Hanse­Lexikon
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Buchstabe W

Wachstafeln

W. dienten schon im antiken Ägypten zur Aufnahme ephemerer Aufzeichnungen wie Notizen, Konzepte, Briefwechsel und Schreibübungen . Literarisch und in Abbildungen seit dem 6. Jh. überliefert, treten... mehr

W. dienten schon im antiken Ägypten zur Aufnahme ephemerer Aufzeichnungen wie Notizen, Konzepte, Briefwechsel und Schreibübungen . Literarisch und in Abbildungen seit dem 6. Jh. überliefert, treten sie seit dem 11. Jh. in Europa als Ausgrabungsfund zutage. Die meist rechteckigen flachen Täfelchen v. a. aus Buchenholz (z.B. ca. 4x10 cm oder 8x12 cm und 0,3 cm dick) wurden als Handelsware von Spezialisten hergestellt (13. Jh.). Ein stehengelassener Rand umgibt eine flache rechteckige Vertiefung, die mit schwarzem, schwarzbraunem oder -grünem Wachs (gehärtet u. a. durch Pech oder Harz) ausgefüllt ist. Am Rand der W. befindet sich häufig eine Vertiefung für den evtl. geschmückten Schreibgriffel aus Bein oder Metall. Sein spatelförmiges Ende diente zur Glättung des Wachses, um erneutes Schreiben zu ermöglichen. Mehrere Plättchen wurden – am Rücken verbunden – zu einem kleinen Buch vereinigt und die Außenseite mit Schmuckornamenten oder der Hausmarke des Eigentümers versehen. Sie konnten am Gürtel getragen oder in ledernen Futteralen verwahrt werden. W. waren über ganz Europa verbreitet. In Lübeck wurden 1866 22 W. sowie Einzelstücke 1957 und 1975 bei Ausgrabungen gefunden, deren Texte Schülerübungen u.a. zur kaufmännischen Berufsausbildung Ende des 14. Jhs. bzw. eine Warenbestellung des 15. Jhs. aufwiesen. Typischerweise verwendete sie gerade der Kaufmann, was für seine Lese- und Schreibfertigkeit sowie die Vielzahl seiner Geschäfte spricht. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. wurde das Papier zur Konkurrenz.

 Bemerkenswert ist trotz der scheinbaren Empfindlichkeit des Materials die große Zahl von W. etwa von Aktenbogengröße in Archiven, wohin sie als amtliches Schriftgut gelangt sind. Die bessere Haftung der Wachsfläche wurde durch stehengelassene Holzstege erreicht. Beispielsweise seien hier die 128 Brettchen in 21 Bündeln des Stadtarchivs in Toruń aus der Zeit von etwa 1350 bis 1550 genannt (Größe: 12x25 bis 21,5x41,7cm). Sie enthielten zumeist Rechnungsaufzeichnungen (Zinsen, Preise, Löhne), aber auch Notizen zu Personen und Truppenkontingenten. Grundzinsregister führten W. in Danzig (1396-1440) auf, Mieten und Pachten in Wismar (1460-1470), Beschlüsse des alten und neuen Rats in Göttingen (1330-1345) sowie Aufzeichnungen einer Kaufmannsinnung auf 13 Tafeln (1397-1419) in Hannover.

Antjekathrin Graßmann

Literatur: A. Graßmann, Das Wachstafel-Notizbuch des mittelalterlichen Menschen, in: Zur Lebensweise in der Stadt um 1200, hrsg. H. Steuer, 1986, 223-35; dies., Wachstafel und Griffel, in: Aus dem Alltag der mittelalterlichen Stadt, red. J. Wittstock, [1982], 211-18.
Waldemar II.

(geb. 1170, gest. 28.3.1241) war seit 1202 dänischer König. Schon als Herzog von Schleswig erwarb er 1201 die Grafschaften Holstein und Ratzeburg, mit den Städten Lübeck und Hamburg. Die Herrschaft... mehr

(geb. 1170, gest. 28.3.1241) war seit 1202 dänischer König. Schon als Herzog von Schleswig erwarb er 1201 die Grafschaften Holstein und Ratzeburg, mit den Städten Lübeck und Hamburg. Die Herrschaft W.s über deutsches Gebiet nördlich der Elbe wurde von Kaiser Friedrich II. anerkannt. In einem Kreuzzug eroberte W. 1219 Nordestland. 1223 wurde W. von seinem Vasallen, Graf Heinrich von Schwerin, gefangen genommen. Erst 1225 wurde er nach Verzicht auf  seine deutschen Besitzungen entlassen. W.s Versuch, die alten Rechte zurückzugewinnen, wurde durch die Niederlage von Bornhöved 1227 gegen eine norddeutsche Koalition unterbunden.

