Hanse­Lexikon
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Buchstabe B

Beckenwerker
Die B. von → Braunschweig stellten durch Hämmern und Treiben von Messing oder Kupfer Becken, Kessel und Objekte wie Grabplatten und Ofentüren her. Den Export u.a. über Hamburg, Lübeck oder Bremen... mehr
Die B. von → Braunschweig stellten durch Hämmern und Treiben von Messing oder Kupfer Becken, Kessel und Objekte wie Grabplatten und Ofentüren her. Den Export u.a. über Hamburg, Lübeck oder Bremen übernahmen vielfach Kaufleute. Das B.recht von 1312 erwähnt schon Hilfsgewerbe. Zu erkennen sind im Handwerk eine ökonomische Differenzierung und Tendenzen zum → Verlag. Bleche als Halbfertigwaren fertigte man seit dem 15. Jh. auch auf wassergetriebenen Hämmern in der Umgebung. Im 16. Jh. sind u.a. durch konkurrierende Zentren und veränderte Nachfrage Krisenerscheinungen zu beobachten.
Rudolf Holbach

Literatur: G. Bergholz, Die B.gilde zu Braunschweig, 1954; Th. Beddies, Becken und Geschütze, 1996.
Belte

Fahrwasser zwischen den dän. Inseln Fünen und Seeland, Großer Belt, sowie zwischen Fünen und Jütland, Kleiner Belt. Der Große Belt ist ca. 115 km lang, 10 bis 30 km breit und erstreckt sich von... mehr

Fahrwasser zwischen den dän. Inseln Fünen und Seeland, Großer Belt, sowie zwischen Fünen und Jütland, Kleiner Belt. Der Große Belt ist ca. 115 km lang, 10 bis 30 km breit und erstreckt sich von einer Linie Refsnæs-Fynshoved im Norden bis nach Gulstav-Kappel Kirke im Süden. Der südliche, längere und schmalere Teil wird durch den Langelands Belt gebildet. Der Kleine Belt ist ca. 125 km lang, verengt sich bis auf 600 m und erstreckt sich zwischen den Linien Æbelø-Bjørnsknude im Norden und Alsen-Vejnæs Nakke im Süden. Beide Wasserstraßen bilden die westlichen Zugänge zur Ostsee. Der Kleine und Große B. gelten aber als besonders schwierige Segelgebiete, wobei der Gr. Belt die größte Wassertiefe aller Ostseezugänge ausweist. Aufgrund der schwierigen Segelverhältnisse nutzen die m.a. Schiffer zumeist die Öresundspassage, wo sie seit 1429 den Sundzoll erlegen mussten. Zur Umgehung des Zolles wichen einige Kaufleute über die Belte aus, was ihnen dänischerseits zuerst untersagt wurde. Doch nutzten vor allem die wendischen Bergen- und Norwegenfahrer die Beltroute. Seit Ausgang des 15. Jhs. bis 1857 waren auch die Passagen durch die Belte zollpflichtig, wobei der Belt- oder Stromzoll entweder in Helsingör am Öresund, in Nyborg am Großen B. oder aber seit ca. 1510/20 an der Wehrkirche von Middelfart resp. dem jütischen Snoghøj am Kleinen B. erlegt werden musste. Im Jahr 1655 wurde die Zollstelle von Middelfart nach Frederiksodde/Fredericia verlegt. Über die Häufigkeit der Beltpassagen liegen für das Mittelalter keine Angaben vor. Im Jahr 1700 passierten ca. 700 Schiffe jährlich den Kleinen B. Die Einnahmen aus dem Beltzoll machten aber meist nur 1/10 der Einnahmen aus dem Sundzoll aus.

Carsten Jahnke

Literatur: Mikael Venge, Fra åretold til toldetat, Dansk Toldhistorie, Vol. I, København 1987, 107f. u. 198f.; Erik Housted, Toldvæsen og toldere i Fredericia, in: Zise. Toldhistorisk Tidsskrift, 7. Jg., 1984, Nr. 1, 4-29. Friedrich Bruns, Die Lübecker Bergenfahrer und ihre Chronistik, 1900, Bd. II, XCVIII und passim. 
Bergen, Spiele in

Jeder Kaufmann oder Junge, der zum ersten Mal das Kontor in Bergen betrat, musste sich den B. unterziehen. Diese Aufnahmerituale variierten von Hof zu Hof, das gemeinsame Element war aber... mehr

Jeder Kaufmann oder Junge, der zum ersten Mal das Kontor in Bergen betrat, musste sich den B. unterziehen. Diese Aufnahmerituale variierten von Hof zu Hof, das gemeinsame Element war aber körperliche Gewalt. Zu den Ritualen gehörten das Hängen in den Rauchabzug, Untertauchen im Hafenbecken und Prügeln der Neuankömmlinge. Ziel der Spiele war es, bei der Aufnahme in die Kontorgemeinschaft die Unterschiede zwischen reich und arm aufzuheben, wahrscheinlich vor allem, um die Identifizierung mit der Gemeinschaft zu stärken. Ein Freikauf von den Spielen war deshalb verboten.

Mike Burkhardt

Literatur: J. Hartung, Die Spiele der Deutschen in Bergen, HGbll. 7 (1877), 89-114.
Bergener Morde

Am 1. 9. 1455 flüchteten der königliche Statthalter Olav Nielsson mit Familienangehörigen und Bischof Torleiv vor einer aufgebrachten Menge aus dem hansischen Kontor in Bergen in das örtliche... mehr

Am 1. 9. 1455 flüchteten der königliche Statthalter Olav Nielsson mit Familienangehörigen und Bischof Torleiv vor einer aufgebrachten Menge aus dem hansischen Kontor in Bergen in das örtliche Munkeliv Kloster. Die Hansekaufleute und ihre Anhänger stürmten darauf das Kloster und töteten den Statthalter, den Bischof und weitere 60 Personen. Nielsson, der unter König Erik in den 1420er Jahren am Kaperkrieg gegen die Hansestädte beteiligt war, war von König Christian I. 1453 als Statthalter von Bergen abgesetzt, 1455 aber wieder eingesetzt worden. Er vertrat eine harte Position gegenüber dem hansischen Einfluss in Norwegen. Von hansischer Seite wurde offiziell Nielssons Beteiligung an Piratenangriffen auf hansische Schiffe als Grund für den Überfall genannt. Als Auslöser für die Übergriffe sind aber seine große Machtfülle und seine antihansische Politik wahrscheinlicher. Einer drohenden Exkommunikation durch den Papst entging das Kontor durch den Wiederaufbau des Klosters und ein Sühnegeld an König Christian. Olav Nielssons Kinder Margaret und Axel starteten nach dem Mord an ihrem Vater eine jahrelange Kaperfehde gegen die Hansekaufleute.

