings geben nur einige wenige Anhaltspunkte zur inneren Datierung. P. werden heute häufig zur Berechnung von Warenströmen und -umsätzen herangezogen. Doch ist deren Wert umstritten, da sie zum einen nur den seegehenden Teil des Handels abbilden und zum anderen einen Teil des Handels aufgrund des Verbotes von Doppelbesteuerung und anderen Ausnahmeregelungen nicht erfassen können. Auch verzeichnen sie nur die Kaufleute, die die Zölle vor Ort erlegen, nicht aber die Besitzer der Waren. P. können aber durch andere serielle Quellen, z.B. in England, ergänzt werden. Für die Zeit von 1362 bis 1500 liegen mindestens 151 P. unterschiedlicher Länge und Qualität vor, allerdings gibt es nur für das Jahr 1369 sieben parallele P. aus verschiedenen Orten, ansonsten 1368 fünf, 1370 vier und für weitere 15 Jahre P. aus drei Orten. Ergänzt werden die P. durch Zollquittungen oder -zettel, die an einigen Orten in zufälliger Form vorliegen.

Carsten Jahnke2014

Literatur: A. Huang, C. Jahnke, Bermudadreieck Nordsee. Oder: Drei Hamburger Schiffe auf dem Weg nach London, HGbll. 130, 2012, 59-91; C. Jahnke, Pfundzollrechnungen im Ostseeraum, in: Die preußischen Hansestädte und ihre Stellung im Nord- und Ostseeraum des Mittelalters, hrsg. H. Nowak, J. Tandecki, 1998, 151-68.
Religiosität
Hansische Kaufleute waren von Anbeginn an Teil des orbis catholicus. Sie unterlagen damit den Regeln und Geboten der katholischen Kirche. Die R. der Kaufleute kann dabei zwischen einer R.... mehr

Hansische Kaufleute waren von Anbeginn an Teil des orbis catholicus. Sie unterlagen damit den Regeln und Geboten der katholischen Kirche. Die R. der Kaufleute kann dabei zwischen einer R. in der Heimat und der in der Fremde unterschieden werden. In der Heimat waren sie in der Gründungszeit an der Finanzierung und dem Aufbau von Kirchen maßgeblich beteiligt. Ab dem IV. Laterankonzil (1215) wurden sie automatisch Teil einer Parochie an ihrem Heimatort. Hierdurch trugen sie wesentlich zur Ausstattung und Förderung ihrer Pfarrkirchen bei, u.a. durch das Amt eines Kirchenvorstehers. Mit dem Einzug der Bettelorden im 13. Jh. fühlten sich viele Kaufleute aus theologischen Gründen zu diesen hingezogen. Das führte zu einem dauerhaften Streit zwischen den Leutpfarrern und Ordensbrüdern in den Städten. Mit der Entwicklung des Fegefeuergedankens kam es zu einer verstärkten Stiftungstätigkeit, die u.a. die Armenfürsorge sicherte (➝ Wohltätigkeit). Seit Ausgang des 14. Jhs. organisierten sich die Kaufleute zudem in ➝ Bruderschaften, die religiöse und weltliche Bereiche miteinander verbanden. Durch Stiftungen und Bruderschaften wurden zahlreiche Altäre unterhalten, Prozessionen durchgeführt, Klöster gefördert und Stadtarme versorgt. Die praktische, tägliche R. der Kaufleute ist bisher nicht untersucht. Allerdings findet sich eine durchgehende Grundr. z.B. in ➝ Kaufmannsbüchern und ➝ -briefen.

In der Fremde waren die Kaufleute den Regeln der kath. Kirche unterworfen. In nicht-kath. Gebieten (➝ früher Ostseeraum, ➝ Novgorod, Gründung ➝ Rigas) konnten die Kaufleute eigene Priester unterhalten. In katholischen Gebieten dagegen waren sie automatisch den dortigen Parochien zugeordnet. Die praktische, vor allem für die Beichte und die Sakramente wichtige sprachliche Eingliederung in die fremden Gem. konnte dabei durch Bruderschaften oder die Finanzierung eigener Leutpfarrer (➝ London) erfolgen. In wenigen Fällen konnten auch eigene, extraparochiale Kirchen erworben (St. Marien ➝ Visby) oder Pfarrkirchen übernommen werden (St. Marien ➝ Bergen). Die hans. Kaufleute trugen durch ihre Eingliederung in „fremde“ Parochien und ihre Stiftungstätigkeit wesentlich zum Ausbau der dortigen Sakrallandschaft bei.

Das zunehmende Bedürfnis nach persönlicher Erlösung führte bei vielen Kaufleute am Beginn des 16. Jh.s. zu einer Hinwendung zu reformatorischem Gedankengut. Kaufleute trugen damit auch wesentlich zur Verbreitung der Reformation in den städtischen Bereichen Norddeutschlands bei. Durch den hansischen Handel wurden zudem reformatorische Schriften bestellt, beschafft und weiterverbreitet. Die reformatorischen Konflikte führten dabei zu einer Beeinträchtigung des hansischen Handels, unterbrachen ihn aber langfristig nicht. 

Carsten Jahnke2019

Literatur: C. Jahnke, Hansische Kaufleute und deren Religiosität außerhalb ihrer Heimat, in: Zapiski Historyczne LXXXIV,1 (2019), 7-41; A. Graßmann, Kirchliches Leben in den hansischen Niederlassungen des Auslandes, in: Der Kaufmann und der liebe Gott, Zu Kommerz und Kirche und Mittelalter und Früher Neuzeit, hg. A. Graßmann, 2009, 113-30.
Salz und Baiesalz
S. gehört seit vormittelalterlicher Zeit zu den wichtigsten Handelsgütern, da S.-vorräte in Europa ungleichmäßig verteilt sind. Generell war der Osten salzarm und der Westen salzreich. S. diente... mehr

S. gehört seit vormittelalterlicher Zeit zu den wichtigsten Handelsgütern, da S.-vorräte in Europa ungleichmäßig verteilt sind. Generell war der Osten salzarm und der Westen salzreich. S. diente v.a. zur Konservierung von Nahrungsmitteln.

