Hanse­Lexikon
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Buchstabe M

Magedeburger Recht

Zurückgehend auf Privilegien für den seit 805 belegten Markt muss sich bereits im 11. Jh. ein Rechtekanon zunächst für Kaufleute, dann für die Bürgerschaft Magdeburgs herausgebildet haben, der auch... mehr

Zurückgehend auf Privilegien für den seit 805 belegten Markt muss sich bereits im 11. Jh. ein Rechtekanon zunächst für Kaufleute, dann für die Bürgerschaft Magdeburgs herausgebildet haben, der auch die Verfassung der Stadt regelte. In den Rechtsverleihungen an Stendal (um 1145), Leipzig (um 1161) und Jüterbog (1174) als ius Maideburgense bereits greifbar, ist das älteste bekannte schriftliche Zeugnis des M.s ein Privileg Erzbischof Wichmanns von 1188. Die hier statuierten Regelungen lassen auf ein schon bestehendes Stadtrecht schließen. Spätere mittelbare Quellen sind u.a. das Halle-Neumarkter Recht von 1235, die Rechtsweisungen für Breslau (1261 u. 1295), Leitmeritz (wohl vor 1262) und Görlitz (1304). Materielle Grundlage des M.s bildeten die Urteile des Magdeburger Schöppenkollegiums, die sich seit Anfang des 14. Jh. nachweisen lassen. Die zunächst nur kopial, seit dem 15. Jh. zunehmend im Original überlieferten Rechtssprüche und Rechtsweisungen geben Einblick in das Wesen des M.s und seine Veränderungen, die es bis Mitte des 16. Jh. erfahren hat. Kompilationen und Bearbeitungen des M.s wie das ‚Magdeburger Weichbildrecht‘ oder die ‚Magdeburger Urteile‘ breiteten sich zusammen mit dem Sachsenspiegel Eikes von Repgow im Rahmen der Siedlungsbewegungen des 13. und 14. Jh. weit nach Osten aus. Dem Rechtstransfer und der produktiven Rezeption von M. und Sachsenspiegel als ius saxonicum oder ius teutonicum verdankt sich im Wesentlichen die Wertschätzung, die dem M. zuteil wurde. Glossierungen und Übersetzungen in die polnische, tschechische und lateinische Sprache und eine bereits im 17. Jh. beginnende wissenschaftliche Würdigung geben hiervon Zeugnis.

Wieland Carls

Literatur: H. Kümper, Art. M., Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2012 (http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/55234.html - 30.07.2014); F. Ebel, M., in: Magdeburg, hrsg. M. Puhle, P. Petsch, 2005, 137-54; H. Lück, Art. M., HRG, Lfg. 21, 22015, 1127-1136.
Mark, preußische

Die P. wurde durch den Deutschen Orden eingeführt, begründet in der Goldenen Bulle von Rimini (1226) (Münzregal). Im Zeitraum von ca. 1235 bis 1368 unterteilte sich das Münzsystem in Mark, Firdung,... mehr

Die P. wurde durch den Deutschen Orden eingeführt, begründet in der Goldenen Bulle von Rimini (1226) (Münzregal). Im Zeitraum von ca. 1235 bis 1368 unterteilte sich das Münzsystem in Mark, Firdung, Scot und Schilling als Rechengeld sowie Pfennige als zirkulierende Münzen (1 Mark = 4 Firdung = 24 Scot = 60 Schillinge = 720 Pfennige). Um 1368 ergänzte der Orden das Münzsystem mit drei zusätzlichen Münzen, Halbscotern (zu 16 Pfennigen), Schillingen und Vierchen. Nach 1380 wurde der relativ hohe Silbergehalt der Schillinge reduziert und auf Halbscoter und Vierchen verzichtet. 1416 führte man angesichts des Münzverfalls nach 1410 zunächst kurzfristig die Halbscoter wieder ein, um dann eine Geldreform zu beschließen, die eine Unterteilung in gute und geringe P. und die Nutzung zweier Währungssysteme zur Folge hatte. Eine gute P. entsprach zwei geringen P., sodass die geringe nur 360 Pfennigen entsprach Nach den Reduktionen im Wert des Schillings im Dreizehnjährigen Krieg ging man 1490 zur Prägung von Scotern zu 15 Pfennigen über, seit 1502 von Groschen zu 18 Pfennigen, die nach 1507 die Scoter verdrängten. Der Schlag der Münzen erfolgte in Preußen in Städten wie Elbing, Thorn, Marienburg, Königsberg und Danzig durch die Etablierung von Münzstätten.

Cordula A. Franzke

Literatur: O. Volckart, Die Münzpolitik im Ordensland und Herzogtum Preußen von 1370 bis 1550, 1996; E. Waschinski, Die Münz- und Währungspolitik des Deutschen Ordens in Preußen, ihre historischen Probleme und seltenen Gepräge, 1952.
Monopolgesetzgebung

Gesetze, die Monopole verbieten, stammen in Deutschland vor allem aus dem 16. Jh. und richteten sich in erster Linie gegen die großen süddeutschen Handelshäuser, die sich zur Verteidigung auf vom... mehr

Gesetze, die Monopole verbieten, stammen in Deutschland vor allem aus dem 16. Jh. und richteten sich in erster Linie gegen die großen süddeutschen Handelshäuser, die sich zur Verteidigung auf vom Ius commune anerkannte Ausnahmen von den Monopolverboten beriefen. Die Hanse war selbst nicht abgeneigt, Monopole zu errichten und zu verteidigen, wenn sich die Möglichkeit bot, so das nicht komplett durchgesetzte Stockfischmonopol in Bergen, oder der Nowgorodhandel insgesamt. Andererseits setzte sie sich auf dem Trier-Kölner Reichstag 1512 für ein Verbot von Monopolen und Fürkauf ein, das sich gegen die oberdeutsche Konkurrenz richtete. Umgekehrt wurden, soweit ersichtlich, die mit einer Reihe von Sanktionen bewehrten Verbote (Güterkonfiskation, Verlust des Geleitschutzes u. a.) gegen die Hanse nicht in Stellung gebracht.

