Hanse­Lexikon
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Buchstabe T

Tangermünde

Bereits in ottonischer Zeit wurde an der Stelle, wo die Tanger in die Elbe mündet, eine Burg zur Sicherung der Ostgrenze des Reiches errichtet. Mitte des 12. Jh.s ist an dieser Stelle Marktverkehr... mehr

Bereits in ottonischer Zeit wurde an der Stelle, wo die Tanger in die Elbe mündet, eine Burg zur Sicherung der Ostgrenze des Reiches errichtet. Mitte des 12. Jh.s ist an dieser Stelle Marktverkehr bezeugt. In der ersten Hälfte des 13. Jh.s entwickelte sich T. zur Stadt. Handelspolitisch günstig an dem Elbübergang gelegen, der die Altmark mit dem ostelbischen Teil der Mark Brandenburg verband, blühte im 13. und 14. Jh. das gewerbliche und das kaufmännische Leben in T. auf. Ab 1368 war Tangermünde Hansestadt, unter den Handelswaren spielten Tuch, Getreide und Holz die größte Rolle. In den letzten fünf Regierungsjahren Karls IV. (1373-1378) erlebte T. als Nebenresidenz des Kaisers einen enormen Aufschwung. T. beteiligte sich im 14. und 15. Jh. an den altmärkischen wie an den sächsischen Städtebünden. T. wurde wie die meisten anderen altmärkischen Städte von Bedeutung 1488 vom brandenburgischen Landesherrn Kurfürst Johann Cicero unterworfen und schied damit aus dem Kreis der Hansestädte aus. 

Matthias Puhle

Literatur: S. Brückner (Hrsg.): Tangermünde – 1000 Jahre Geschichte, 2008.
Telgte

Das 12 km östlich des Bischofssitzes Münster liegende T. erhielt 1238 Stadtrecht. Spannungen zwischen Bischof und Stadt führten um 1360 zur Anlage einer bischöflichen Burg, deren Gelände um 1500... mehr

Das 12 km östlich des Bischofssitzes Münster liegende T. erhielt 1238 Stadtrecht. Spannungen zwischen Bischof und Stadt führten um 1360 zur Anlage einer bischöflichen Burg, deren Gelände um 1500 nach einem verheerenden Stadtbrand der landtagsfähigen Stadt überlassen wurde, die 1498/99 ca. 500 schatzpflichtige Einwohner hatte. In der T.r Wirtschaft war das Gewerbe der Woll- und Leinenweber stark vertreten. Der Fernhandel spielte keine Rolle, hansische Bezüge sind aber erkennbar. Seit dem 15. Jh. sind Wallfahrten nach T. bezeugt, von denen die Stadt, nach einer Stagnationsphase im 15. und 16. Jh., zunehmend seit dem 17. Jh. profitierte.

Anna-Therese Grabkowsky

Literatur: Geschichte der Stadt Telgte, hrsg. Werner Frese, 1999.
Thorn

(poln. Toruń), Stadt im Kulmerland, die 1231 durch den Deutschen Orden am rechten Weichselufer,  etwa 200 km vor der Weichselmündung, gegründet wurde. 1233 stellte der Hochmeister für T. und →... mehr