Mike Burkhardt

Literatur: A. Nedkvitne, Det norske riksrådet og utenlandske kjøpmenn 1440–1455, in: Kongsmenn og krossmenn. Festskrift til Grethe Authén Blom, hrsg. S. Supphellen, 1992, 231–54; J. E. Olesen, Unionskrige og Stændersamfund 1450-1481, 1983, 44-68.
Bergenfahrer
Als B. werden Hansekaufleute bezeichnet, die einen wichtigen Teil ihres Handels mit dem in der norwegischen Stadt Bergen gelegenen Kontor betrieben. Die Bezeichnung ist bereits aus zeitgenössischen... mehr
Als B. werden Hansekaufleute bezeichnet, die einen wichtigen Teil ihres Handels mit dem in der norwegischen Stadt Bergen gelegenen Kontor betrieben. Die Bezeichnung ist bereits aus zeitgenössischen Quellen bekannt, so dem Lübecker Niederstadtbuch und zahlreichen Urkunden, wobei unklar bleibt, was genau die Voraussetzung war, um als B. bezeichnet zu werden. In Lübeck und anderen Seestädten, aus denen viele Kaufleute regen Handel mit Bergen betrieben, entstanden im 14. und 15. Jh. B.kompanien, in denen sich viele B. organisierten. Im engeren Sinne werden von der Forschung vor allem die Mitglieder der B.kompanien und am Kontor langfristig ansässige Kaufleute als B. bezeichnet. Aber auch Mitglieder anderer Korporationen, etwa Flandernfahrer, können rege am Handel mit Bergen partizipiert haben und damit im weiteren Sinne ebenfalls als B. betrachtet werden.
Mike Burkhardt

Literatur: F. Bruns, Die Lübecker B. und ihre Chronistik, 1900; M. Burkhardt, Der hansische Bergenhandel im Spätmittelalter, 2009.
Berlin-Cölln
Durch weitreichende Aktivitäten ihrer Kaufleute wurde die Doppelstadt an der Spree seit dem 13. Jh. auf die Seehäfen wie Hamburg und Stettin ausgerichtet und in das hansische Handelssystem einbezogen.... mehr
Durch weitreichende Aktivitäten ihrer Kaufleute wurde die Doppelstadt an der Spree seit dem 13. Jh. auf die Seehäfen wie Hamburg und Stettin ausgerichtet und in das hansische Handelssystem einbezogen. „Berliner Roggen“ wurde, seit den 1280er Jahren belegt, über Hamburg nach Flandern befördert und von dort Qualitätstuch in die Mittelmark eingeführt; über Stettin und Berlin wurde die Mark wie auch der mittelelbisch-meißnische Raum mit Fisch versorgt. Berlin und Cölln folgten einer während der Handelssperre gegen Flandern ergangenen Einladung zum Hansetag 1359 in Lübeck. In der Folgezeit aber waren die hansischen Aktivitäten der Doppelstadt gering. Erst als 1430 ihre Freiheit vom Landesherrn bedroht wurde, wandte sich Berlin-Cölln verstärkt der Hanse zu und nahm an Hansetagen zu Lübeck 1430 und 1434 teil. Kurfürst Friedrich II. nahm Berlin-Cölln während eines innerstädtischen Konflikts 1442 die freie Ratswahl, das Bündnisrecht u.a. und setzte getrennte demokratische Räte ein. Trotz Aberkennung des eigenständigen Bündnisrechts beteiligte sich Berlin-Cölln 1443 und 1447 an hansischen Zusammenschlüssen. Nach dem Berliner Unwillen konnte der Kurfürst Berlin-Cölln 1448 endgültig niederwerfen. Unter dem wachsenden Druck des Markgrafen teilte Berlin 1452 offiziell seinen Austritt aus der Hanse mit, wurde aber vereinzelt noch weiterhin einbezogen. Erst 1518 schied die märkische Hauptstadt und mit ihr die Schwesterstadt Cölln endgültig aus der Hanse aus.
Heidelore Böcker

Literatur: E. Müller-Mertens, B. und die Hanse, HGbll. 80 (1962), 1-25; H. Engler, F. Escher, B., in: Städtebuch Brandenburg und Berlin, hrsg. E. Engel, L. Enders u.a., 2000, 579-607.
Birkenrinden
B, wurden in der mittelalterlichen Rus‘ als Schreibmaterial verwendet. Seit 1951 wurden in den altrussischen Städten insgesamt mehr als 1150 Briefe bzw. Fragmente auf B. aus dem 11.-15. Jh. gefunden,... mehr
B, wurden in der mittelalterlichen Rus‘ als Schreibmaterial verwendet. Seit 1951 wurden in den altrussischen Städten insgesamt mehr als 1150 Briefe bzw. Fragmente auf B. aus dem 11.-15. Jh. gefunden, davon ca. 1050 in → Novgorod (Stand 2012). Hinsichtlich der chronologischen Verteilung der Befunde treten hier das 12. Jh. und die letzten Jahrzehnte des 14. Jh. hervor. Die in der Regel mit einem Stilus auf das B.stück mit einer Länge von ca. 15-40 cm und Breite von ca. 2-8 cm geschriebenen Texte stellen mehrheitlich kurze (meistens bis zu ca. 20, nur einzelne über 150 Wörter enthaltende) Briefe, Notizen und Aufzeichnungen wirtschaftlicher und privater Natur dar. Es kommen aber auch Lernübungen, Urkunden oder ihre Entwürfe und kirchliche Texte vor. Neben Verwendung der Versionen des Altrussischen sind mit Einzelstücken auch die niederdeutsche, ostseefinnische, lateinische und griechische Sprache vertreten. Viele B. berichten über Warenlieferungen, Kredit und Kontakte mit der Peripherie des Novgoroder Landes sowie den anderen altrussischen Zentren.
Anti Selart

Literatur: J. Schaeken, The Birchbark Documents in Time and Space – Revisited, in: Epigraphic literacy and Christian identity, hrsg. K. Zilmer, J. Jesch, 2012, 201-24; A. A. Zaliznjak, Drevnenovgorodskij dialekt, 2. Ausg., 2004; http://www.schaeken.nl/lu/research/index.htm
Bodmerei

B . engl. bottomry. B. ist ein nordeuropäischer Typ des Seedarlehens. Dem Gläubiger wurde ein Schiff, dessen gesamte Ladung oder beides zusammen verpfändet. Das Pfand trat, wie es... mehr

B . engl. bottomry. B. ist ein nordeuropäischer Typ des Seedarlehens. Dem Gläubiger wurde ein Schiff, dessen gesamte Ladung oder beides zusammen verpfändet. Das Pfand trat, wie es für das einheimische Sachenrecht typisch war, an die Stelle der persönlichen Schuld (reine Sachhaftung). Der Gläubiger übernahm also die Seegefahr: Ging das Pfand verloren, verlor der Gläubiger sein Recht. Es besteht eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit zum weit verbreiteten mediterranen Seedarlehen, dem foenus nauticum. Doch der Name des Vertrags (von engl. bottom oder Boden = Schiffsboden) und auch sachliche Unterschiede (das Schiff und/oder die gesamte Ladung waren Gegenstand der B.) deuten auf eine eigenständige Parallelentwicklung hin. Im Hanseraum war die B. nur erlaubt, wenn das Schiff in einem fremden Hafen repariert oder mit Proviant versorgt werden musste (Notbodmerei; ähnlich schon im ersten Artikel der → Rôles d’Oléron geregelt, erste Belege im Hanseraum 1387). Die Gründe für das weitgehende Verbot werden nicht genannt. Möglicherweise erschien es als unerwünschtes Spekulationsgeschäft, ohne eigene finanzielle Beteiligung auf Handelsreise zu gehen. Erst 1591 erfolgt eine allgemeine Freigabe; ob das Verbot schon zuvor in der Handelspraxis häufig übertreten wurde, ist schwer festzustellen.

Albrecht Cordes

Literatur: B. Matthiass, Das foenus nauticum und die Geschichtliche Entwicklung der Bodmerei, 1881; G. Landwehr, Art. Bodmerei, Lexikon des Mittelalters II, 1999, 307; A.-E. Rothweiler, Art. Bodmerei, Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte I, 2. Aufl. 2008, 630–32; A. Cordes, Lex Maritima? Local, Regional, and Universal Maritime Law in the Middle Ages, in: The Routledge Handbook of Maritime Trade Around Europe 1300-1600, hrsg. W. Blockmans, M. Krom u.a., 2017, 69–85.
Borgkauf

B. ist Kauf auf Kredit, also unter Stundung des Kaufpreises. Die in Brügge und Nowgorod vorkommenden Verbote des B.s, die lange Zeit als Ausdruck einer generellen Kreditfeindlichkeit der Hanse... mehr

B. ist Kauf auf Kredit, also unter Stundung des Kaufpreises. Die in Brügge und Nowgorod vorkommenden Verbote des B.s, die lange Zeit als Ausdruck einer generellen Kreditfeindlichkeit der Hanse gesehen wurden, müssen wohl eher als taktische Maßnahmen im Rahmen von konkreten Handelskonflikten verstanden werden. Denn der Versuch, das Verbot des B. gegenüber externen Machthabern durchzusetzen und auf sofortiger Bezahlung zu bestehen, konnte solche Potentaten in gefährlicher Weise verärgern. Generell hätte angesichts der Edelmetallknappheit vor allem im Osten der Handelsverkehr ohne B. kaum aufrechterhalten werden können.