Albrecht Cordes

Literatur: H. Kellenbenz, Art. Monopol, Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte III, 1.Aufl. 1984, 633-45.
Mulich

Die aus Nürnberg stammende Kaufmannsfamilie M. war im Spätmittelalter am Nürnberg-Lübeck-Handel mit dem Hauptumschlagsplatz Frankfurt a. M. beteiligt und vertrieb vornehmlich Erzeugnisse des... mehr

Die aus Nürnberg stammende Kaufmannsfamilie M. war im Spätmittelalter am Nürnberg-Lübeck-Handel mit dem Hauptumschlagsplatz Frankfurt a. M. beteiligt und vertrieb vornehmlich Erzeugnisse des Nürnberger Metallgewerbes, den sog. Nürnberger Tand. In Lübeck traten die M. erstmals im Zuge der Handelsgeschäfte von Kunz M. d. Ä. 1436 auf. Seine Söhne führten den Handel fort. Während Kunz d. J. zeitlebens Nürnberger blieb, verlagerten seine Brüder Hans, Paul und Matthias ihre Geschäfte langfristig in den Norden und nahmen das Lübecker Bürgerrecht an. Verwandtschaftliche Verflechtungen der M. bestanden sowohl zu Nürnberger Großkaufleuten außerhalb des Stadtadels als auch zu den Lübecker Führungsgruppen. Bedeutendster Vertreter war Matthias M. († 02.12.1528), der sich 1514 in Lübeck fest niederließ und durch Zugehörigkeit zu mehreren Lübecker Bruderschaften und zur Zirkelgesellschaft sowie durch Eheschließungen mit Katharina von Stiten und Katharina Kortsack Zugang zu den Lübecker Führungsgruppen erhielt. Als Kaufmann (Metallkurzwaren, Waffen, Luxusartikel) und Kreditgeber erstreckten sich seine Kontakte von Nürnberg über Lübeck und die umliegenden Fürstentümer bis zum dänischen Königshof.

Mirja Piorr

Literatur: G. Fouquet, Geschäft und Politik, Ehe und Verwandtschaft – Briefe an den Nürnberg-Lübecker Kaufmann Matthias Mulich vom Winter 1522/23, in: Die Stadt als Kommunikationsraum, hrsg. H. Bräuer, E. Schlenkrich, 2001, 311-46; C. Nordmann, Nürnberger Großhändler im spätmittelalterlichen Lübeck, 1933; J. F. Richter, Das Porträt des Mathias Mulich, in: Das Gavnø-Retabel von Jacob van Utrecht mit einem Nachtrag zum Portrait des Mathias Mulich, hrsg. St.-Annen-Museum Lübeck, 2013, 110-17.
Münster, Bistum

805 wurde der friesische Missionar Liudger als erster Bischof von M. eingesetzt. Das neugegründete, mit umfangreichem Grundbesitz ausgestattete Bistum umfasste ungefähr das heutige Münsterland und... mehr

805 wurde der friesische Missionar Liudger als erster Bischof von M. eingesetzt. Das neugegründete, mit umfangreichem Grundbesitz ausgestattete Bistum umfasste ungefähr das heutige Münsterland und den Missionsbereich Liudgers im Emsmündungsgebiet. Das Hochstift wurde zum flächenmäßig größten Bistum im deutschsprachigen Raum ausgebaut. Mit der Inbesitznahme der Grafschaft Delmenhorst (1482-1547) und der Pfandherrschaft über Wildeshausen (1429-1634, 1675-1699) weiteten die Fürstbischöfe schließlich ihre weltliche Herrschaft bis vor die Tore ->Bremens aus.   Damit hatte das Hochstift große Bedeutung für den hansischen Transithandel über Land zwischen → Köln, → Holland, den → Niederlanden einer- und Bremen bzw. → Hamburg und → Lübeck andererseits. Wichtig war aber auch die direkte, fast ganz auf bischöflichem Territorium liegende Verbindung zur → Nordsee über die ab Greven bzw. Rheine schiffbare Ems. Den Handel förderte der Landesherr u.a. durch seine intensiv wahrgenommene Geleitpolitik gegenüber Kaufleuten und den hansischen Ratssendboten. Zum überregionalen Handel konnte das Hochstift nur in sehr begrenztem Rahmen mit eigenen Produkten beitragen, so mit westfälischem Leinen und dem wegen seiner guten Bearbeitungsmöglichkeiten von Steinmetzen geschätzten Baumberger (Kalk)Sandstein. Seit dem 16. Jh. verlor der Fernhandel im Bistum zunehmend an Bedeutung; der Handel Richtung Westen, vor allem mit den benachbarten Niederlanden, nahm zu. Bedeutendste Hansestadt des Territoriums war der im Oberstift gelegene Bistumssitz → Münster, wobei die Zahl der hochstiftischen Hansestädte umstritten ist. Den zugleich im Rahmen der Reichspolitik stehenden Kampf um den münsterschen Bischofsstuhl gewann Ende des 16. Jhs. die katholische Partei, die die Gegenreformation vorantrieb.

Anna-Therese Grabkowsky

Literatur: W. Kohl: Das Bistum Münster. Bd 1: Die Diözese. Germania sacra NF 37: Die Kirchenprovinz Köln, Bd. 7,1, S. 60-322.
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