(poln. Toruń), Stadt im Kulmerland, die 1231 durch den Deutschen Orden am rechten Weichselufer,  etwa 200 km vor der Weichselmündung, gegründet wurde. 1233 stellte der Hochmeister für T. und → Kulm ein Gründungsprivileg aus, in dem den Städten das Magdeburgische Recht verliehen wurde. 1264 erfolgte die Gründung der Neustadt T. Am Anfang des 15. Jh. zählten die beiden Städte etwa 10000 Einwohner. Nach dem Ausbruch des → Dreizehnjährigen Krieges (1454-1466) wurde die Neustadt an die Altstadt angegliedert. Die bedeutende Rolle von T. im hansischen Fernhandel ergab sich aus der günstigen Verkehrslage im Schnittpunkt der Weichselroute mit den Landwegen nach Masowien, Kujawien, Ruthenien und Schlesien. Nach den Pfundzolllisten der 1360er Jahre machte Tuch ca. 60 Prozent der importierten Westwaren aus. Für die Ausfuhr nach Westen waren Kupfer, Blei und Rauchwerk von der größten Bedeutung. Am Anfang des 15. Jh. versuchte die Stadt sich vergebens durch die Einführung des Stapelrechts gegen die Konkurrenz der Danziger Kaufleute zu verteidigen. Der erste Beleg für das Interesse des T.er Stadtrates für die hansischen Angelegenheiten liefert seine 1280 an den Lübecker Rat gerichtete Zustimmung zu den Beschlüssen wegen Verlegung des Stapels von Brügge nach Aardenburg. In den Jahren 1356-1410 nahmen die T.er Ratssendeboten an 60 Hansetagen und hansischen Verhandlungen teil. Aus der Krise des T.er Fernhandels resultierte auch das abnehmende Interesse des Stadtrates für die Beziehungen zur Hanse. In der ersten Hälfte des 15. Jh. war die Stadt nur bei 18 hansischen Versammlungen vertreten.

Roman Czaja

Literatur: K.-O. Ahnsehl, Thorns Seehandel und Kaufmannschaft um 1370, 1961; Historia Torunia [Geschichte Thorns], 1: W czasach średniowiecza (do roku 1454) [Im Mittelalter (bis zum Jahre 1454)], 1999.
Tiel

Der an der Mündung der Linge in die Waal gelegene Ort T. gilt neben Deventer als Nachfolger des im 9. Jh. aufgegebenen friesisch-fränkischen Handelsplatzes Dorestad. Die Blütezeit T.s fällt in das... mehr

Der an der Mündung der Linge in die Waal gelegene Ort T. gilt neben Deventer als Nachfolger des im 9. Jh. aufgegebenen friesisch-fränkischen Handelsplatzes Dorestad. Die Blütezeit T.s fällt in das 10. bis 12. Jh., als T. im Handel zwischen dem Rheinland und England eine herausragende Position einnahm. Spätestens 896 hatte Kg. Zwentibold in der bei einer kgl. villa entstandenen Siedlung (portus) T. eine Zollstelle eingerichtet, die ihrerseits großen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung T.s hatte, der schon zu Beginn des 11. Jhs. so nachhaltig gewesen zu sein scheint, dass normannische Seeräuber in T. reiche Beute erwarten konnten. Die Bedeutung T.s zeigt sich auch darin, dass der Ort im 11. Jh. Münzrechte erhielt und dass es dort nach dem Bericht Alperts von Metz zu dieser Zeit bereits eine Kaufmannsgilde mit eigenem Willkürrecht und eigener Rechtsprechung gab. Noch im 13. Jh. gehörten die Kaufleute aus T. zu der Hanse der Kölner in London (→ Köln), doch der wirtschaftliche Niedergang hatte bereits eingesetzt: Schon vor 1174 hatte K. Friedrich I. den Zoll von T. nach Kaiserswerth verlegt; hinzu kam, dass infolge der fortschreitenden Versandungen im Rheinmündungsgebiet T. mit seegängigen Schiffen kaum noch erreichbar war, so dass die T.er Kaufleute aus diesem Grunde, aber auch wegen der erdrückenden Konkurrenz der Kölner im Englandhandel keine nennenswerte Rolle mehr spielten. Als Hansestadt ist T., das erst 1339 endgültig geldrisch wurde, seit der Mitte des 15. Jhs. bezeugt. Dabei gestalteten sich die Beziehungen zur Hanse bis ins 16. Jh. in enger Bindung an das benachbarte → Zaltbommel.