Nils Blomkvist

Literatur: K. Hörby, Art. Valdemar (II) Sejr, Dansk Biografisk Leksikon, 3. Aufl., XV, 1984, 236-38.
Wedderlegginge

W., neuhochdt. Widerlegung, lat. contra- (oder verkürzt zu com-)positio. W. ist ein Geschäft, bei denen ein bestimmter Geldbetrag wider einen anderen gelegt wird, u. a.... mehr

W., neuhochdt. Widerlegung, lat. contra- (oder verkürzt zu com-)positio. W. ist ein Geschäft, bei denen ein bestimmter Geldbetrag wider einen anderen gelegt wird, u. a. in familienrechtlichen Kontexten. Im Norden ist die W. vor allem der Gründungsakt einer → Handelsgesellschaft, die damit als Realvertrag erscheint. Die Einträge im societates-Register des Lübecker Niederstadtbuchs folgen zumeist dem Muster A habet x, contra quas B posuit y. A handelt dann mit den zusammengelegten Summen auf gemeinsame Rechnung. Die Gewinne werden typischerweise halbiert, und zwar auch dann, wenn die Beträge x und y unterschiedlich groß sind. In vielen Verträgen ist der Einsatz des Kapitalgebers (y) doppelt so groß wie der seines Partners, aber es kommen auch die verschiedensten anderen Relationen vor. Vor 1400 bezeichnet W. nicht einen konkreten Gesellschaftstyp in Abgrenzung zu selschop, kumpenye usw. Vielmehr sind diese Begriffe synonym. In den Büchern des Hildebrand → Veckinchusen wird hingegen erstmals differenziert. Die intensiv und laufend gepflegten Haupt-Geschäftsverbindungen heißen dort selschop, während W. eine einmalige, einer Einlage ähnliche Investition bei einem Partner ist, über die dieser lange Zeit – u.U. weit über zehn Jahre lang – nicht abzurechnen braucht. Die W. fällt von da an in ihrer Bedeutung zurück und verschwindet nach und nach hinter komplexeren Formen der Kooperation.

Albrecht Cordes

Quellen: Societates. Das Verzeichnis der Handelsgesellschaften im Lübecker Niederstadtbuch 1311–1361, hrsg. A. Cordes, K. Friedland u.a., 2003.

Literatur: A. Cordes, Spätmittelalterlicher Gesellschaftshandel im Hanseraum, 1998; A. Amend-Traut, Art. Handelsgesellschaften, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte II, 2. Aufl. 2012, 703-11; A. Cordes, Handel auf eigene, fremde und gemeinsame Rechnung. Rechtshistorische Einführung, in: Die Handelsbücher des Hildebrand Veckinchusen. Kontobücher und übrige Manuale, hrsg. M. Lesnikov, W. Stark, 2013, LV–LVIII.
Weichsel

Ein 1047 km langer Fluss, die Fläche des Einzugsgebiets beträgt 194,4 km2. Der Strom nimmt seinen Anfang am Berg Barania Góra (Widderberg) in den Schlesischen Beskiden. Ca. 50 km vor der Mündung... mehr