Der nördliche Hanseraum wurde u.a. aus Kolberg, Polen, aber auch England mit Hull, Boston und Lynn mit S. versorgt; allerdings wurde der Markt bis ins 14. Jh. vom Lüneburger S. dominiert.

In Lüneburg wurde seit karolingischer Zeit S. gewonnen. Die Produktionskapazität erreichte dabei im 14. Jh. 16.000 t. p.a. S. wurde u.a. über Lübeck in den Ostseeraum exportiert (S.straße, Stecknitzkanal). Hier diente es u.a. zur Konservierung von Hering (Schonische Messen), aber auch zur allgemeinen Versorgung der Bevölkerung. Lüneburger S. wurde in großen Mengen in den Ostseeraum exportiert, auch wenn keine statistischen Übersichten vorliegen. Es wurde auch nach Hamburg, Mecklenburg, Brandenburg und elbaufwärts gebracht. Neben Schonen war Danzig einer der wichtigen Salzmärkte im Osten des Ostseeraumes. Hier endeten die großen westeuropäischen S.ströme und hier wurde auch das teurere Lüneburger S. zwischengelagert, bis es dann über die Städte der östlichen Ostsee, wie Thorn, Riga oder Reval seinen Weg nach Russland oder Skandinavien fand.

Neben Lüneburg wurde S. im Osten in den Krakauer Salinen, den Gruben bei Bochnia und Wielicka/Groß Salze produziert und u.a. über Thorn in den Hanseraum exportiert. Weiter im Westen waren die Salinen von Kolberg, Greifswald, Bad Sülze und Oldesloe von Bedeutung. In Lüneburg und vielen anderen Salinen wurde das S. durch Auskochen von Sole gewonnen. In Bochnia und Groß Salze begann man mit dem Abbau von Berg-(Stein-)S. Dort gewann man runde Salzblöcke, die Krakauer Bałwane. Salinens. wurde in Tonnen unterschiedlicher Größe verhandelt.

Der S.-handel im mittleren und südlichen Teil der Hanse erfolgte über binnenländische Salinen, u.a. in Tremsdorf, Bad Münder, Salzderhelden bei Einbeck, Salzgitter, Sülbeck, Sülze (bei Bergen, Nieders.), Rheine, Salzkotten, Halle a.d.S. u.a.

Im Westen wurde Salz schon seit dem 13. Jh. von den Meers.-gärten an der Atlantikküste importiert. Seit der Mitte des 14. Jh. wurde Dominanz des Lüneburger S. durch den Import von See-S. aus der Baie de Bourgeneuf und Portugal (Sétúbal) herausgefordert. S. wurde erst indirekt aus Brügge importiert, danach direkt. Am Ende des 15. Jh. dominierte S. aus der Bretagne, dem Poitou, der Baie de Bourgneuf, der Brouage und Sétúbal den hansischen Markt. Der S.-handel wurde über das Kontor von Brügge abgewickelt; hansische Faktoren fanden sich aber auch in der Baie (Bourgneuf, Bouin und Collet), Beauvoir, der Insel Noirmoutier, Nantes, Aunis, La Rochelle sowie in Lissabon. In der Hansa von Mantes waren dabei hansische und französische Kaufleute zusammen vertreten. Das billigere Meers. verdrängte im 16. Jh. Lüneburger S. von vielen Märkten.

Carsten Jahnke2024

Literatur: A. Agats, Der hansische Baienhandel, 1904; R. Favreau, Le commerce du sel en Poitou à la fin du Moyen Âge, in: Bulletin philologique et historique (jusqu’en 1610) du Comité des travaux historiques et scientifiques (1966), 1, 185-223; C. Jahnke, The Hanse southern trade and its goods, [im Erscheinen]; S. Jenks, Der hansische Salzhandel im 15. Jahrhundert im Spiegel des Danziger Pfundzollbuchs von 1409, in: „Vom rechten Maß der Dinge“. Festschrift für Harald Witthöft, hrsg. R. S. Elkar, C. Neutsch, K. J. Roth, J. H. Schawacht, 1996, I, 257-84; H. Touchard,Les sels de la France de l’Ouest, in: Le Rôle du Sel dans l’Histoire, hrs. M. Mollat, 1968, 39-45; H. Witthöft, Struktur und Kapazität der Lüneburger Saline seit dem 12. Jahrhundert, in: Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 63 (1976), 1-117.
Schiffstypen
Die Einteilung von Schiffen nach S. ist ein neuzeitliches Phänomen. Zur Hansezeit war selbst die Nutzung des Wortes “Schiff” nicht einheitlich definiert. Erst mit der Einführung... mehr

Die Einteilung von Schiffen nach S. ist ein neuzeitliches Phänomen. Zur Hansezeit war selbst die Nutzung des Wortes “Schiff” nicht einheitlich definiert. Erst mit der Einführung naturwissenschaftlicher Prinzipien in den Geisteswissenschaften begann eine Klassifizierung und Typologisierung. Sie geschah nach Kriterien der Leistungsfähigkeit (→ Kogge und → Hulk), des Materials (Fyreblase oder Bark), der Besegelung (Marskreier, Karavelle, Galeasse), Herkunft (Breton, Spaniard), Verwendung technischer Bauverfahren (→ Kraweel) oder militärischer Nutzung (Admiralitätsschiff, Brander, Dreidecker, Fregatte) etc. Die mittelalterliche Nutzung von S.-begriffen ist unklar und nicht nach modernen Typologisierungsmaßstäben zu fassen. Teleologische Entwicklungslinien, wie sie von deutschen Historikern wie Vogel, Szymanski und Heinsius entwickelt wurden, werden heute nicht mehr akzeptiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Teile des auf die subjektive Interpretation von Schriftquellen entwickelten S.systems aufgegriffen und mit der Übernahme abstrakter Ordnungsmuster der Archäologie verbunden und weiterentwickelt (Höckmann und Ellmers). Damit trat die Schiffstypologie aus der Wortgeschichte in die Begriffsgeschichte ein. Dies wird jedoch neuerdings kritisiert (Maarleveld, Weski, Jahnke und Paulsen). Es ist keineswegs zweifelsfrei, dass das Wort Kogge mit all seinem indifferenten etymologischen Hintergrund wirklich einen allgemeingültigen und die technischen Wesensmerkmale einer Kogge umfassenden Begriff und damit ausschließlich einen Schiffstyp im heutigen Sinne, also mit distinktiven technisch-konstruktiven Merkmalen, meint. Es bleibt vielmehr offen, ob eine derartige Klassifizierungs- bzw. Erklärungsnotwendigkeit überhaupt in hansischer Früh- und Hochzeit zu implizieren ist. Die Zuordnung von S. ist in der heutigen historischen und archäologischen Forschung umstritten und wird teilweise abgelehnt.