Volker Henn

Literatur: J. Dijkstra, Das Handelszentrum Tiel im 10. bis 12. Jahrhundert, in: Europa im 10. Jahrhundert, hrsg. J. Henning, 2002, 195-208; O. G. Oexle, Die Kaufmannsgilde von Tiel, in: Untersuchungen zu Handel und Verkehr in vor- und frühgeschichtlicher Zeit in Mittel- und Nordeuropa, T. 6, hrsg. H. Jankuhn, E. Ebel, 1989, 173-96; W. Jappe Alberts, Van heerlijkheid tot landsheerlijkheid, 1978, bes. 149-200; M. J. van Lennep, De economische ontwikkeling van Tiel gedurende de latere middeleeuwen en de sestiende eeuw, in: Gelre. Bijdragen en Mededelingen 64 (1970), 102-17.
Tohopesaten

Um die Mitte des 13. Jhs. wurden erste Ansätze einer städtischen Bündnispolitik in Norddeutschland erkennbar. Meist ging es dabei um bilaterale oder nur wenige Städte umfassende Teilnehmer, die... mehr

Um die Mitte des 13. Jhs. wurden erste Ansätze einer städtischen Bündnispolitik in Norddeutschland erkennbar. Meist ging es dabei um bilaterale oder nur wenige Städte umfassende Teilnehmer, die diese Bündnisse anstrebten, um die Straßen für den Handel sicherer zu machen und Rechtsvereinheitlichungen in den Städten herzustellen. Im 14. Jh. intensivierte sich die Bündnispolitik zwischen den Städten. Zu dem Einigungsmoment der frühen Bündnisse kam nun auch die gemeinsame Abwehr innerer und äußerer Feinde. Vom Ende des 14. Jhs. an verfestigten sich diese regionalen Bündnisse zwischen den verschiedenen Gruppen der Hansestädte, ohne dadurch zu einer Angelegenheit der Hanse im Ganzen zu werden. Diese t. oder vorbundnisse bildeten aber in der ersten Hälfte des 15. Jhs. gleichsam die Blaupause für die gesamthansischen T. von 1443, 1447 und 1450/51, mit denen sich die Hanse gegen die vermehrten, gegen die Freiheit der Städte gerichteten fürstlichen Koalitionen zur Wehr setzen wollte. Die T. gliederten sich in drei Drittel bzw. vier Viertel, die jeweils einer „Hauptstadt“ (hoventlinge) zugeordnet waren wie etwa Lübeck, Hamburg, Köln, Magdeburg oder Braunschweig. Die T. umfassten zwischen 40 und 60 Städten und griffen auf erste gesamthansische T.pläne des großen Hansetags von 1418 zurück. Die T. hatten Laufzeiten zwischen drei und zehn Jahren. Die an den T. beteiligten Städte verfolgten damit die Absicht, „die Straßen zu schützen, dem Raub zu wehren, im Falle von Angriffen seitens der Fürsten und Herren einander mit bewaffneter Macht beizustehen, Erhebungen gegen die Räte in den Städten nötigenfalls mit Gewalt zu dämpfen und ihren Bund gemeinsam gegen jeden zu verteidigen“ (HR II.3, Nr. 68, S. 34). Der Größe und Leistungsfähigkeit der Städte entsprechend wurden auch die militärischen Kontingente festgelegt, die von den einzelnen Städten im Konfliktfall zu stellen waren.

Die T. wurden zunächst nicht mehr verlängert, weil sie sich durch die immense räumliche Ausdehnung im Ernstfall als ein schwerfälliges Instrument erwiesen und die Bereitschaft der Städte, im Konfliktfall militärische Hilfe zu leisten, eher begrenzt war. 1476 erneuerten die sächsischen und wendischen Städte ihre T., die eine starke Ähnlichkeit mit der T. von 1450/51 besaß, für sechs Jahre. Im 16. Jh. antwortete die Hanse auf den in der Mitte des 15. Jh. einsetzenden Mitgliederschwund und den sich verstärkenden Druck der Landesherren auf die Städte im Heiligen Römischen Reich, mit umfangreichen Reorganisationsbemühungen und einer intensivierten Bündnispolitik. Auf den Hansetagen von 1494 und 1518 wurden T.pläne entworfen, die aber nicht in Beschlüsse mündeten. Ab Mitte des 16. Jhs. verstärkten sich die Bündnisbestrebungen innerhalb der Hanse wieder, was in der „Konföderationsnotel“ von 1557 mündete. An diesem Bündnis, das sich stark an die T. des 15. Jhs. anlehnte und für zehn Jahre gelten sollte, nahmen 63 Städte teil. 1579 wurde diese T. verlängert und blieb im Wesentlichen bis zum Dreißigjährigen Krieg bestehen. Damit hatte die Hanse in ihrer späten Phase einen erheblich stärkeren Bündnischarakter als in den früheren Phasen ihrer Existenz angenommen.