Ein 1047 km langer Fluss, die Fläche des Einzugsgebiets beträgt 194,4 km2. Der Strom nimmt seinen Anfang am Berg Barania Góra (Widderberg) in den Schlesischen Beskiden. Ca. 50 km vor der Mündung teilt sich die W. in zwei Flussarme: die Leniwka und die Nogat, die ein breites Delta (Danziger Werder) bilden. Die W. gehörte zu den wichtigsten Verkehrswegen, die die südlichen Ostseegebiete verbanden. Ihre Bedeutung für Wirtschaft und Verkehr wuchs zusammen mit der Entwicklung der Siedlung und der Konsolidierung der territorialen Organismen im Frühmittelalter. Der Handelsaustausch auf diesem Wege nahm bereits ab dem 13. Jh. an Dynamik zu. Im 13. Jh. kann Salz die wichtigste auf der W. beförderte Handelsware gewesen sein. Ab Ende des 13. Jh. spielten Getreide, Holz und Waldprodukte aus polnischen Gebieten sowie Kupfer aus Oberungarn (der heutigen Slowakei) eine immer größere Rolle. W.aufwärts wurden Fische und Fleisch, Gewebe, Luxuswaren u.a. befördert. Zu den wichtigsten W.städten gehörten Thorn und Danzig; im oberen W.lauf Krakau und in der Neuzeit Warschau. Flusshäfen entstanden auch in zahlreichen kleineren Zentren. Der Versuch der Monopolisierung des W.handels bildete eine der Ursachen für die Kriege zwischen Polen und dem Deutschen Orden. In der 2. Hälfte des 14. und im 16. Jh. wurde die W. dezidiert zum wichtigsten Handelsweg an die Ostsee.

Piotr Olinski

Literatur: S. Gierszewski, Wisła w dziejach Polski, 1982.
Wein

Im Hanseraum wurde im allgemeinen zwischen weißem und rotem W. unterschieden, deren Preis sich nach dem Geschmack richtete. Da die Fässer einen abweichenden Inhalt hatten, wurden sie an vielen... mehr

Im Hanseraum wurde im allgemeinen zwischen weißem und rotem W. unterschieden, deren Preis sich nach dem Geschmack richtete. Da die Fässer einen abweichenden Inhalt hatten, wurden sie an vielen Orten von Visierern oder Rödern vermessen. Vielfach wurde ein Fass mit Füllw. zum Auffüllen der zum Verkauf bestimmten Fässer mitgeführt. Ein Jahr nach dem Keltervorgang galten die Creszenzen als Firnw.e und hatten an Wert verloren. Rheinw. kam über Köln in den Handel. Darunter verstand man alle Sorten vom Rhein bis zur Mosel. Elsässer W. galt als eine besondere Sorte noch in Köln und einigen Hansestädten, wurde schließlich aber als Rheinw. angesehen. Fässer mit solchen Kreszenzen wurden nicht nur über Köln gehandelt und gelangten von dort in die Städte nördlich bis nach Brügge oder in den Stalhof von London. Von Brügge aus wurde der W. in die Städte Flanderns verkauft, während die brabantischen Städte ihre W.e auch aus Neuss, Bonn und Aachen beziehen konnten. An die Nord- und Ostseeküste gelangte der W. meist über Kampen nach Bremen oder Hamburg. Von dort wurden die Fässer nach Lübeck gebracht. In Lübeck verschiffte man sie in die Ostseestädte oder dessen Hinterland. Manche Schiffe wagten auch die gefährlichere → Umlandfahrt durch den Skagerrak. Die Nord- wie die Ostseestädte hatten ihre eigenen Ratskeller, in denen vorzugsweise W. angeboten wurde. Bemerkenswert ist, dass Kölner Kaufleute in fast allen Ostseestädten eigene Keller mit einem Ausschank unterhielten. Rotwein aus Frankreich gelangte entweder über Schiffskonvois aus Südfrankreich direkt in die Städte an der Ostseeküste oder über Brügge in den Handel. Andere Sorten kamen aus Spanien, Italien und Griechenland. Solche W.e gelangten auch auf dem Landweg und ein Flusssystem an die Ostsee. Sie hießen Romanier, Malvasier, Reinfall oder anders. Deren Herkunft ist umstritten. Neben diesen Produkten gab es sogenannten „Landwein“, der in Mitteldeutschland und sogar in Preußen gekeltert wurde. Es sei der Claret erwähnt, eine Art Würzw., der allerdings nicht erhitzt wurde.

Klaus Militzer

Literatur: Weinbau, Weinhandel und Weinkultur, hrsg. A. Gerlich, 1993.
Wenden

(lett. Cēsis). Am Anfang des 13. Jh. entstand die Burg des Ordens der Schwertbrüder mit einer umzäunten Siedlung (Hakelwerk), die 1221-1227 belegt ist. Vermutlich vor 1323 erhielt W. Rigaer... mehr

(lett. Cēsis). Am Anfang des 13. Jh. entstand die Burg des Ordens der Schwertbrüder mit einer umzäunten Siedlung (Hakelwerk), die 1221-1227 belegt ist. Vermutlich vor 1323 erhielt W. Rigaer Stadtrecht (Bürgermeister erwähnt 1365). 1323 urkundlich als Stadt erwähnt, war W. Mitglied der Hanse (erwähnt 1405, 1434-1435). Im Mittelalter hatte W. Handelsbeziehungen zu Lübeck, war Stapelplatz für den Handel nach Pleskau und Nowgorod und besaß Stadtmauern (14. Jh.) sowie zwei Kirchen. Seit 1480 war die Burg die ständige Residenz des livländischen Ordensmeisters.