Maik-Jens Springmann2017

Literatur: T. Maarlefeld, Type or technique. Some thoughts on boat and ship finds as indicative of cultural traditions, International Journal of Nautical Archaeology 24 (1995), 3-7; M.-J. Springmann, Neue spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Schiffsdarstellungen. Ein Beitrag zur ergologischen Merkmalsanalyse in der Schiffstypologie. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv 26 (2003), 157-85; T. Weski, Fiktion oder Realität? Nachweis spätmittelalterlicher Schiffsbezeichnungen, Skyllis 1999/2, 96-105.
Schonenfahrer
S. ist die Bezeichnung für → Fahrtrichtungskompagnien. In den S.n fanden sich die Kaufleute zusammen, die in den → Heringshandel in Dänemark bzw. in den Skandinavienhandel involviert waren. S.... mehr

S. ist die Bezeichnung für → Fahrtrichtungskompagnien. In den S.n fanden sich die Kaufleute zusammen, die in den → Heringshandel in Dänemark bzw. in den Skandinavienhandel involviert waren. S. lassen sich u.a. für Stettin, Greifswald, Stralsund, Rostock, Lübeck, Hamburg, Deventer, Haarlem, Arnhem, Maastricht und Dortmund nachweisen. Zudem gab es in Köln und Soest fraternitates Danica bzw. Schleswigfahrer. Als Wappenzeichen führten sie zumeist drei Heringe. Als Kaufleutekorporationen besaßen die S. großen politischen Einfluss, den sie auch nach dem Ende der Schonenfahrt im 16. Jh. beibehalten konnten.

Carsten Jahnke2022

Literatur: E. Baasch, Die Lübecker S., 1922; W. Stieda, Das S.gelag in Rostock, HGBll 19 (1890/91), 115–50; I. Casteels, Haringhandel en heiligenverering, Tijdschrift voor Geschiedenis 132 (2019), 559-79.
Schonische Messen
Die S. waren neben den Kontoren ein weiterer privilegierter Handelsplatz mittelalterlicher Kaufleute. Am Ende des 12. Jh. nutzten lübische Kaufleute die traditionelle Heringsfischerei am Öresund... mehr

Die S. waren neben den Kontoren ein weiterer privilegierter Handelsplatz mittelalterlicher Kaufleute. Am Ende des 12. Jh. nutzten lübische Kaufleute die traditionelle Heringsfischerei am Öresund dazu, dort ihre eigenen Produkte abzusetzen und eingesalzenen Hering zu exportieren. Der Handel entwickelte sich im 13. Jh. zu einer internationalen Warenmesse an der Nahtstelle zwischen dem Ost- und Nordseeraum. Die wichtigsten Messeplätze waren Skanör, Falsterbo, Malmö, Dragör, aber auch Simrishamn, Trelleborg und Ystad. Die Messe fand zur Zeit des Heringsdurchzuges von Assumptio Marie (15. August) bis Dionysius (9. Oktober) statt. Durch den Verfall des dänischen Reiches am Beginn des 14. Jh. konnten die Städte Autonomierechte auf den Messen erwerben. So entstanden temporäre, autonome Handelsgebiete, die → Vitten, ca. 27 in Skanör, 18 in Falsterbo und 17 in Dragör. Hier wurden Waren umgeschlagen und Heringe verarbeitet. Die Zolleinnahmen aus den S. stellten einen der wichtigsten Posten des königlich dänischen Budgets dar. Nach dem Stralsunder Frieden übernahmen die Städte der Kölner Konföderation die Verwaltung der Messen und vertrieben die Kaufleute anderer Städte. Die S. verloren daraufhin ihren Status als Warenmesse und sanken zu reinen Fischverarbeitungsplätzen herab. Die Vertreibung holländischer Kaufleute führte im 15. Jh. zum Wiederaufblühen der Nordseefischerei. Die nachlassende Bedeutung der Messen und der Zolleinnahmen hatte dann 1422/29 die Einführung des → Sundzolls zur Folge. Die Heringsverarbeitung auf den S. wurde bis ins 16. Jh. fortgeführt, doch sank die Bedeutung der S. stetig. Bis ins 17. Jh. erhielt Lübeck einen formellen Anspruch auf seine Privilegien aufrecht. Mit der Eroberung Schonens durch die Schweden 1658 verloren die S. endgültig ihre Rechte.

Carsten Jahnke2014

Literatur: C. Jahnke, Das Silber des Meeres, 2000; Das Buch des Lübeckischen Vogts auf Schonen, hrsg. D. Schäfer, 2. Aufl. 1927.
Schweden
Das Kgr. S. entstand im 10. Jh. durch den Zusammenschluss des Svealandes mit dem Oster- und Westergötaland zu einem Reich, dem Sveareich (Svearige, daraus neuschw. Sverige) unter König... mehr