Albrecht Cordes

Literatur: St. Jenks, War die Hanse kreditfeindlich?, in: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 69 (1982), 305-38; Ph. Dollinger, Die Hanse, 6. Aufl. 2012.
Boston

Englische Handelsstadt in der Grafschaft Lincolnshire. Die St. Botolph Messen in B. (vom 17. Juni bis zum September) entwickelten sich zum Zentrum des englischen Wollexports. Spätestens seit Beginn... mehr

Englische Handelsstadt in der Grafschaft Lincolnshire. Die St. Botolph Messen in B. (vom 17. Juni bis zum September) entwickelten sich zum Zentrum des englischen Wollexports. Spätestens seit Beginn des 14. Jh. boten dort hansische Kaufleute skandinavische Waren an, die bis zu 60 % aller Importe ausmachten, und tauschten diese gegen Wolle ein. Mit dem Aufstieg des englischen Tuchgewerbes seit 1350 wuchs B.s Bedeutung als Exporthafen, doch ging der Tuchexport zu Beginn des 15. Jh. zurück, und London übernahm bald die Führungsrolle. Seit Ende des 13. Jh. sind hansische Kaufleute in B. nachzuweisen. Seit Beginn des 14. Jh. gewannen vor allem Lübecker im Handel zwischen Bergen, B. und Flandern eine dominante Stellung. Bis 1391 war B. zum wichtigsten hansischen Ausfuhrhafen für englische Tuche aufgestiegen, bis 1456 von den Lübeckern kontrolliert. Probleme im Norwegenhandel, in Lübeck selbst und zwischen England und Lübeck schädigten den Handel so, dass er sich nach der Mitte des 15. Jh. nicht wieder erholte. Die hansischen Kaufleute besaßen in B. ein eigenes Kontor, den Stalhof, der teilweise von Bergen (HR II, 4, 187), später von London aus verwaltet wurde. Er bedurfte am Ende des 15. Jh. größerer Reparaturen, die nicht mehr bezahlt werden konnten. 1550 wurde er erstmals an Engländer vermietet, die Nutzung als Kontor erlosch. Nach 1601 wurde werden die Eigentumsverhältnisse unsicher. 1641 waren Reparaturen an der Wasserfront des Stalhofes so dringend geworden, dass die Stadt das Kontor öffentlich versteigern ließ. 1662 forderten die Hansestädte zuletzt das Eigentum zurück, ohne Erfolg.

Carsten Jahnke

Literatur: J. M. Lappenberg, Urkundliche Geschichte des Hansischen Stahlhofes zu London, 1851, 162-65; M. Burkhardt, One hundred years of thriving commerce at a major English sea port, in: The dynamics of economic culture in the North Sea and Baltic Region, hrsg, H. Brandt, L. Müller, 2007, 65-85; ders., hansische Bergenhandel im Spätmittelalter, 2009, 170-78.
Böttcher
Der B.beruf ist im Hanseraum z.T. schon im 13. Jh. belegt, im 14. Jh. deutlich als Zunft fassbar und erreichte eine größere Zahl von Beschäftigten (Begrenzung in Hamburg 1437 auf 200 Meister). Der... mehr
Der B.beruf ist im Hanseraum z.T. schon im 13. Jh. belegt, im 14. Jh. deutlich als Zunft fassbar und erreichte eine größere Zahl von Beschäftigten (Begrenzung in Hamburg 1437 auf 200 Meister). Der hohe Bedarf an Gefäßen für Aufbewahrung und Transport von flüssigen wie trockenen Waren förderte Spezialisierungen bei Produkten wie Handwerkern (z.B. Groß- und Kleinb.) und die Entstehung von Hilfsgewerben (Bandhauer/-schneider). Als besonderes Problem im Sinne einer Verlässlichkeit im Handel erwies sich die Abstimmung und Einhaltung von Maßen (z.B. Rostocker Band, Kulmisches Maß).
Rudolf Holbach

Literatur: R. Holbach, Hansische Versandlogistik, HGbll. 123 (2005), 129-52; U. Müller, Drechseln und B.n, in: Archäologie und mittelalterliches Handwerk, hrsg. W. Melzer, 2008, 169-99.
Brabant
war im Frühmittelalter der Name einer größeren Siedlungskammer mit Brüssel als Hauptort, welche in karolingischer Zeit in vier Grafschaften unterteilt wurde, von denen eine ebenfalls B. genannt wurde.... mehr
war im Frühmittelalter der Name einer größeren Siedlungskammer mit Brüssel als Hauptort, welche in karolingischer Zeit in vier Grafschaften unterteilt wurde, von denen eine ebenfalls B. genannt wurde. Seit 1106 fungierten die Grafen von Löwen wegen ihrer Nähe zu den Königen des ostfränkischen Reichs als Herzöge in Niederlothringen und als Markgrafen von Antwerpen. Als Herzöge vereinigten sie den Gau B. mit ihrer kleinen Grafschaft. Auf Grund von Beschwerden anderer Adliger wurde auf einem kaiserlichen Hoftag 1190 bestimmt, dass die Grafen von Löwen zwar ihren Herzogstitel behalten durften, das Herzogsamt aber nur in ihren eigenen Herrschaftsgebieten ausüben durften. Das größere B. gab nun den Namen des neudefinierten Herzogtums. Etwas später als in Flandern, nämlich ab etwa 1200, entstand eine Tuchproduktion, die dazu führte, dass die Herzöge sich gezwungen sahen, ihre Kaufleute auf den Fernverkehrsstraßen vor allem nach Osten Richtung Aachen und Köln zu schützen. Von Bedeutung war 1288 der Sieg der Schlacht von Worringen, die Hzg. Johann I. in die Lage versetzte, das Herzogtum Limburg zu erwerben. Die starke Stellung der Herzöge beruhte u.a. auf der Unterstützung der durch sie geförderten Städte (Brüssel, Löwen u.a.). Gegen eine Koalition der Nachbarn, denen die B.er Fürsten zu mächtig geworden waren, musste sich der junge Herzog Johann III. 1332-1334 mit Hilfe der Städte durchsetzen, denen er zuvor in der Charta von Kortenberg umfassende Kompetenzen zugestanden hatte. Nach dem Tod Johanns III. kam es zu einem Erbfolgekrieg unter seinen Schwiegersöhnen, in dessen Folge Antwerpen und Mecheln 1357 an Flandern fielen (bis 1405), die Herrschaft in B. hingegen der Herzog von Luxemburg, Wenzel, übernahm. Dieser musste zu Beginn seiner Herrschaft 1356 den Ständen weitreichende Zugeständnisse machen mit einem Privileg, das aus Anlass des feierlichen Einzugs in die Hauptstadt Brüssel bis heute „Blijde Inkomst / Joyeuse Entrée“ genannt wird. Zu einem Dynastiewechsel kam es nach 1415, als nach dem Ende der Luxemburger zunächst eine Nebenlinie der Burgundischen-Valois, dann 1430 der burgundische Herzog Philipp der Gute selbst die Herrschaft übernahm. Seitdem gehörte B. zu den Kernländern der burgundischen Niederlande, behielt aber seine eigenen Institutionen auch unter den Habsburgern ab 1493/94 bei. Einen Einschnitt bedeutete der 1568 einsetzende 80-jährige Krieg zwischen den calvinistischen Ständen und der katholischen Landesherrschaft der spanischen Habsburger, der erst durch den Westfälischen Frieden 1648 beigelegt wurde. Der nördliche Teil B.s um ´s-Hertogenbosch kam zu den Niederlanden. B. gehörte in der Fol-ge zu den katholisch bleibenden Spanischen, ab 1713 Österreichischen Niederlanden, deren Hauptstadt Brüssel war. 1795 wurden die Niederlande, auch B., in den Koalitionskriegen von den Franzosen besetzt, 1815 gehörte B. zu dem im Wiener Kongress neu geschaffenen König-reich der Niederlande, 1830 zu dem neu geschaffenen Königreich Belgien. Für die Hansege-schichte sind die Tuchproduktion in den größeren Städten, die seit etwa 1270 an zweiter Stelle hinter der Flanderns stand und ab dieser Zeit in den Export ging, die Rolle Antwerpens als Hafenstadt und vor allem als internationaler Markt seit dem späten 15. Jahrhundert bis zur Schließung des Hafens 1575, sowie die Jahrmärkte zu Ostern und zu Allerheiligen in Bergen-op-Zoom von Bedeutung.
Harm von Seggern