Pawel Jeziorski

Literatur: J. v. Sivers, W., seine Vergangenheit und Gegenwart, 1857 (ND 1975); C. Mettig, Baltische Städte, 2. Aufl. 1905, 115-29.
Wesel

Unterhalb der Mündung der bei günstigen Bedingungen bis Haltern schiffbaren Lippe in den Rhein gelegen, wurde das seit den 1230er Jahren klevische W. 1241 zur Stadt erhoben, mit dem Rechtszug nach... mehr

Unterhalb der Mündung der bei günstigen Bedingungen bis Haltern schiffbaren Lippe in den Rhein gelegen, wurde das seit den 1230er Jahren klevische W. 1241 zur Stadt erhoben, mit dem Rechtszug nach Dortmund. Bereits in vorstädtischer Zeit war es ein nicht unbedeutender Marktort am unteren Niederrhein. Handelsbeziehungen der W.er Kaufleute bestanden vor allem mit Köln, Westfalen und den Niederlanden einschl. des Herzogtums Brabant und der Grafschaft Flandern, und auch im Ostseeraum und in England gingen (vereinzelt) W.er Kaufleute ihren Geschäften nach. Haupthandelsgüter waren aus Westfalen herangeführte Baumaterialien (Eichenholz, Hausteine), ferner Wein, Eisen- und Stahlwaren, Salz, Fisch sowie flandrische und holländische, seit dem 14. Jh. auch in W. selbst gefertigte Tuche. Einen Aufschwung erfuhr das Tuchgewerbe im 16. Jh., als Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden neue Webtechniken nach W. brachten. 1407 wurde die Stadt gemeinsam mit → Duisburg und → Zwolle in die Hanse „wieder“aufgenommen. Ab 1412 war sie häufiger, seit Beginn des 16. Jhs. allerdings nur noch gelegentlich mit eigenen Ratssendeboten auf den Hansetagen vertreten, zuletzt 1579. 1447 wurde sie als Vorort der klevischen Städte einer der fünf hovetlinge des westlichen Quartiers der Hanse, das sich bald zum Kölner Drittel entwickelte. In diesem regionalen Rahmen spielte W. eine führende Rolle in hansischen Angelegenheiten: als einer der bevorzugten Versammlungsorte der Drittelsstädte zur Vorbereitung der gesamthansischen Tagfahrten, aber ebenso wegen seines diplomatischen Engagements. Auch am Zustandekommen der Konföderationsnotel 1557 war W. beteiligt. Seit den 1580er Jahren nahmen jedoch die Vorbehalte gegenüber der Hanse zu, von der man auf der einen Seite keine Vorteile mehr erwarten konnte, sich auf der anderen Seite aber mit steigenden Kontributionsforderungen konfrontiert sah, in einer Zeit, in der der W.er Handel erheblich unter den Wirren des spanisch-niederländischen Krieges litt. Dennoch blieb W. wegen seiner traditionellen Verbundenheit mit der Hanse bis zum Schluss Mitglied der Gemeinschaft.

Volker Henn

Literatur: Geschichte der Stadt Wesel, hrsg. J. Prieur, 2 Bde., 1991 (darin bes.: C. von Looz-Corswarem, Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Wesels. Von den Anfängen bis 1609, Bd. 2, 148-202); »zu Allen theilen Inß mittel gelegen«. Wesel und die Hanse an Rhein, IJssel & Lippe, hrsg. W. Arand, J. Prieur, 1991; O. Hollweg, Wesel als Hansestadt 1407-1669, 1991 [Ndr. der Ausg. 1941]; C. M. Raddatz, Hanseatica des Stadtarchivs Wesel 1237-1669, 1990; U. Gechter, Der Weseler Fernhandel im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, in: Handel und Kirche, hrsg. M. W. Roelen, 2009, 9-46.
Weser