Das Kgr. S. entstand im 10. Jh. durch den Zusammenschluss des Svealandes mit dem Oster- und Westergötaland zu einem Reich, dem Sveareich (Svearige, daraus neuschw. Sverige) unter König Erik VIII. dem Siegesfrohen (Segersäll) oder dessen Sohn Olaf Schatzkönig (Skötkonung). Die Machtbasis des Sveareiches lag im Mälartal, zudem gehörten Öland und bis 1361 Gotland in loser Verbindung zum Sveareich (1361-1645 dänisch). Bis zum 13. Jh. kamen die ‘Kleinen Lande” (Småland) Njudung, Värend, Möre, Ydre, Tjust, Finnveden und Kinda hinzu. Im Norden ging S. in das Gebiet der Sami (Lappen) über, die teilweise tributpflichtig gemacht wurden. Im Westen stellten die norwegischen Provinzen Jämtland, Härjedalen und im Süden Viken und Bohuslen Übergangsregionen zwischen beiden Reichen dar. Im Süden grenzte ein dichter und undurchdringlicher Wald Småland gegen Schonen, Lister und Blekinge ab. Im Osten kolonisierte und christianisierte S. Finnland am Ende des 12. Jh., Tawastland (finn. Häme, schw. Tavastland) und Karelien (Karjala, russisch Карелия Karelija, schw. Karelen) 1249-1300. Am 15. Febr. 1362 wurde Finnland als gleichberechtigte Provinz innerhalb des schw. Reiches anerkannt und blieb dieses bis 1809 (Frieden von Frederikshamn). S. war wie Dänemark ein Wahlkönigtum und die Könige wurden seit Magnus dem Scheunenschließer (Ladulås) von den Lagmannen (Gesetzessprechern) der einzelnen Reichsteile am Stein von Mora (10 km südöstlich von Uppsala) gewählt und ausgerufen. Der Stein von Mora wurde zu Beginn des 16. Jh. durch Gustav Wasa oder seine Anhänger zerstört, um Erinnerungen an das Wahlrecht auszulöschen. Die Möglichkeiten der freien Königswahl haben im Laufe des Mittelalters zu zahlreichen Bürger- und Bruderkriegen geführt. Generell konnten sich aber drei Dynastien behaupten: die Stenkil-Dynastie von ca. 1060-1130, die Sverker von 1130-1250 und die Folkunger von 1250-1364(-1448). 1319 wurde nach einem langwierigen Bruderkrieg der dreijährige Magnus II. Eriksson zum König  gewählt, der zugleich auch Erbe von Norwegen war. Damit waren beide Reiche in Personalunion vereint. Allerdings hatte der vorangehende Bruderkrieg zu einer dauerhaften Schwächung des Königtums und seiner Finanzen sowie zu einer herausragenden Stellung einiger Hochadelsgeschlechter geführt, die nicht gewillt waren, auf ihre Macht zu verzichten. 1332 konnte Magnus zwar Schonen, Lister und Blekinge käuflich erwerben und Schonen als drittes Königreich seiner Krone unterordnen (daher das schw. Reichswappen der Drei Kronen/Tre Kronor), doch konnte er auf Dauer weder Schonen gegen König Waldemar Atterdag von Dänemark behaupten noch sich gegen den Hochadel durchsetzen. In der Folge der Auseinandersetzung um Schonen verheiratete Magnus  seinen Sohn Håkan VI. Magnusson mit Margarethe (I.), Tochter des dän. Königs Waldemar Atterdag. 1364 wurde Magnus als König von S. gestürzt und durch den mecklenburgischen Herzog Albrecht ersetzt. Auch Albrecht von Mecklenburg versuchte vergeblich, sich gegen den den Reichsrat beherrschenden Hochadel durchzusetzen. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung wandte sich der schw. Reichsrat 1388 an die Regentin Dänemarks und Norwegens, die norw. Königin Margarethe I. und bot ihr die Regentschaft an. Diese schlug in der Schlacht bei Åsle bei Falköping in Wester-Götaland Albrecht und nahm ihn gefangen. Einzig die Stadt Stockholm hielt zu Albrecht und die zu ihrer Unterstützung ausgesandten Vitalienbrüder stellten bald eine Bedrohung für den hansischen Handel dar.

Nachdem Margarethe auch Stockholm eingenommen hatte, vereinigte sie alle nordischen Königreiche in der sogenannten Kalmarer Union, die 1397 mit der Krönung ihres Erben, Erich von Pommern, in Kalmar besiegelt wurde. Nach dem Tode seiner Stiefmutter Margarethe im Jahre 1412 konnte Erich S. allerdings nicht dauerhaft halten, da seine erfolglosen Kriege um die dänischen Provinzen Estland und Schleswig S. Steuerlast erheblich erhöht hatte und der schwedische Reichsrat sich nicht ausreichend an der Macht beteiligt fühlte. Erich wurde durch den Aufstand des Engelbrekt Engelbrektsson 1435 gestürzt. Nachdem Engelbrekt 1436 ermordet wurde, kam Karl Knudsson aus dem Reichsratsgeschlecht der Bonde die zentrale Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen den Nachfolgern Erichs und dem s. Hochadel zu. Karl Knudsson regierte als Reichsverweser erstmalig 1438-1440. 1441 wurde er durch den letzten Unionskönig aus dem weiteren Geschlecht der Folkunger, Christopher von Pfalz-Neumarkt (gen. von Bayern), abgelöst und mit Finnland abgefunden. Nach Christophers unerwartetem Tod 1448 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Familie Oxenstierna und Karl Knudsson Bonde, der zwischen 1448 und 1457 als König regieren konnte, dann aber abgesetzt wurde und nach Danzig fliehen musste. Christopher von Pfalz-Neumarkt hatte allerdings bei seinem Tode seiner Witwe Dorothea von Brandenburg überaus große Besitzungen in S. hinterlassen und es gelang ihr 1457, ihren Mann, Christian I. von Oldenburg, als Unionskönig in S. ausrufen zu lassen. Aber auch dieser wurde 1464 gestürzt und durch Karl Knudsson Bonde ersetzt, der aber schon nach einem halben Jahr wieder nach Finnland verbannt wurde. In den folgenden Jahren kam es zu einem Machtkampf zwischen den Familien Oxenstierna und Thott/Wasa, an deren Ende 1467 Karl Knudsson Bonde abermals zum König gewählt wurde. Nach dessen Tod 1470 versuchte Christian I. ein letztes Mal, S. wieder zu erobern, wurde aber 1471 in der Schlacht am Brunkebjerg bei Stockholm vernichtend geschlagen. S. wurde nun durch den Reichsverweser Sten Sture d.Ä. regiert, der 1497 durch den Sohn Christians I., Johann II. von Oldenburg, vertrieben wurde. Johann konnte 1497 seinen Sohn Christian (II.) zum Erben ausrufen lassen, bevor er 1501 wieder abgesetzt wurde. Sten Sture d.Ä. übernahm wieder die Macht. Auf ihn folgte nach seinem Tod 1503 Svante Nilsson Sture, ein Grossneffe Karl Knudsson Bondes, der sich bis 1512 an der Macht halten konnte. Ihn beerbte 1512 sein Sohn Sten Sture d.J., der 1520 bei der Eroberung S. durch Christian II. von Oldenburg getötet wurde. Christians Eroberung wurde vor allem durch den Erzbischof von Uppsala, Gustav Eriksson Trolle, gestützt, der aus persönlichen Machtgründen bei den Krönungsfeierlichkeiten in Stockholm 1521 einen Ketzerprozess gegen den gesamten schwedischen Reichsrat durchführte, in dessen Konsequenz Christian genötigt wurde, den gesamten Rat und dessen Sympathisanten im Land hinzurichten. (Stockholmer Blutbad). Als Folge der zahlreichen Hinrichtungen kam es zu einem Aufstand unter Gustav I. Wasa, der propagandistisch und nationalistisch untermauert wurde und 1523 letztendlich dazu diente, die Wahlmonarchie abzuschaffen und eine Erbmonarchie unter den Wasas einzuführen. Die zahlreichen Thronwirren und -kriege haben den Handel im Ostseeraum stark belastet und die Hansestädte über Jahrhunderte involviert.