Literatur: Geschiedenis van Brabant van het hertogdom tot heden, hrsg. R. van Uytven, C. Bruneel, A.M. Koldeweij u.a.., 2004; P. Avonds, Brabant tijdens de regering van hertog Jan III 1312-1356. Land en instellingen, 1991.
Brandenburg (Havel), Stadt

Das 1288 angelegte Hamburgische Schuldbuch belegt den Fernhandel B.s. Seit 1308/09 schlossen Alt- und Neustadt B. mit anderen märkischen Städten Bündnisse (1321, 1348, 1349, 1393, 1399), besonders... mehr

Das 1288 angelegte Hamburgische Schuldbuch belegt den Fernhandel B.s. Seit 1308/09 schlossen Alt- und Neustadt B. mit anderen märkischen Städten Bündnisse (1321, 1348, 1349, 1393, 1399), besonders zur Aufrechterhaltung des Landfriedens. 1368 beschlossen wendische und märkische Städte, darunter B., Fürsten und Herren vom Beistand König Waldemars von Dänemark abzubringen. Dem ersten Besuch eines Hansetages folgte 1434 B.s aktiver Anschluss, bis etwa 1470 die Lösung der Bindungen an die Hanse. Der Tohopesate von 1443 schlossen sich Alt- und -Neustadt an. Der Entwurf einer Tohopesate sah 1475 für die Neustadt fünf Bewaffnete vor. Im Flandernhandel kam zu Lübeck 1452 die Durchfuhr nicht zertifizierter Waren durch B.er Kaufleute zur Sprache. Über das Recht zur „Niederlage“ verfügte die Neustadt seit um 1455, die Altstadt seit 1564. 1441 sollte sich B. bei Nichterscheinen gegenüber Stettin erklären. Frankfurt (Oder) hatte B. zur Lübecker Hanseversammlung 1456 bevollmächtigt; dieses sollte Nichterscheinen künftig vor Frankfurt erklären. B. wurde 1461 und 1470 aufgefordert, zur Versammlung nach Lübeck zu kommen. Auf die Ladung zum Lübecker Hansetag 1476 begründeten B. Alt- und -Neustadt ihr Ausbleiben mit Verhinderung durch den Markgrafen und ermächtigten keine andere Stadt, sie zu vertreten.

Heidelore Böcker

Literatur: W. Schich, Zur Genese der Stadtanlage der Altstadt und Neustadt B., in: Beiträge zur Entstehung und Entwicklung der Stadt B. im Mittelalter, hg. W. Schich, 1993, 51-101; W. Schich, B. an der Havel, in: Städtebuch Brandenburg und Berlin, hg. E. Engel, u.a, 2000, 47-69.
Brandenburg (Mark)
Die Umstellung der märkischen Landwirtschaft um 1220 von Viehzucht auf intensiven Getreideanbau erbrachte Überschüsse an Roggen und Gerste. Die Städte erwarben das Recht zur freien Ausfuhr von... mehr
Die Umstellung der märkischen Landwirtschaft um 1220 von Viehzucht auf intensiven Getreideanbau erbrachte Überschüsse an Roggen und Gerste. Die Städte erwarben das Recht zur freien Ausfuhr von Getreide, solange die Versorgung im Lande gesichert sei. Die Markgrafen gewährten Privilegien des Marktrechts, der Zollfreiheit und des Niederlagerechts. Brandenburg wurde seit dem 13. Jh. zum Lieferanten für Getreidemangelgebiete des Westens und Nordens und lieferte vor allem über Hamburg und Stettin nach den Niederlanden und Skandinavien. Märkische Kaufleute brachten zudem Holz und Leinwand auf die hansischen Märkte und führten flandrische Tuche, Metalle, Salz, Gewürze und Heringe in die Mark ein. Sie betrieben Handel mit und in den Niederlanden und England, mit Dänemark, Schonen und Gotland und auch in Tirol. Die → brandenburgischen Städte verfügten über politische Handlungsfähigkeit bis hin zu reinen Städtebünden und selbstständigen politischen und militärischen Aktionen. Ende des 14. Jh. hatten regionale Hauptorte wie Stendal, Perleberg, Brandenburg, Berlin-Cölln, Prenzlau, Frankfurt (Oder) und Luckau ein Höchstmaß an kommunaler Selbstständigkeit erreicht. Seit dem frühen 15. Jh. aber war der aktive Fernhandel Brandenburgs, namentlich der Getreidehandel, im Rückgang begriffen. Die Einordnung des Adels in territorialfürstliche Bestrebungen, zentralisierte Territorialverwaltung und effektive Nutzung wirtschaftlicher Möglichkeiten in fürstlichen Domänen minderten die Wirtschaftskraft der Bürger. Auf Bestrebungen der Markgrafen und anderer Herrschaftsträger im 15. Jh., die Städte wieder stärker unter ihre Herrschaft zu bringen, antworteten die Hansestädte mit dem Abschluss von → tohopesaten, scheuten jedoch vor offenem Kampf zurück. Brandenburgische Städtebünde sind seit dem altmärkischen von 1478 nicht mehr nachweisbar. Die brandenburgischen Städte verloren – auch im Zusammenhang mit einer sinkenden Handelsbedeutung – in der Folge die Mitgliedschaft in der Hanse.
Heidelore Böcker

Literatur: E. Engel, Zur Autonomie brandenburgischer Hansestädte im Mittelalter, in: Autonomie, Wirtschaft und Kultur der Hansestädte, hrsg. K. Fritze, E. Müller-Mertens u.a., 1984, 45-75; W. Schich, G. Heinrich, Land und Städte in Brandenburg und Berlin, in: Städtebuch Brandenburg und Berlin, hrsg. E. Engel,
Brandenburgische Städte

Der Fernhandel spielte in den älteren und größeren Städten der Mark Brandenburg von Anfang an eine wesentliche Rolle. In den Händen ihrer Kaufleute lag bereits im 13. Jh. der Export vor allem von... mehr