Matthias Puhle

Literatur: W. Bode, Hansische Bundesbestrebungen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, HGbll. 45 (1919), 173-246, 46 (1920/21), 174-93, und 51 (1926), 28-71; R. Hammel-Kiesow, Die Hanse, 2014, 5. Aufl.; M. Seier, Die Hanse auf dem Weg zum Städtebund: Hansische Reorganisationsbestrebungen an der Wende vom 15. zum 16. Jh., HGbll. 130 (2012), 93-125.
Tölner, Johann

T. (gest. vermutlich um 1351), Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters und zur Unterscheidung von ihm auch Henneke genannt, war Kaufmann, Ratsherr und dann selbst auch Bürgermeister in Rostock. Vater... mehr

T. (gest. vermutlich um 1351), Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters und zur Unterscheidung von ihm auch Henneke genannt, war Kaufmann, Ratsherr und dann selbst auch Bürgermeister in Rostock. Vater und Sohn führten abwechselnd ein Handlungsbuch überwiegend in lateinischer Sprache und trugen dort sowohl Buchungen von Proper- (d.h. Eigen-)geschäften ein als auch solche, welche die → Handelsgesellschaft betrafen, die Vater und Sohn gemeinsam mit zwei weiteren Partnern führten. Die Gesellschaft war, wie es für hansische Handelsgesellschaften vor 1400 typisch war, eine reine Innengesellschaft. Nach außen trat der Kapitalführer (im konkreten Fall T. der Ältere) als alleiniger Inhaber der Ware auf. Die Gesellschaft importierte im großen Stil Tuche, besonders aus Flandern, und verkaufte sie en gros und en détail. Zu ihren Kunden zählten Herzöge von Mecklenburg, Adels- und Ratsfamilien, aber auch Rostocker Handwerker und Gesinde.

Albrecht Cordes

Quellen: Johann Tölners Handlungsbuch von 1345–1350, hrsg. K. Koppmann, 1885.

Literatur: A. Cordes, Spätmittelalterlicher Gesellschaftshandel im Hanseraum, 1998; D. Tophinke, Handelstexte. Zu Textualität und Typik kaufmännische Rechnungsbücher im Hanseraum des 14. und 15. Jh.s, 1999; R. Hammel-Kiesow, Schriftlichkeit und Handelsgesellschaften niederdeutsch-hansischer und oberdeutscher Kaufleute im späten 13. und im 14. Jahrhundert, in: Von Nowgorod bis London. Studien zu Handel, Wirtschaft und Gesellschaft im mittelalterlichen Europa. Festschrift für Stuart Jenks, hrsg. M.-L. Heckmann, J. Röhrkasten, 2008, 213-41.
Totentanz

Bild und Text von T.en wie dem von St. Marien in Lübeck (1463) rezipieren die Pariser danse macabre (1424/25) und wirken weit in den Ostseeraum. Der Tanz der Sterbenden aller Stände... mehr

Bild und Text von T.en wie dem von St. Marien in Lübeck (1463) rezipieren die Pariser danse macabre (1424/25) und wirken weit in den Ostseeraum. Der Tanz der Sterbenden aller Stände appelliert angesichts von Tod und Jüngstem Gericht an des einzelnen Pflicht zum Wohl des Gemeinwesens in der Welt. Die hier gelehrte Soziallehre spricht für ratsnahe, in den Figuren von Kaufmann und Bürgermeister repräsentierte Geschlechter als Auftraggeber und Franziskaner als Autoren. Dass das Wohlergehen der civitas Christiana auf der arbeit aller basiert, ist Merkmal dieses T.es, der augenfällig bezeugt, dass sich der Reigen, in den die vor dem Stadtportrait tanzenden Standesvertreter jedermann einbeziehen, vor Lübeck abspielt.

Hartmut Freytag

Quellen: Der Totentanz der Marienkirche in Lübeck und der Nikolaikirche in Reval (Tallinn), hrsg. H. Freytag, 1993.
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