Wirtschaftlich zeichnete sich S. besonders durch seine Bodenschätze aus. Seit spätestens 1284, wahrscheinlich aber seit dem 11. Jh., wurde am Großen Kupferberg, dem Stora Kopperberget bei Falun, Kupfer gebrochen (bis 1992). Gleichzeitig gab es im Norra Skog (dem nördlichen Wald) bei Örebro sowie auf Utö bei Stockholm, in Dalarna, am Norberg und Skinnskatteberg in Västermanland, in Uppland sowie im Södermanland große Eisenvorkommen, die exportiert wurden. 1340 wurden allein aus dem Norra Skog 2.400 Schiffspfund Eisen ausgeführt. Die Gewinnung, Verarbeitung und der Handel mit Eisen und Kupfer geschah vielfach unter Beteiligung deutscher Experten und Kaufleute. Sowohl das Kupfer als auch das Eisen wurden vor allem über Stockholm ausgeführt, das zum wirtschaftlichen Zentrum S. aufstieg. Neben den Metallen war es vor allem der Butterexport aus Småland, der von wirtschaftlichem Interesse war. S. besaß im Mittelalter mit Stockholm, Kalmar, Visby und Viborg vier international bedeutende Handelsstädte sowie zahlreiche kleinere Zentren. Eine besondere Regel des von Kg. Magnus Eriksson zwischen 1349 und 1357 erlassenen Stadtrechtes verfestigte dabei die alte Gewohnheit, den städtischen Rat und das Bürgermeisteramt paritätisch mit deutsch und schwedisch sprechenden Mitgliedern zu besetzen, wobei die Grenzen fließend waren. Hierdurch wurde die Integration der schwedischen Städte in den norddeutschen Handel wesentlich erleichtert. Stockholm, Kalmar und Visby erscheinen zudem als Hansestädte. Es ist auch ein reges Konnubium zwischen schwedischen und deutschen Ratsfamilien zu konstatieren. Nach 1471 wurde die Regel aus propagandistischen Gründen im dänisch-schwedischen Krieg abgeschafft. Ein Teil der “deutschen” Ratsherren wurde zu “schwedischen”, andere wanderten in die deutschen Ostseestädte, vor allem nach Lübeck, aus.

 Im Gegensatz zu Dänemark nimmt S. in der traditionellen Hanseforschung eine eher neutrale Stellung ein. Allerdings wirkt die nationale Propaganda der Wasazeit in der Geschichtsschreibung vor allem in S. bis heute nach. Die Rolle der Deutschen  und der Hanse bleibt dabei umstritten. Zudem haben die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Fritz Rörig und Hugo Yrwing sowie von deren Schülern über die angeblich besondere Stellung der Deutschen auf Gotland den Blick auf das gesamte Reich für lange Zeit verdunkelt.

Carsten Jahnke2014

Literatur: Norsteds Sveriges Historia, Vol. II-III, 600-1600, hrsg. D. Harrison, B. Eriksson, 2010; The Cambridge History of Scandinavia, hrsg. K. Helle, 2003.
Seeschifffahrt
Die S. im Hanseraum entwickelte sich entsprechend dem europäischen Vorbild. Die hansischen Kaufleute nutzten zuerst die vorhandenen Kapazitäten des nordischen Seeverkehrs und die dortigen... mehr

Die S. im Hanseraum entwickelte sich entsprechend dem europäischen Vorbild. Die hansischen Kaufleute nutzten zuerst die vorhandenen Kapazitäten des nordischen Seeverkehrs und die dortigen Bedingungen der → Fahrtgemeinschaften. Seit dem 13. Jh. kam es zu Änderungen im Schiffbau und seit dem 15. Jh. zu Änderungen der Arbeitsbedingungen an Bord. Die Konzentration der Kaufleute auf das heimische Kontor führte zu einer mentalen Trennung der hansischen Kaufleute von der eigentlichen S. Das führte zum Unverständnis der Bedingungen der S. und zu einer Kriminalisierung der Mannschaftsbedingungen (Landwehr). Entgegen älterer Auffassung lassen sich keine „hansischen“ Schiffstypen nachweisen, sondern die hansische S. war Teil der Rationalisierungen bzw. Entwicklungen der europäischen Schifffahrt.

Carsten Jahnke2022

Literatur: R. Paulsen, Schifffahrt, Hanse und Europa im Mittelalter, 2016; G. Landwehr, Das Seerecht der Hanse (1365-1614): vom Schiffordnungsrecht zum Seehandelsrecht, 2003.
Söderköping
S. ist eine schwedische Handelsstadt im östlichen Östergötland am Zusammenfluss der Kleinen und Großen Au (Lill- u. Storån, heute fälschlich Söderköpingså genannt und im Götakanal aufgegangen) vor... mehr