Der Fernhandel spielte in den älteren und größeren Städten der Mark Brandenburg von Anfang an eine wesentliche Rolle. In den Händen ihrer Kaufleute lag bereits im 13. Jh. der Export vor allem von Getreide und Holz ebenso wie der Import von wertvollen Tuchen und anderen Fernhandelswaren. Die Ausfuhr von Roggen und Weizen über Hamburg nach Flandern durch mercatores de Marchia und die gleichzeitige Einfuhr von Tuch ist in einer Zollrolle des Grafen Adolf IV. von Holstein für 1236 belegt; ebenso wird Hering genannt. Zwischen 1254 und 1263 bestätigten die Grafen Johann und Gerhard die zur Zeit ihres Vaters gültig gewesenen Zollsätze in Hamburg und erließen erneut eine Zollrolle für die mercatores marchionum de Brandenborch. Sie bezeugt, dass diese mit ihren Waren über Hamburg nicht nur nach Flandern, sondern auch nach England reisten. Kenntnis vom Umfang des märkischen Handels mit Hamburg und darüber hinaus mit den Niederlanden gewährt das 1288 angelegte Hamburgische Schuldbuch. Durch Vermittlung über Hamburg oder durch direkten Kontakt standen flandrische Kaufleute mit märkischen Kaufleuten z. B. in Berlin, Salzwedel, Lenzen und Havelberg im Handelsverkehr. Nach einer Ausrichtung des märkischen Handels zunächst auf Hamburg nahm seit der Mitte des 13. Jh. der Handel zum Odermündungsraum und damit zur Ostsee einen Aufschwung. Von 1359 ist der Entwurf eines Schreibens von Rostock an die märkischen Städte Pritzwalk, Kyritz, Berlin, Cölln, Havelberg, Werben, Seehausen, Stendal, Gardelegen, Salzwedel und Perleberg überliefert, in dem diese zu einem allgemeinen Hansetag eingeladen werden, auf dem besonders über die flandrischen Übergriffe gegen deutsche Kaufleute verhandelt werden sollte. Die brandenburgischen Städte leisteten der Hanse keine Unterstützung im Kampf gegen Dänemark und waren offensichtlich nicht gewillt, den Pfundzoll zu entrichten, doch sollten sie 1368 Fürsten und Herren vom Beistand der Dänen abbringen. Berlin-Cölln (ohne Schloss) war mit insgesamt 70 Hektar die nach der Fläche größte Stadt der Mark Brandenburg östlich der Elbe, mit etwa 6.000 Einwohnern eine größere deutsche Mittelstadt und ein beachtliches Handels- und Gewerbezentrum innerhalb eines überwiegend agrarisch geprägten Territoriums im weiteren „Hinterland“ der hansischen Küstenstädte – in dieser Hinsicht vergleichbar den märkischen Städten Stendal, Salzwedel, Brandenburg, Frankfurt und Prenzlau. Nachdem die Hohenzollern ihre Position in der Mark gestärkt hatten, begannen sie, die Städte in ihren Rechten zu beschneiden, um sie in ihre angestrebte Territorialherrschaft einzuordnen. Die Ratsgeschlechter versuchten, ihr Regiment durch Städtebünde und durch den aktiven Anschluss an die Hanse nach beiden Seiten abzusichern. Auf dem Lübecker Hansetag im Januar 1430 war für den Fall eines fürstlichen Angriffs auf eine Mitgliedsstadt konkreter militärischer Beistand vereinbart worden. Von den märkischen Hansestädten wurden in der Matrikel Stendal, Salzwedel, Berlin und Frankfurt genannt, die 19 Lanzen stellen sollten. Der aktive Fernhandel der märkischen Städte, namentlich der Getreidehandel ging im 15. Jh. zurück; fremde Kaufleute gewannen an Einfluss, der Adel handelte mit Getreide, betrieb möglicherweise auch schon dessen Ausfuhr. Hamburg schob sich sowohl zwischen den märkisch-niederländischen als auch märkisch-englischen Handel und wurde schließlich zum entscheidenden Vermittler. Nach dem Eingreifen Kurfürst Friedrichs II. in → Berlin-Cölln 1442 schloss die Hanse eine Vereinbarung über ein gegen fürstliche Übergriffe gerichtetes bewaffnetes Aufgebot. Die märkischen Städte Stendal, Salzwedel, Berlin, Frankfurt und Brandenburg wurden mit 31 Bewaffneten in die → Tohopesate einbezogen. 1447/48 wandten sich Berlin und Cölln mit der Bitte um Unterstützung an die anderen märkischen Städte und die Hanse. Die erhoffte Hilfe blieb aus. Da Berlin dem wachsenden Druck des Markgrafen ausgesetzt war, teilte es 1452 offiziell seinen Austritt aus der Hanse mit. Die Verbindung der kurmärkischen Städte zur Hanse reduzierte sich im Verlaufe der zweiten Hälfte des 15. Jh. auf die kleine altmärkische Gruppe um Stendal und Salzwedel. 1518 sah sich der Hansetag gezwungen, offiziell in seinem Rezess bekannt zu geben, dass 31 Städte aus der Hanse ausgeschlossen worden seien, da sie ihre Privilegien nicht mehr in Anspruch nähmen, nicht mehr zu den Hansetagen erschienen oder nicht mehr in der Lage seien, das Beratungsgeheimnis gegenüber ihren Stadtherren zu wahren, darunter Stettin, Frankfurt an der Oder und Berlin. Dennoch belegt das Urkundenmaterial insgesamt eine lange Zeit intensiver Verbindung brandenburgischer Städte mit der Hanse.

Heidelore Böcker

Literatur: E. Müller-Mertens, Untersuchungen zur Geschichte der brandenburgischen Städte im Mittelalter, I-IV, Wiss. Zeitschr. der Humboldt-Universität zu Berlin, Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe, 5 (1955/56) H. 4, 191-221, 271-307; 6 (1956/57) H. 1, 1-28; W. Schich, G. Heinrich, Land und Städte in Brandenburg und Berlin, in: Städtebuch Brandenburg und Berlin, hrsg. E. Engel, L. Enders u.a., 2000, XXVII-LII.
Braunschweig

B. Aufschwung begann in der Zeit des Welfenherzogs Heinrichs des Löwen (1142 – 1180). Bereits in dem ersten überlieferten Stadtrecht, dem Hagenrecht, um 1150/60 verliehen, wird B. Handel erwähnt... mehr

B. Aufschwung begann in der Zeit des Welfenherzogs Heinrichs des Löwen (1142 – 1180). Bereits in dem ersten überlieferten Stadtrecht, dem Hagenrecht, um 1150/60 verliehen, wird B. Handel erwähnt und auf Oker, Aller und Weser vom Zoll befreit. Im ersten Drittel des 13. Jh. ist B. Fernhandel sehr viel deutlicher erkennbar: 1228 wurden die Bürger B. vom dänischen König Waldemar II. in Schutz genommen und vom Zoll und Standrecht befreit. 1230 erteilte König Heinrich III. von England B. ein Handelsprivileg, das den Kaufleuten aus B. Schutz und ungehinderten Handel durch das ganze Reich Heinrichs III. zusicherte. Die erste nachweisbare Übereinkunft mit einer anderen Stadt schloss B. 1247 mit Hamburg zur Sicherung des Friedens und gegenseitigen Handels. Die Bündnispolitik B. gewann im Laufe des 13. und 14. Jh. erheblich an Bedeutung, mündete 1384 in ein festes Bündnissystem der sächsischen Städte ein und wurde bis zum Beginn des 16. Jh. in Teilen zu einem subsidiären System der Hanse ausgebaut. B. wuchs auch durch die Ausrichtung des Handels im entstehenden hansischen Beziehungsgeflecht in die Hanse hinein. Indikatoren dafür sind die Einbeziehung B. in die Abstimmung, die 1294/95 über die Verlegung des Oberhofs für das Kontor von Nowgorod von  Visby nach Lübeck durchgeführt wurde, sowie die Beteiligung B. an der Verlegung des Hansekontors von Brügge nach Aardenburg 1307-09. Von 1358 an nahmen B. Gesandte mit unterschiedlicher Intensität an den Hansetagen bis zum letzten Hansetag 1669 teil. Zeitweise vertraten die B. Gesandten auch die sächsischen Städte im Ganzen mit. Während der B. Schicht 1374 bis 80 kam es aufgrund des blutigen Verlaufs der Schicht 1375 zum Ausschluss B. aus der Hanse, der erst 1380 wieder aufgehoben wurde. B. war über weite Phasen der Zugehörigkeit in der Hanse zusammen mit Magdeburg Vorort des sächsischen Drittels bzw. Quartiers in der Hanse.

