Hanse­Lexikon
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Buchstabe T

Thorn

(poln. Toruń), Stadt im Kulmerland, die 1231 durch den Deutschen Orden am rechten Weichselufer,  etwa 200 km vor der Weichselmündung, gegründet wurde. 1233 stellte der Hochmeister für T. und →... mehr

(poln. Toruń), Stadt im Kulmerland, die 1231 durch den Deutschen Orden am rechten Weichselufer,  etwa 200 km vor der Weichselmündung, gegründet wurde. 1233 stellte der Hochmeister für T. und → Kulm ein Gründungsprivileg aus, in dem den Städten das Magdeburgische Recht verliehen wurde. 1264 erfolgte die Gründung der Neustadt T. Am Anfang des 15. Jh. zählten die beiden Städte etwa 10000 Einwohner. Nach dem Ausbruch des → Dreizehnjährigen Krieges (1454-1466) wurde die Neustadt an die Altstadt angegliedert. Die bedeutende Rolle von T. im hansischen Fernhandel ergab sich aus der günstigen Verkehrslage im Schnittpunkt der Weichselroute mit den Landwegen nach Masowien, Kujawien, Ruthenien und Schlesien. Nach den Pfundzolllisten der 1360er Jahre machte Tuch ca. 60 Prozent der importierten Westwaren aus. Für die Ausfuhr nach Westen waren Kupfer, Blei und Rauchwerk von der größten Bedeutung. Am Anfang des 15. Jh. versuchte die Stadt sich vergebens durch die Einführung des Stapelrechts gegen die Konkurrenz der Danziger Kaufleute zu verteidigen. Der erste Beleg für das Interesse des T.er Stadtrates für die hansischen Angelegenheiten liefert seine 1280 an den Lübecker Rat gerichtete Zustimmung zu den Beschlüssen wegen Verlegung des Stapels von Brügge nach Aardenburg. In den Jahren 1356-1410 nahmen die T.er Ratssendeboten an 60 Hansetagen und hansischen Verhandlungen teil. Aus der Krise des T.er Fernhandels resultierte auch das abnehmende Interesse des Stadtrates für die Beziehungen zur Hanse. In der ersten Hälfte des 15. Jh. war die Stadt nur bei 18 hansischen Versammlungen vertreten.

Roman Czaja

Literatur: K.-O. Ahnsehl, Thorns Seehandel und Kaufmannschaft um 1370, 1961; Historia Torunia [Geschichte Thorns], 1: W czasach średniowiecza (do roku 1454) [Im Mittelalter (bis zum Jahre 1454)], 1999.
Tiel

Der an der Mündung der Linge in die Waal gelegene Ort T. gilt neben Deventer als Nachfolger des im 9. Jh. aufgegebenen friesisch-fränkischen Handelsplatzes Dorestad. Die Blütezeit T.s fällt in das... mehr

Der an der Mündung der Linge in die Waal gelegene Ort T. gilt neben Deventer als Nachfolger des im 9. Jh. aufgegebenen friesisch-fränkischen Handelsplatzes Dorestad. Die Blütezeit T.s fällt in das 10. bis 12. Jh., als T. im Handel zwischen dem Rheinland und England eine herausragende Position einnahm. Spätestens 896 hatte Kg. Zwentibold in der bei einer kgl. villa entstandenen Siedlung (portus) T. eine Zollstelle eingerichtet, die ihrerseits großen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung T.s hatte, der schon zu Beginn des 11. Jhs. so nachhaltig gewesen zu sein scheint, dass normannische Seeräuber in T. reiche Beute erwarten konnten. Die Bedeutung T.s zeigt sich auch darin, dass der Ort im 11. Jh. Münzrechte erhielt und dass es dort nach dem Bericht Alperts von Metz zu dieser Zeit bereits eine Kaufmannsgilde mit eigenem Willkürrecht und eigener Rechtsprechung gab. Noch im 13. Jh. gehörten die Kaufleute aus T. zu der Hanse der Kölner in London (→ Köln), doch der wirtschaftliche Niedergang hatte bereits eingesetzt: Schon vor 1174 hatte K. Friedrich I. den Zoll von T. nach Kaiserswerth verlegt; hinzu kam, dass infolge der fortschreitenden Versandungen im Rheinmündungsgebiet T. mit seegängigen Schiffen kaum noch erreichbar war, so dass die T.er Kaufleute aus diesem Grunde, aber auch wegen der erdrückenden Konkurrenz der Kölner im Englandhandel keine nennenswerte Rolle mehr spielten. Als Hansestadt ist T., das erst 1339 endgültig geldrisch wurde, seit der Mitte des 15. Jhs. bezeugt. Dabei gestalteten sich die Beziehungen zur Hanse bis ins 16. Jh. in enger Bindung an das benachbarte → Zaltbommel.