S. ist eine schwedische Handelsstadt im östlichen Östergötland am Zusammenfluss der Kleinen und Großen Au (Lill- u. Storån, heute fälschlich Söderköpingså genannt und im Götakanal aufgegangen) vor dem Ausgang in den Slätbaken, einem besonders tiefen Ostseefjord. Der Ort liegt an der südlichen Grenze des Vikbolandets, das im Norden von der Bråvik mit Norrköping abgegrenzt wird. Der Name S., “südliche Kaufmannstadt”, referiert so entweder zur Lage im Vikboland oder auf Norrköping, die “nördliche Kaufmannstadt”. Seit dem 11. Jh. wurden die sumpfigen Niederungen am Zusammenlauf der Auen besiedelt und spätestens zu Beginn des 13. Jh.s zu einer Stadt ausgebaut. Die ältesten hölzernen Straßenbeläge datieren z.Zt. auf das Jahr 1204. 1235 wird eventuell ein Franziskanerkloster angelegt und 1253 wird erstmals ein Götulf Ryss (Russe) als dominus und cives in S. erwähnt. Die Stadt erhielt das nordische Bjarkey-Recht (Birkinselrecht, Kaufmannsrecht), dessen älteste Redaktion im Stadtrecht von S. von ca. 1290 überliefert ist. Im 13. und 14. Jh. verzeichnete S. eine starke Einwanderung aus dem niederdeutschen Raum und war in das hansische Handelsnetzwerk integriert sowie durch Connubium mit den Bürgern niederdeutscher Städte verbunden. Der seit 1293 nachgewiesene Rat von S. war so, wie in vielen schwedischen Städten, zweisprachig, seit Einführung des neuen Stadtrechtes zur Mitte des 14. Jh.s bis 1471 bestand der Rat zur Hälfte aus Deutschen. S. gehörte teilweise zur Mitgift schwedischer Königinnen und entwickelte sich vor allem im 13. und 14. Jh. zu einem der wichtigsten politischen Zentren Schwedens. Hier wurden u.a. 1281 Heilwig von Holstein zur Königin und 1302 Birger Magnusson zum König gekrönt. S. diente vor allem als Ausfuhrhafen für die Eisenproduktion des Mälartales und stand als solcher in direkter Konkurrenz zu Stockholm, welches die Stadt im 13. und 14. Jh. noch überflügeln konnte. Im 17. Jh. wurde auch im Umland von S. Kupfer gewonnen. Bis in das 15. Jh. galt S. als Referenzmarkt für schwedisches Eisen, dessen Marktpreis als richtungsweisend galt. 1567 wurde die Stadt durch schwedische Truppen im Nordischen Siebenjährigen Krieg zerstört und hat sich davon nicht wieder erholt, da der Hafen der Stadt durch die Landhebung gleichzeitig zum Ende des 16. Jh.s unbefahrbar wurde. Die Quellenlage zur Handelsgeschichte der Stadt ist durch die Zerstörungen des 16. Jh.s schlecht. Lediglich einige rechtsgeschichtliche Aufzeichnungen sind vorhanden.

Carsten Jahnke2017

Literatur: D. Harrison, En medeltida Storstad. Historien om Söderköping, 2012; S. Ljung, Söderköpings Historia, 1949.
Stecknitzkanal
Der S. ist eine 97 km lange zw. 1390 und 1398 gebaute und bis 1898 genutzte Wasserverbindung zwischen Lübeck und Lauenburg an der Elbe. Sie überwindet die Wasserscheide zw. Nord- und Ostsee und... mehr

Der S. ist eine 97 km lange zw. 1390 und 1398 gebaute und bis 1898 genutzte Wasserverbindung zwischen Lübeck und Lauenburg an der Elbe. Sie überwindet die Wasserscheide zw. Nord- und Ostsee und einen Höhenunterschied von 18 m. Der S. folgte im Wesentlichen den natürlichen Wasserläufen von Stecknitz (nach Norden fließend) und Delvenau (in die Elbe fließend). Zwischen beiden Flusssystemen wurde ein 11½ km langer Verbindungskanal, der Neue oder Delvenaugraben, angelegt. Zum Halten des Wasserstandes wurden zuerst 13, später 17 Kammerschleusen eingerichtet, die bis zu zehn Schiffe fassen konnten. Der Kanal hatte eine Tiefe von etwa 3 Fuß (0,85 m) und eine Breite von 25 Fuß (7,5 m). Er wurde 1821-1823 auf 1,40 mal 12 m ausgebaut. Die zur Befahrung eingesetzten Kähne waren 12 m lang, 2½ m breit, hatten einen Tiefgang von 30-40 cm und eine Ladekapazität von 7½ t. Sie wurden ausschließlich von den lübischen Stecknitzschiffern betrieben. Die Lauenburger Stecknitzfahrer durften nur bis Mölln fahren. Die Stecknitzschiffer brachten Produkte des Ostseeraums nach Lauenburg, die von dort von Lauenburgern nach Hamburg gebracht wurden. Die Stecknitzfahrer nahmen Lüneburger ➝ Salz als Retourfracht mit. Im 15. Jh. wurden im Jahr ca. 1.000-1.500 Ladungen Salz nach Lübeck gebracht, später wesentlich weniger. Ab 1898 wurde der S. durch den Elbe-Lübeck-Kanal ersetzt.

Carsten Jahnke2022

Literatur: W. Boehart, C. Bornefeld, C. Lopau, Die Geschichte der Stecknitz-Fahrt. 1398–1998, 1998; R. Hammel-Kiesow, Salzzoll und Grabenzoll – Konjunkturen des Salzhandels und des Transithandels auf dem Stecknitzkanal im 16. Jh, in: "Vom rechten Maß der Dinge“, Festschrift für Harald Witthöft, 1996, 285-305; N. R. Nissen, Neue Forschungsergebnisse zur Geschichte der Schiffahrt auf der Elbe und dem Stecknitzkanal, Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 46 (1966), 5-14
Stockholm
S. ist eine schwedische Handelsstadt am Übergang des Mälaren in die Ostsee, zwischen den beiden schwedischen Len von Södermanland und Uppland. Die Bedeutung des Namens S. ist umstritten, bedeutet... mehr

S. ist eine schwedische Handelsstadt am Übergang des Mälaren in die Ostsee, zwischen den beiden schwedischen Len von Södermanland und Uppland. Die Bedeutung des Namens S. ist umstritten, bedeutet wahrscheinlich “Insel im Strom” (Gustaf Brynnel, 1965). Der Name wird 1252 erstmals als Ausstellungsort einer königlichen Urkunde erwähnt (SDHK, Nr. 665). S. wird allgemein mit der Verschiebung der Handelsströme im Mälardeltar erst von Birka (8.-10. Jh.) nach Sigtuna (10.-13. Jh.) und dann von Sigtuna nach S. in Verbindung gebracht. Nach der Visbychronik wurde S. nach 1187 gegründet, als Folge der Zerstörung Sigtunas; nach anderen Traditionen wird die Stadtgründung König Birger Jarl (Anfang 13. Jh.) zugeschrieben. Die Bedeutung S.s lag vor allem in der Funktion als Ausschiffungshafens von schwedischem Eisen aus dem Bergslagen um die Stadt Örebro herum, aber auch als Umschlaghafen in Richtung Finnland, Baltikum und Russland.