Fluss vom Zusammentreffen der Werra und Fulda bis zur Nordsee (480 km), nimmt u.a. die Aller mit Leine (Hannover) und Oker (Braunschweig) sowie die Hunte (Oldenburg) auf. Schifffahrt ist auf der... mehr

Fluss vom Zusammentreffen der Werra und Fulda bis zur Nordsee (480 km), nimmt u.a. die Aller mit Leine (Hannover) und Oker (Braunschweig) sowie die Hunte (Oldenburg) auf. Schifffahrt ist auf der gesamten W. seit der römischen Kaiserzeit nachweisbar, aber aufgrund von Stromschnellen, Untiefen oder Ablagerungen war die W. schwer befahrbar. Erst die ab 1823 („Weserschifffahrtsakte“) durchgeführten Wasserbaumaßnahmen, v.a. die Stauregelung der Mittelw. (Minden – Bremen) bis 1960, verbesserten nachhaltig die Bedingungen. An Flussübergängen entstanden im Mittelalter Städte in Münden, Beverungen, Höxter, Holzminden, Bodenwerder, Hameln, Hessisch Oldendorf, Rinteln, Minden, Nienburg und Bremen. Zur Hanse gehörten Hameln, Minden und Bremen. Diese Städte und die Weser waren für den hansischen Handel aber von nachrangiger Bedeutung, nur Bremens Handel erlangte seit dem 16. Jahrhundert eine überregionale Dimension.

Thomas Hill

Literatur: Die Weser. Ein Fluss in Europa, 3 Bde., Holzminden 2000.
Windau

(lett. Ventspils) war zunächst eine Burg des Deutschen Ordens (erwähnt 1290) mit einer umzäunten Siedlung (Hakelwerk), die angeblich schon 1244 entstand. Es wurde an der Mündung der Windau... mehr

(lett. Ventspils) war zunächst eine Burg des Deutschen Ordens (erwähnt 1290) mit einer umzäunten Siedlung (Hakelwerk), die angeblich schon 1244 entstand. Es wurde an der Mündung der Windau gegründet. Der Hafen ist 1263 urkundlich erwähnt. Das erste Stadtsiegel stammt von 1369. Um die Mitte des 14. Jh. (1378?) erhielt W. das → Rigaer Stadtrecht (Rat, Gilden). W. war Mitglied der Hanse (erwähnt nur 1440 und 1444) und Ausfuhrhafen für Goldingen. Es besaß Stadtmauern und eine Stadtkirche (erwähnt 1298).

Pawel Jeziorski

Literatur: C. Mettig, Baltische Städte, 2. Aufl. 1905, 345-62.
Wisby

W. ist eine Hansestadt auf der Insel → Gotland. Der Name stammt aus dem altnordischen vi = Opferplatz und by = Ort. Die ersten Siedlungsspuren stammen aus dem 8./9. Jh. Am Ort Wi... mehr