Volker Henn

Literatur: J. Dijkstra, Das Handelszentrum Tiel im 10. bis 12. Jahrhundert, in: Europa im 10. Jahrhundert, hrsg. J. Henning, 2002, 195-208; O. G. Oexle, Die Kaufmannsgilde von Tiel, in: Untersuchungen zu Handel und Verkehr in vor- und frühgeschichtlicher Zeit in Mittel- und Nordeuropa, T. 6, hrsg. H. Jankuhn, E. Ebel, 1989, 173-96; W. Jappe Alberts, Van heerlijkheid tot landsheerlijkheid, 1978, bes. 149-200; M. J. van Lennep, De economische ontwikkeling van Tiel gedurende de latere middeleeuwen en de sestiende eeuw, in: Gelre. Bijdragen en Mededelingen 64 (1970), 102-17.
Tölner, Johann

T. (gest. vermutlich um 1351), Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters und zur Unterscheidung von ihm auch Henneke genannt, war Kaufmann, Ratsherr und dann selbst auch Bürgermeister in Rostock. Vater... mehr

T. (gest. vermutlich um 1351), Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters und zur Unterscheidung von ihm auch Henneke genannt, war Kaufmann, Ratsherr und dann selbst auch Bürgermeister in Rostock. Vater und Sohn führten abwechselnd ein Handlungsbuch überwiegend in lateinischer Sprache und trugen dort sowohl Buchungen von Proper- (d.h. Eigen-)geschäften ein als auch solche, welche die → Handelsgesellschaft betrafen, die Vater und Sohn gemeinsam mit zwei weiteren Partnern führten. Die Gesellschaft war, wie es für hansische Handelsgesellschaften vor 1400 typisch war, eine reine Innengesellschaft. Nach außen trat der Kapitalführer (im konkreten Fall T. der Ältere) als alleiniger Inhaber der Ware auf. Die Gesellschaft importierte im großen Stil Tuche, besonders aus Flandern, und verkaufte sie en gros und en détail. Zu ihren Kunden zählten Herzöge von Mecklenburg, Adels- und Ratsfamilien, aber auch Rostocker Handwerker und Gesinde.

Albrecht Cordes

Quellen: Johann Tölners Handlungsbuch von 1345–1350, hrsg. K. Koppmann, 1885.

Literatur: A. Cordes, Spätmittelalterlicher Gesellschaftshandel im Hanseraum, 1998; D. Tophinke, Handelstexte. Zu Textualität und Typik kaufmännische Rechnungsbücher im Hanseraum des 14. und 15. Jh.s, 1999; R. Hammel-Kiesow, Schriftlichkeit und Handelsgesellschaften niederdeutsch-hansischer und oberdeutscher Kaufleute im späten 13. und im 14. Jahrhundert, in: Von Nowgorod bis London. Studien zu Handel, Wirtschaft und Gesellschaft im mittelalterlichen Europa. Festschrift für Stuart Jenks, hrsg. M.-L. Heckmann, J. Röhrkasten, 2008, 213-41.
Totentanz

Bild und Text von T.en wie dem von St. Marien in Lübeck (1463) rezipieren die Pariser danse macabre (1424/25) und wirken weit in den Ostseeraum. Der Tanz der Sterbenden aller Stände... mehr

Bild und Text von T.en wie dem von St. Marien in Lübeck (1463) rezipieren die Pariser danse macabre (1424/25) und wirken weit in den Ostseeraum. Der Tanz der Sterbenden aller Stände appelliert angesichts von Tod und Jüngstem Gericht an des einzelnen Pflicht zum Wohl des Gemeinwesens in der Welt. Die hier gelehrte Soziallehre spricht für ratsnahe, in den Figuren von Kaufmann und Bürgermeister repräsentierte Geschlechter als Auftraggeber und Franziskaner als Autoren. Dass das Wohlergehen der civitas Christiana auf der arbeit aller basiert, ist Merkmal dieses T.es, der augenfällig bezeugt, dass sich der Reigen, in den die vor dem Stadtportrait tanzenden Standesvertreter jedermann einbeziehen, vor Lübeck abspielt.

Hartmut Freytag

Quellen: Der Totentanz der Marienkirche in Lübeck und der Nikolaikirche in Reval (Tallinn), hrsg. H. Freytag, 1993.
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