S. besteht aus mehreren Inseln im Mälaren, von denen die Altstadt und das Schloss auf dem Stadsholmen angesiedelt sind, dem im Norden der Helgeandsholmen vorgelagert ist, auf dem im 13. Jh. ein Heilig-Geist-Hospital gegründet wurde. Im Süden liegt die Insel Kidaskär, die ihren Namen nach dem im 13. Jh. gestifteten Graubrüderkloster in Gråbrödraholmen (heute Riddarholmen) veränderte. Vom Helgeandsholmen gab es eine Verbindung zum nördlich gelegenen Festland, dem Nordmalm, mit dem Brunkebjerg. Zu Mitte des 13. Jh.s und im 15. Jh. wurden Helgeandsholmen und Stadsholmen mit einer Stadtmauer versehen, die die Stadt nach Norden, aber nicht nach Süden umschloss. Die Stadt hatte bis ins 15. Jh. ca. 4.000 Einwohner, expandierte mit der Etablierung der Zentralregierung im 16. u. 17. Jh. aber schnell auf 10.000 Einwohner und griff auf das nördliche und südliche Ufer aus. Heute ist S. die mit Abstand größte schwedische Stadt.

Am nordöstlichen Ende des Stadsholmen befand sich seit dem 10. Jh. eine Seesperre, die seit dem 12. Jh. mit einer Burg versehen war. Diese Burg entwickelte sich seit dem 13. Jh. zu einer der wichtigsten schwedische Reichsfestungen, die seit dem 16. Jh. Tre Kronor genannt wurde und den Vorgängerbau des jetzigen Schlosses darstellt. Die Burg entwickelte sich im Laufe des Mittelalters zum Zentralsitz der schwedische Könige. Die Burg war durch eine Freifläche von der Stadtkirche, Storkyrka, (St. Nicolai; gegründet nach 1187, ca. 1260 als eigene Pfarrkirche, 1279 erstmals erwähnt) und der Stadt getrennt.

In S. fand spätestens seit dem Lübeck-Traktat König Birger Jarls aus dem Jahr 1250 eine starke niederdeutsche Einwanderung statt. Den Deutschen war bis 1471 gemäß des schwedischen Stadtrechtes die Hälfte der Ratssitze und des Bürgermeisteramtes zugesprochen, wobei die Herkunft des Vaters ausschlaggebend für die Einordnung des Sohnes war. Nach der Abschaffung der Regelung 1471 gingen die meisten der deutschen Ratsherren in den schwedischen Rat über, nur einige wenige wanderten nach Lübeck aus. Die S.er niederdeutschen Familien standen im engen Connubium zu den Bürgern der anderen Hansestädte und gingen enge Handelsverbindungen mit diesen ein. Die Deutschen waren u.a. in der Gertrudsgilde vertreten, deren Bruderschaftsbuch überliefert ist, und sie besitzen bis heute ihre eigene, 1571 gegründete dt. Kirche, St. Gertrud.

1366 war S. auf dem Tag der Seestädte zu Lübeck vertreten (HR I.1, Nr. 376) wie auch der Pfundzoll von 1362-1363 in der Stadt erhoben wurde (HR I.1, Nr. 290). Im Kampf zwischen König Albrecht von Schweden und Königin Margarethe von Norwegen um die schwedische Krone übernahmen die Hansestädte zweitweise die Verwaltung der Stadt. Die weitere Stellung der Stadt zur Hanse ist unsicher, nach 1471 gab es aber starke schwedische Nationalisierungstendenzen, obgleich der Handel in gleichen Bahnen fortgesetzt wurde.

Der S.er Handel innerhalb des Reiches, mit der Hanse und den anderen Ostseeanrainern war umfangreich. Die Stadt war zudem der Haupthandelsort im Bottnischen Meerbusen. Zu den Handelswaren zählten besonders schwedisches Osemund (Eisen) aus dem Bergslagen, Kupfer aus dem Bergwerk zu Falun sowie Produkte der schwedischen Landwirtschaft.

 Die Quellenlage zur Geschichte der Stadt ist gut. So sind u.a. die Stadtbücher, Tänkeböcker, von 1474-1660, sowie die Steuerbücher, Skotteböcker, von 1430-1525 (mit Unterbrechungen), u.a. Quellen erhalten.

Carsten Jahnke2017

Literatur: G. Bolin, Stockholms Uppkomst, 1933; W. Koppe, Lübeck-Stockholmer Handelsgeschichte im 14. Jh., 1933; E. Weinauge, Die deutsche Bevölkerung im mittelalterlichen Stockholm, 1942 (eingeschränkt nutzbar); C. Weibull, Lübecks sjöfart och handel på de nordiska rikena 1368 och 1398-1400, in: Scandia, XXXII (1966); A. Ödman, Stockholms tre borgar: från vikingatida spärrfäste till medeltida kastellborg, 1987; M. Lamberg, Dannemännen i stadens råd, 2001.
Sund
Der (Öre-)S. ist der östlichste der drei Eingänge zur → Ostsee. Er erstreckt sich von der Linie Gilbjerg Hoved (westlich von Gilleleje) - Kullen im Norden bis zur Linie Stevns Leuchtfeuer -... mehr