Matthias Puhle

Literatur: M. Garzmann, Stadtherr und Gemeinde in Braunschweig im 13. und 14. Jh., 1976; M. Puhle, Die Politik der Stadt Braunschweig innerhalb des Sächsischen Städtebundes und der Hanse im späten Mittelalter, 1985.
Bremen

(888 Brema, 937 Bremun) war dank seiner verkehrsgünstigen Lage an einem Weserübergang auf einer hochwasserfreien Düne im Zentrum des B.er Beckens bereits in der Karolingerzeit kirchlicher und... mehr

(888 Brema, 937 Bremun) war dank seiner verkehrsgünstigen Lage an einem Weserübergang auf einer hochwasserfreien Düne im Zentrum des B.er Beckens bereits in der Karolingerzeit kirchlicher und administrativer Mittelpunkt im sächsisch-friesischen Küstengebiet zwischen Ems und Elbe. Erwähnt wird es zuerst zum Jahre 782. 789 errichtete der angelsächsische Missionar Willehad hier eine Bischofskirche. Nach der Vereinigung des Bistums B. mit dem Missionserzbistum Hamburg erwarb Erzbischof Rimbert 888 vom König das Markt-, Zoll- und Münzrecht für B., das Kaiser Otto I. 965 erneuerte. Seit 1139 treten Bürger urkundlich in Erscheinung. 1186 erhielten sie eine Urkunde von Kaiser Friedrich I., die u.a. den Zugezogenen die Freiheit nach Jahr und Tag zubilligte. Erzbischof Siegfried überließ B. 1180/81 u.a. eine hansa genannte Abgabe der Kaufleute. Seit 1225 ist ein Stadtrat (consules) nachweisbar, der 1303 das Stadtrecht kodifizieren ließ, das auch in einigen Nachbarstädten (u.a. Verden, Wildeshausen, Oldenburg) Geltung erhielt. Bemühungen der Erzbischöfe Gerhard II. (1246) und Albert (1366), die städtische Autonomie zu beschränken, konnte die Stadt abwehren. Sie dokumentierte ihre Freiheit durch einen steinernen Roland mit dem Reichsadler im Wappen auf dem Marktplatz (1404) und Figuren des Kaisers und der sieben Kurfürsten an der Fassade ihres neuen Rathauses (1406). Erst 1646 erhielt B. durch das Linzer Diplom von Kaiser Ferdinand III. die Reichsfreiheit und wurde damit unabhängig vom Schicksal des Erzstifts B., das 1648 Schweden zugesprochen wurde. B.er Kaufleute finden sich bereits um 1200 in London, bald auch im russischen Smolensk (1229), in Holland und Flandern (1252) und in Norwegen (um 1250). 1234 erhielten sie Zollfreiheit in Lübeck. Hauptsächlich wurden im späten Mittelalter die Länder an der Nordsee besucht und das Weser-Aller-Einzugsgebiet und das nördliche Westfalen versorgt. Im 16. Jh. vermittelten B.er Schiffer auch Salz aus Portugal und Frankreich in die Ostseehäfen und brachten Getreide aus Danzig und Asche und Teer aus Riga zurück. B.s Einwohnerzahl Ende des Mittelalters wird auf 15-18.000 geschätzt. Die Kaufleute genossen schon im 13. Jh. die Privilegien der Hanse in London und Flandern. In Norwegen führte 1284 die Weigerung der B.er ein Handelsembargo zu unterstützen zum Zerwürfnis mit den wendischen Städten der Hanse. B. betrieb hier in der Folge eine eigenständige Politik. Neu regeln musste B. sein Verhältnis zur Hanse, als sich die Hansestädte unter Führung Lübecks 1356 durch die Hansetage eine festere Organisation gaben. Es musste 1358 einer förmlichen Aufnahme in die Hanse zustimmen, die erste in der Geschichte der Hanse, die ihm u.a. Hilfsverpflichtungen zur Sicherung der Sunddurchfahrt und der Elbzufahrt nach Hamburg auferlegte. 1427 geriet B. in Konflikt mit der Hanse, als diese auf Betreiben des ausgewichenen B.er Bürgermeisters Duckel den Ausschluss B.s beschloss. Der Konflikt wurde 1433 u.a. durch Vermittlung der Hansestädte beigelegt. B. war danach mehrfach Ausrichter von Hansetagen – nämlich 1449, 1450, 1476, 1494 und 1514 und von sächsisch-wendischen Städtetagen 1493 und 1530. An allen Landfriedensbündnissen der Hansestädte von 1418-1557 (außer 1430) war B. beteiligt, zumeist mit der Zusage von 12 Gewappneten (nur Lübeck, Köln und Hamburg stellten mehr). Nach dem Ausschluss Kölns (1471) behauptete B. in der Sitzordnung auf den Hansetagen den 2. Platz (nach Lübeck und vor Hamburg). Konfessions- und Verfassungsstreitigkeiten in der Stadt führten 1563 noch einmal zum Ausschluss B.s aus der Hanse, der erst 1576 aufgehoben wurde. Die Städte Lübeck, B. und Hamburg schlossen sich 1630 zu einem engeren Bund zusammen, der die Interessen der Hanse wahren sollte. Auch nach dem letzten Hansetag 1669 betrachteten sich die drei Städte als Erben der Hanse. Der B.er Bürgermeister Johann Smidt belebte den Bund der drei Städte nach 1815 im Deutschen Bund als „hanseatische“ Gemeinschaft. Die Bezeichnung „Freie Hansestadt“ führt B. seit 1806 bzw. 1813 im Staatstitel.

Adolf E. Hofmeister

Literatur: H. Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt B., 5 Bde., 2. Aufl. 1995; ders., B. als Hansestadt im Mittelalter, HGbll 12 (1994), 1-38; Th. Hill, Die Stadt und ihr Markt, 2004; K. Elmshäuser, Geschichte B. s, 2007.
Bremen, Erzbistum

787 erhob Karl der Große den angelsächsischen Missionar Willehad zum Bischof im Nordseeküstengebiet beiderseits der Weser. 789 errichtete Willehad in B. eine Bischofskirche, die zum Zentrum eines... mehr

787 erhob Karl der Große den angelsächsischen Missionar Willehad zum Bischof im Nordseeküstengebiet beiderseits der Weser. 789 errichtete Willehad in B. eine Bischofskirche, die zum Zentrum eines Bistums wurde, das von Ostfriesland bis an die Elbe östlich von Stade reichte. Für die Mission nördlich der Elbe und in Skandinavien bestellte der Papst Missionserzbischöfe: dem Corveyer Mönch Ansgar wurde 831/32 Hamburg als Ausgangspunkt seiner Mission zugewiesen. Nach einem Wikingerüberfall auf Hamburg 845 zog sich Ansgar nach B. zurück. 864 bestätigte der Papst die Vereinigung des Bistums B. mit dem Missionserzbistum, sodass B. Sitz von Erzbischöfen wurde, die sich aber noch lange (bis 1223) nach Hamburg nannten. Seit dem 10. Jh. erhielt das Erzbistum Suffragane, zunächst in Dänemark, dann auch an der slavischen Ostseeküste. Ansgar und einige seiner Nachfolger betätigten sich als Missionare in Dänemark und Schweden. Im 11. Jh. reichte die bremische Kirchenprovinz von Island bis zu den Finnen und Obodriten. Mit der Errichtung des Erzbistums Lund 1104 auf Veranlassung des Dänenkönigs verlor das B.er Erzbistum seine Suffra-gane in Skandinavien. Nach der Mitte des 12. Jhs. entstanden die Bistümer bei den Ostseesla-ven neu: Die Bischöfe in Ratzeburg, Lübeck und Schwerin wurden B. unterstellt, so dass die Kirchenprovinz bis Stralsund reichte; diese kirchliche Organisation bestand bis zur Reformation. Kurzfristig (um 1200) erstreckte sich die Kirchenprovinz auch auf Livland (→ Riga, Erzbistum). Sehr viel engräumiger war die säkulare Herrschaft der Erzbischöfe. Gestützt auf zuerst 888 erwähnte Immunitätsprivilegien besaßen sie die von Kirchenvögten ausgeübte Gerichtsbarkeit über den Kirchenbesitz in und um B., der besonders im 11. Jh. durch königliche Schenkungen erweitert wurde. Nach dem endgültigen Erwerb der Grafschaft Stade 1236 konnten sie das Erzstift B. zu einem ziemlich geschlossenen Territorium zwischen Unterweser und Unterelbe ausbauen. Zum Erzstift gehörten zwei alte Städte, nämlich B. und Stade, die beide der Hanse angehörten. Hinzu kam 1285 Buxtehude als erzbischöfliche Gründung, das ebenfalls Hansestadt wurde. Mit der Hanse hatte das Erzstift sonst wenig direkte Berührungspunkte. Es befand sich allerdings in einer für den Handel verkehrswichtigen Lage an Weser und Elbe mit Häfen nicht nur in den drei Hansestädten sowie mit den Handelsstraßen zwischen B. und Hamburg über Stade und Buxtehude. Die Stadt B. schied mit der Reichsfreiheit 1646 aus dem Erzstift aus, ein enger Dombezirk verblieb aber beim Erzstift bzw. Herzogtum B. 1648 fiel das Erzstift als säkularisiertes Herzogtum an die schwedische Krone und wurde 1719 vom Kurfürstentum Hannover gekauft.