W. ist eine Hansestadt auf der Insel → Gotland. Der Name stammt aus dem altnordischen vi = Opferplatz und by = Ort. Die ersten Siedlungsspuren stammen aus dem 8./9. Jh. Am Ort Wi wurde die erste christliche Kirche Gotlands, die Allerheiligenkirche, Vorgänger von St. Pers, errichtet und ein Hafen im rechtlichen Sinne eingerichtet. Hieraus entwickelte sich die Stadt W. Aufgrund der geographischen Lage Gotlands als beste Seeübergangsstelle nach Russland/Byzanz wurde W. spätestens im 12. Jh. zur zentralen Drehscheibe im Ost-Westhandel. Hier trafen russ. Kaufleute auf Skandinavier, “Deutsche” und Friesen. Die Bewohner Gotlands, die Gutnen, selbst waren die wichtigsten Kaufleute in Nordeuropa. W. war zudem eine bedeutende Übergangsstelle bei der Christianisierung und Kolonisierung des Baltikums. Wie in anderen schwedischen Städten auch kam es im späten 12. Jh. zu einem Zuzug von deutschen Kaufleuten nach W. Sie behielten ihren besonderen Status und bildeten, wie in Schweden üblich, einen eigenen Teil des Rates. Spätestens 1225 erhielten sie ihre eigene Kirche, St. Marien. Die deutsch und schwedisch sprechenden Ratsherren in W. besaßen bis 1332 jeweils ein eigenes Siegel, das sie gemeinsam an die städtischen Urkunden anbrachten. Nach 1332 bis zur Abschaffung 1471 lebte die Zweisprachigkeit nach allgemein schwedischem Vorbild nur in den städtischen Aufzeichnungen weiter. Neben den in W. wohnenden Kaufleuten deutscher Sprache gab es auch die Gruppe der nach Osten durchreisenden deutschen Kaufleute, die andere Interessen als  die Bürger besaßen. Diese Kaufleute bildeten zur Mitte des 13. Jh. ein eigenes Kontor, den Staven von W., heraus, das ein festes Haus und eine feste innere Struktur mit Älterleuten etc. besaß. Das Kontor betrieb eine sehr aktive, eigene Politik und steuerte zudem die Geschicke des Kontors von → Novgorod, dessen Kasse in St. Marien in W. verwahrt wurde. Seit 1294 versuchte Lübeck aus hausmachtpolitischen Gründen, die Macht des W.er Kontors zu brechen und konnte 1298 dessen völlige Entmachtung durchsetzen. Allerdings lebte das Kontor als Einrichtung noch bis mindestens 1350 weiter. Die Rolle der Deutschen in W. wurde seit 1920 zunehmend unter nationalistischen und nationalsozialistischen Gesichtspunkten betrachtet. Hierbei spielte vor allem die Auslegung des sogenannten Artlenburg-Privilegs von Heinrich dem Löwen für Lübeck aus dem Jahr 1161 eine besondere Rolle. Von Seiten der deutschen Forschung wurde hierbei eine Gruppe der “Gotländischen Genossenschaft” in W. konstruiert, die dort besondere Herrschaftsrechte gehabt haben sollte. Diese Konstruktion gilt heute als überholt, hat aber für einen erbitterten und langanhaltenden Streit zwischen schwedischen und deutschen Forschern gesorgt. W. gilt heute als bestbewahrte mittelalterliche Stadt Schwedens, auch wenn Lübecker 1525 alle Kirchen mit Ausnahme von St. Marien zerstört haben.

Carsten Jahnke

Literatur: C. Jahnke, "Homines imperii" und "osterlinge", HGbll. 129 (2011), 1-57.
Wolchow

(finn. Olhava). Der Fluss verbindet den Ilmen-See mit dem Ladoga-See und stellt somit die wichtigste Verkehrsader Novgorods zur Ostsee dar. Ein Hindernis für die Schifffahrt waren die... mehr

(finn. Olhava). Der Fluss verbindet den Ilmen-See mit dem Ladoga-See und stellt somit die wichtigste Verkehrsader Novgorods zur Ostsee dar. Ein Hindernis für die Schifffahrt waren die Stromschnellen im Mittellauf, die ggf. ein Umladen der Güter notwendig machten. Spätestens in der Wikingerzeit bildete der W. einen wichtigen Teil des Wasserstraßennetzes aus Nordeuropa nach dem Schwarzen und Kaspischen Meer. Im 8.-9. Jh. entstanden am Fluss Staraja Ladoga und Rjurikovo gorodišče, im 10. Jh. Novgorod.

Anti Selart

Literatur: C. v. Stern, Ein dunkler Punkt im Deutsch-Novgoroder Handelsvertragsentwurf von 1268, HGbll. 62 (1938), 188-200.
Wolmar

(lett. Valmiera). Im 13. Jh. entstand eine Burg W. des → Deutschen Ordens mit einer umzäunten Siedlung (Hakelwerk) am rechten Ufer der livländischen Aa (lett. Gauja), dann vermutlich vor 1323 eine... mehr

(lett. Valmiera). Im 13. Jh. entstand eine Burg W. des → Deutschen Ordens mit einer umzäunten Siedlung (Hakelwerk) am rechten Ufer der livländischen Aa (lett. Gauja), dann vermutlich vor 1323 eine Stadt, die (vor?) 1328 das → Rigaer Stadtrecht erhielt. W. war Mitglied der Hanse (erwähnt 1365?, 1434-1435). Es lag am Wasserweg zur Ruś, besaß Stadtmauern und eine Kirche (1283-1287). W. war häufig Ort der livländischen Land- und Städtetage und wurde 1560 und 1577 durch Russen zerstört.

Pawel Jeziorski

Literatur: C. Mettig, Baltische Städte, 2. Aufl. 1905, 142-68.
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