Der (Öre-)S. ist der östlichste der drei Eingänge zur → Ostsee. Er erstreckt sich von der Linie Gilbjerg Hoved (westlich von Gilleleje) - Kullen im Norden bis zur Linie Stevns Leuchtfeuer - Falsterbo im Süden und trennt Schonen im Osten von Seeland im Westen. Er hat eine Länge von 118 km und ist zwischen 4 und 28 km breit. Die Durchschnittstiefe beträgt 11 m, bei Helsingborg 40 m. Der Name Öres. bedeutet “schmales Fahrwasser mit steinigem Strand”. Die im Süden des S.es liegenden, gefährlichen Fahrwasser vor Skanör auf der Halbinsel Halör (Halbinsel von Falsterbo) standen namengebend für das nördliche Europa (Skaðinaujō, Schadensinsel, lat. Scadinauia bei Plinius d.Ä.). Zur Sicherung der Durchfahrt wurde auf Bitten Lübecks hier 1225 das erste Leuchtfeuer der Ostsee errichtet (HUB I, 195). Der S. war, trotz seiner geringen Tiefe, im Mittelalter der wichtigste Verbindungsweg zwischen Kattegat und Ostsee. Hierdurch verlief fast der gesamte Schiffsverkehr in und aus der Ostsee. Seit dem 10. Jh. gehörte der S. zu Dänemark und die dänischen Könige erhoben einen direkten Herrschaftsanspruch auf das Gewässer. Seit 1429 forderten sie an dessen schmalster Stelle bei Helsingborg den → S.zoll. Der S. diente zugleich der Heringsfischerei. An seinen Küsten entstanden am Ende des 12. Jh. Nordeuropas wichtigste Handels- und Fischmessen, die → Schonischen Messen. S.hering dominierte bis zum 15. Jh. den gesamten europäischen Markt. Aus den Messen entstanden die Städte von Malmö, Kopenhagen, Landskrona und Helsingborg. Seit der Zeit Erichs von Pommern befindet sich die Hauptstadt Dänemarks am S., erst (geplant) Landskrona (die “Krone des Landes”), dann Kopenhagen. Seit der Annexion Schonens durch die Schweden 1658 verläuft die Grenze zwischen Schweden und Dänemark inmitten des S., wobei die Fahrrinne zu Schweden gehört. Der dänische König behielt aber das Passagezollrecht.

Carsten Jahnke2014

Literatur: P. Borschberg, M. North, Transcending borders: the sea as a realm of memory, in: Asia Europe Journal 8 (2010), 279-92.
Sundzoll
Der S. sowie der sogenannte Belt- oder Stromzoll sind Passagezölle, die der dänische König für die Nutzung des Öresundes sowie des Großen und Kleinen Beltes erhob, da nach dänischer... mehr

Der S. sowie der sogenannte Belt- oder Stromzoll sind Passagezölle, die der dänische König für die Nutzung des Öresundes sowie des Großen und Kleinen Beltes erhob, da nach dänischer Rechtsauffassung diese Gewässer sein Eigentum waren. Die Zölle lösten seit 1423/1429 die → Umlandfahrer- und schonischen Marktzölle ab, die durch ausbleibende Anpassung der Privilegien unrentabel geworden waren. Am Öresund wurde der Zoll am Schloss von Helsingör/Elsinore, Kronborg/Krogen, erhoben. Hierdurch wurde Helsingör zur wichtigsten Informationsdrehscheibe Nordeuropas. Der Zollsatz betrug seit 1429 1 Rosennobel per Schiff, wurde aber seit 1587 auf die Ladung erhoben. Der Widerstand der Hansestädte führte zu zahlreichen Sonderregelungen bei den Zollsätzen. Da der S. nur aufgrund der Angaben der Schiffer ermittelt wurde, ist ein ausgeprägter Zollbetrug zu beobachten. Der Zoll war persönliches Eigentum des Königs, der die Zollsätze lange geheim hielt. Die Einnahmen ermöglichten den dänischen Königen eine große Handlungsfreiheit und machten einen sehr großen Teil des königlichen Budgets aus. Die Verzeichnisse des S.s sind für den Zeitraum von 1497 bis 1857 überliefert und online zugänglich (http://www.soundtoll.nl). 1857 wurden die dänischen Passagezölle auf amerikanischen Druck in der Konvention von Kopenhagen abgeschafft.

Carsten Jahnke2014

Literatur: K. Hørby, Øresundstolden og den skånske skibstold, in: Middelalder Studier, Tilegnede Aksel E. Christensen på treårsdagen, 1966, 245-72; Tolden i Sundet, hrsg. O. Degn, 2010.
Teer und Pech
Mit dem Aufkommen klinkergebauter Schiffe stieg die Nachfrage nach T. und P. als Dichtungs- und Konservierungsmittel. T. wird aus Nadelhölzern, besonders aus Kiefernholz und hier besonders aus den... mehr

Mit dem Aufkommen klinkergebauter Schiffe stieg die Nachfrage nach T. und P. als Dichtungs- und Konservierungsmittel. T. wird aus Nadelhölzern, besonders aus Kiefernholz und hier besonders aus den Kiefernstubben durch Schwelung (in Meilern) hergestellt. In der mittelalterlichen Wirtschaft benötigte man Holzt. und- p. vor allem im Schiffbau, als Konservierungsmittel für die hölzernen Schiffsteile und das stehende und laufende Gut, aber auch in der Imprägnierung von Kleidungsstücken für Seeleute. Ein Schiff muss dabei ein- bis zweimal jährlich geteert werden. Der Verbrauch lag etwas bei 10 l pro 25 Tonnen Lastfähigkeit. Holzp. entstand durch Eindampfen des T. in offenen Kesseln. P. erstarrt beim Erkalten und muss zur Verarbeitung wieder erwärmt werden. T. und das daraus gewonnene P. wurde u.a. in Polen, aber auch in Preußen in den ausgedehnten Waldregionen von gewerblichen Teerbrennern gewonnen. Das Vorhandensein von Werften und Teerhöfen sowie städtischen Teerwracken (Bremen, Hamburg, Lübeck, Danzig) in den Seestädten ist ein deutliches Indiz für diesen Handelszweig, der sich ansonsten nur sehr schwer belegen lässt. Für den skandinavischen T.-Handel kennt man die norwegische T.-tonne à 115,9 l, die der schmalen Rostocker Biertonne entsprach. Die gotländische T.-tonne hatte einen Inhalt von 139,3-145,5 l.

Carsten Jahnke2024

Literatur: R. Gelius, Teer und Pech im Seehandel der Ostseeländer im letzten Jahrhundert der Hanse (1550-1650), in: HGBll 120 (2002), 181-203.
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