Adolf E. Hofmeister

Literatur: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser, hrsg. H.-E. Dannenberg, H.-J. Schulze, 1-3, 1995-2008; D. Hägermann, U. Weidinger, Bremische Kirchengeschichte im Mittelalter, 2012.
Bruns, Friedrich Christian Heinrich

(geb. 06.10.1862 in Lübeck, gest. 08.11.1945 ebd.). Nach einem Geschichtsstudium an der Universität Marburg und Promotion übernahm er Vorarbeiten für den 4. Band des HUB.s (1893). Als Schriftführer... mehr

(geb. 06.10.1862 in Lübeck, gest. 08.11.1945 ebd.). Nach einem Geschichtsstudium an der Universität Marburg und Promotion übernahm er Vorarbeiten für den 4. Band des HUB.s (1893). Als Schriftführer der Lübecker Bürgerschaft seit 1894 blieb ihm Zeit zu umfangreicher lübeckischer und hansischer Geschichtsforschung, u.a. zur Edition der Ratschronik sowie des Chronicon Slavicum, der Chronistik der Lübecker Bergenfahrer, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte. Hervorzuheben ist sein Werk über die Hansischen Handelsstraßen, 1962-1968 von Hugo Weczerka für die Veröffentlichung bearbeitet.

Antjekathrin Graßmann

Literatur: A. Bruns, Art. B. F., in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck 13, 2011, 90-92.
Bürgerrecht

Das lübische B. beruhte, wie im Mittelalter gemeinhin üblich, ursprünglich auf erbrechtlich gebundenem städtischem Grundbesitz (vri torfachtig egen binnen der muren). Das Stadtrecht... mehr

Das lübische B. beruhte, wie im Mittelalter gemeinhin üblich, ursprünglich auf erbrechtlich gebundenem städtischem Grundbesitz (vri torfachtig egen binnen der muren). Das Stadtrecht trennte scharf zwischen Bürgern und Fremden, wobei Bürger anderer Hansestädte jedoch stets als Gäste galten. Die seit 1340 immer wieder überlieferte Vorschrift, Wirte sollten darauf sehen, wen sie beherbergten, galt für sie mithin nicht. Ratsfähig aber war nur der beseten borger (Bürger mit Grundbesitz), der in vielen Dingen auch allein zeugnisfähig war. Der Erwerb des B. stand allerdings auch Personen offen, die kein torfacht egen – dessen Veräußerung an Nichtbürger grundsätzlich verboten war – besaßen. Jeder, der mit Frau und Kind in die Stadt gezogen kam, länger als drei Monate sich darin aufhielt und seinen Lebensunterhalt – gleich ob als Kaufmann oder Handwerker – selbst bestritt, konnte – ebenso wie seine mündigen Kinder – das B. erwerben. Über die Aufnahme entschied der Rat. Das lübische Recht schloss keine Bevölkerungs- oder Berufsgruppe vom Erwerb des B. generell aus. Die Neubürgerlisten weisen neben Kaufleuten und Krämern nahezu sämtliche Handwerke, dazu auch Frauen, Gesellen und Knechte auf. Ferner konnten Ritter, Kleriker, Wenden und Juden zur Einbürgerung zugelassen werden, nicht hingegen fahrendes Volk, Verfestete, flüchtig gewordene und proskribierte Schuldner, Stadtverwiesene oder Unehrliche. Rechtlich entscheidender Vorgang beim Erwerb des B. war der Bürgereid. Auf ihm basierten – in den lübischen Städten wie auch anderswo – die Pflichten des Bürgers, durch ihn trat er der städtischen Eidgenossenschaft bei und unterwarf sich lübischem Recht und Gericht. Dessen wichtigste Gebote und Bürgerpflichten ergaben sich aus den jährlich mehrmals öffentlich verlesenen Burspraken. Man sollte etwa Schoß (Abgaben) und Wacht leisten, Harnisch und Waffen in Ordnung halten, die Nachtruhe beachten, kein unbegründetes Gerüfte erheben, Feuer und Licht gut verwahren, vor der eigenen Türe kehren, rechtes Maß und Gewicht gebrauchen, Bestimmungen über den Gästehandel einhalten, sich am lübischen Recht Genüge sein lassen. Das B. konnte freiwillig aufgegeben wie auch entzogen werden (Stadtverweisung als Gnadenstrafe). Neben den Bürgern gab es ständige Stadtbewohner ohne B., vor allem in der unteren und ärmeren Schicht. Diese „Einwohner“ hatten eine den Bürgern gegenüber minderwertige Rechtsstellung, galten aber nicht als „Fremde“. Sie standen somit unter dem Stadtrecht und genossen auch den Schutz der Stadt.

Bernd Kannowski

Literatur: W. Ebel, Lübisches Recht, 1971; A. Graßmann, Vom Lübecker Bürger, Der Wagen 1993/94, 7-21.
Burgund

In der Hanseforschung dient „B.“ als Kurzbezeichnung für die burgundischen Niederlande, die ab dem späten 14. Jh. von den Herzögen von B., einer Nebenlinie der seit 1328 regierenden in Frankreich... mehr

In der Hanseforschung dient „B.“ als Kurzbezeichnung für die burgundischen Niederlande, die ab dem späten 14. Jh. von den Herzögen von B., einer Nebenlinie der seit 1328 regierenden in Frankreich regierenden Valois, in einer Hand vereinigt wurden. Die wechselvolle Vorgeschichte des im Osten Frankreichs gelegenen Herzogtums B. sowie der im Westen des Reichs gelegenen Freigrafschaft B. (frz. Franche-Comté) werden im Allgemeinen ausgeklammert. Ausgangspunkt für die burgundischen Niederlande war die Vereinigung des Herzogtums Burgund und der Grafschaft Flandern in der Hand Herzog Philipps des Kühnen, der 1384 seinem Schwiegervater in Flandern nachfolgte. Politisches Hauptaktionsfeld Philipps des Kühnen blieb wie bei seinem Sohn Johann ohne Furcht (1404-1419) der französische Königshof mit Paris als bedeutendster Stadt, wo beide im Konflikt gegen die Armagnakken gebunden waren. Einen Bruch stellte die Ermordung Johann ohne Furchts durch den französischen Thronfolger Karl 1419 dar, die zum Bündnis Philipps des Guten (reg. 1419-1467) mit dem König von England führte. In einem mehrjährigen Kampf bis 1433 schaltete Philipp der Gute die Erbin der niederländischen Wittelsbacher in Holland, Seeland und Hennegau aus und konnte so die Nachbarterritorien um Flandern erwerben. Hinzu kam 1424 der Kauf der Grafschaft Namur und 1427-1430 die Durchsetzung der Erbfolge im Herzogtum Brabant. 1443/44 kam noch das Herzogtum Luxemburg hinzu. Kulturell prägend war der Hof der für west- und mitteleuropäische Verhältnisse extrem reichen Herzöge, der seit etwa 1420 zumeist in Flandern, Brabant und Hennegau verblieb, wo es enge Beziehungen zu den städtisch-adligen Führungsschichten gab. Erweitert wurde der Herrschaftskomplex unter Philipps Sohn Karl dem Kühnen (1467-1477) um das Fürstbistum Lüttich 1467/68 und das Herzogtum Geldern 1473. Unter der gemeinsamen Regierung von Karls Tochter Maria (1477-1482) und deren Mann Maximilian von Habsburg ging das eigentliche Herzogtum Burgund an Frankreich verloren, die Einheit der Territorien konnte jedoch mit Hilfe der Generalstände (der länderübergreifenden Stände-versammlung) gewahrt bleiben. Einen Einschnitt markierten die Jahre 1482-1492, als es zu einem heftigen Streit zwischen Maximilian und den Ständen Flanderns kam. Erst mit dem abzusehenden Regierungsantritt Philipps des Schönen (1493/94-1506) beruhigte sich die Lage, selbst die großen flämischen Städte wie Gent, Brügge und Ypern verblieben formal als Landstädte unter der Landesherrschaft. Für die burgundische Kultur und Tradition ist bezeichnend, dass Philipp der Schöne eine selbständige Niederlande-Politik im Gegensatz zu seinem Vater führte. Die Sonderstellung der Niederlande im Reichsverband wurde weiter verstärkt. Die Bezeichnung „Burgund“ stellt eine Verkürzung dar, die sich allein dadurch erklärt, dass die regierenden Herzöge im täglichen Leben nur mit ihrem höchsten Titel, dem des Herzogs von B., benannt wurden, so beispielsweise in der Korrespondenz des Brügger Hanse-kontors. In dieser Kurzform ging der Ausdruck „B.“ in die politischen Raumbezeichnungen ein, die im Rahmen der Reichsreform im späten 15. und frühen 16. Jh. benutzt wurden. Erweitert wurden die trotz der Habsburgerherrschaft immer noch als burgundisch be-zeichneten Niederlande 1528 um das Herzogtum Geldern, das sich nach dem Tod Karls Kühnen 1477 verselbständigt hatte, und die Lösung Flanderns aus der französischen Lehnsherr-schaft im sog. Damenfrieden von Cambrai 1529. Gefördert wurde die Lösung aus dem Reich durch die calvinistische Reformation ab den 1530er Jahren. Der Versuch, sie zu unterdrücken, zeitigte scharfe Gegenreaktionen, wie über-haupt die militärischen Maßnahmen Philipps II. in den 80jährigen Unabhängigkeitskrieg gegen die Oberherrschaft der spanischen Habsburger führten. Der Westfälische Friede 1648 legte die Lösung der nördlichen Niederlande (Holland, Seeland, Friesland, Geldern, Utrecht, Teile Brabants) aus dem Reich fest. Die südlichen Niederlande bildeten hinfort die Spanischen, ab 1714 Österreichischen Niederlande. Bedeutsam für die Hansegeschichte ist der Umstand, dass sich Brügge im Laufe des 14. Jh. zum wichtigsten innereuropäischen Markt entwickelte, was ab 1384 auch von den Valois-Herzögen durchgehend gestützt wurde. Bereits Philipp der Kühne suchte die finanzielle Unterstützung der italienischen Finanziers, vor allem der Rapondi-Familie, für Karl den Kühnen ist auf Tommaso Portinari zu verweisen. Zudem verlängerten die Herzöge die Privilegien der fremden Kaufleutegruppen in Brügge, u.a. die der Hansekaufleute. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. entstand in einigen holländischen Städten, vor allem in Leiden und in Den Haag, eine umfangreiche Textilproduktion, deren Tuche auch im Hanseraum weiten Absatz fanden. U.a. durch die politische Krise der Jahre 1482-1492 löste Antwerpen Brügge ab und sollte im 16. Jh. zum führenden Markt für den innereuropäischen Fernhandel werden, ehe Amsterdam ab etwa 1575 zu einem solchen aufstieg.

Harm von Seggern

Literatur: W. Blockmans, Metropolen aan de Nordzee 1100-1600, 2010; R. Stein, De Hertog en zijn Staten. De eenwording van de Bourgondische Nederlanden, ca. 1380-ca. 1480, 2014; La cour de Bourgogne et l'Europe. Le rayonnement et les limites d'un modèle culturel, hrsg. W. Paravicini, T. Hiltmann, F. Viltart, 2013; W. Prevenier, W. Blockmans, Die Burgundischen Niederlande, 1986.
Bursprake

B. (auch Eddach, Echteding) bezeichnet in den norddeutschen Städten zum einen eine regelmäßig oder gesondert einberufene Bürgerversammlung, zum anderen die dort verkündeten und... mehr

B. (auch Eddach, Echteding) bezeichnet in den norddeutschen Städten zum einen eine regelmäßig oder gesondert einberufene Bürgerversammlung, zum anderen die dort verkündeten und beschlossenen Rechtssätze. In Hamburg erstmals 1270 belegt, wurden die B.n dort und in Lübeck seit den 1340er Jahren regelmäßig aufgezeichnet. Ein Teil ergänzte das Stadt- und Willkürrecht. Andere hatten nur zeitlich begrenzte Gültigkeit, wurden oft wiederholt und nicht immer schriftlich festgehalten. Die im Laufe der Zeit umfangreicheren und daher nicht immer vollständig verlesenen B.n behandeln verschiedenste Bereiche städtischen Zusammenlebens, von polizeilichen Verordnungen über Wirtschaft, Hafen und Schifffahrt bis zur Stellung und Löhnen von Dienstboten und anderem Personal. Im Übergang zur Frühen Neuzeit finden sich zunehmend Versuche zur "Sozialreglementierung" durch Luxus-, Kleider- und Feierordnungen. Auch die Beschlüsse der Hansetage erhielten erst durch die Verkündigung auf den städtischen B.n Rechtskraft.

Jürgen Sarnowsky

Quellen: Hamburgische Burspraken 1346 bis 1594, 2 Bde., bearb. J. Bolland, 1960.

Literatur: A. Cordes, Art. Bursprake, in: HRG 2. Aufl., 1 (2007), 786-87.
Butenhansen

Als B. (von mnd. buten = außerhalb) wurden Kaufleute, aber auch Städte bezeichnet, die nicht zur Hanse gehörten und die bzw. deren Kaufleute deshalb vom Mitgenuss der hansischen... mehr

Als B. (von mnd. buten = außerhalb) wurden Kaufleute, aber auch Städte bezeichnet, die nicht zur Hanse gehörten und die bzw. deren Kaufleute deshalb vom Mitgenuss der hansischen Privilegien im Ausland ausgeschlossen waren. Spätestens seit Beginn des 15. Jh. wurden auf den Hansetagen immer wieder Beschlüsse gefasst resp. erneuert, die es den hansischen Kaufleuten aus Konkurrenzgründen verboten, mit B. Handelsgesellschaften (selschop noch kumpanie) einzugehen oder gemeinsam mit ihnen Schiffsparten zu erwerben

Volker Henn

Quellen: HR I, 1, 556 § 70; HR II, 1, 321 §§ 14-16; HR III, 3, 288 §§ 62, 63; Kölner Inv., 1, S. 378; u. ö.

Literatur: R. Hammel-Kiesow, Die Hanse, 5. Aufl. 2014, 92f.
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