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Buchstabe P

Pelze - Sorten

Die P., die fast ausschließlich unverarbeitet auf den hansischen Markt kamen, stammten im Spätmittelalter vor allem aus den Waldgebieten Nordosteuropas (Dvina, Perm, Pečora), wo sie den Hauptteil... mehr

Die P., die fast ausschließlich unverarbeitet auf den hansischen Markt kamen, stammten im Spätmittelalter vor allem aus den Waldgebieten Nordosteuropas (Dvina, Perm, Pečora), wo sie den Hauptteil den bäuerlichen Verpflichtungen bildeten. Den größten Anteil hatten Eichhörnchen [(grau)werk], die je nach Herkunft, Verpackung und Fangsaison sehr unterschiedlich bezeichnet wurden. Hochwertige Eichhörnchenfelle hießen meistens schonwerk, auch luschwerk. Die ganzen Bälge (rundes werk) waren teurer als die aufgeschnittenen Felle (plattes werk), die umgedrehten Bälge (ledderwerk) höher geschätzt als diejenigen mit Haar an der Außenseite (harwerk). Die billigeren Sorten (clesmes, troynissen) stammten wahrscheinlich aus den südlicheren Gegenden der Rus‘. Im Handel befanden sich auch minderwertige Pelze und Stücke (schevenissen, poppelen). Die teuren P. bildeten im Gesamtumfang des Handels eine eher kleine Gruppe: Marder (marten), Wiesel (lasten), Hermelin (hermellen), Sobel (sabel), Biber (bever), Felle der ungeborenen Marder (wymeteken). Die P. von Fuchs, Wolf oder Hase kamen im Handel sehr selten vor.

Anti Selart

Literatur: A. L. Choroškevič, Torgovlja Velikogo Novgoroda s Pribaltikoj i Zapadnoj Evropoj v XIV-XV vekach, 1963; M. P. Lesnikov, Der hansische Pelzhandel zu Beginn des 15. Jahrhunderts, in: Hansische Studien. Heinrich Sproemberg zum 70. Geburtstag, hrsg. G. Heitz, M. Unger, 1961, 219-72; R. Delort, Le commerce des fourrures en occident à la fin du moyen âge, 1978.
Perleberg

(Westprignitz) an der bis zur Elbe schiffbaren Stepenitz lieferte nach Hamburg ab 1270 Pottasche und hatte seit 1328 Zollfreiheit in Wismar. 1358 klagte P.  über die Verletzung kaufmännischer... mehr

(Westprignitz) an der bis zur Elbe schiffbaren Stepenitz lieferte nach Hamburg ab 1270 Pottasche und hatte seit 1328 Zollfreiheit in Wismar. 1358 klagte P.  über die Verletzung kaufmännischer Rechte in Flandern; Rostock lud P. 1359 zum Hansetag ein. Nach einem Beschluss in Wismar 1368 sollten P., Pritzwalk, Havelberg, Kyritz u. a. Fürsten und Herren vom Beistand des dänischen Königs abbringen, der den Kaufmann geschädigt habe. Außer Städten in Brandenburg wurde 1384 Parchim, Grabow, Neustadt, Schwerin, Wismar und Lübeck wirtschaftliche Beziehung mit exkommunizierten Räten P.s verboten. 1417 wurde P. wegen Hegung eines lübischen Aufrührers mit → Verhansung gedroht. P. war durch Waren- und Geldgeschäfte v. a. mit Wismar und Lübeck verbunden. Den Landzoll verlegte der Kurfürst 1584 von P. nach Wittstock und Lockstädt, weil diese Orte für den Verkehr nach Mecklenburg günstiger erschienen.

Heidelore Böcker

Literatur: E. Müller-Mertens, Untersuchungen zur Geschichte der brandenburgischen Städte im Mittelalter, T. I-IV, Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 5 (1955/56), 3, 4 und 6 (1956/57), bes. T. IV: ebenda, 6 (1956/57), 1-28.
Pernau

(est. Pärnu). Alt-P. wurde kurz nach 1241/42 vom Bischof von Ösel-Wiek am rechten Ufer der Pernau gegründet und war 1251-63 bis zum Litauereinfall Sitz des Bischofs. Angeblich 1251 mit Stadtrecht... mehr

(est. Pärnu). Alt-P. wurde kurz nach 1241/42 vom Bischof von Ösel-Wiek am rechten Ufer der Pernau gegründet und war 1251-63 bis zum Litauereinfall Sitz des Bischofs. Angeblich 1251 mit Stadtrecht (Rat erwähnt 1412), war es ein offener Ort, ohne Stadtmauern, mit ca. 300 Bewohnern, 1560 und 1575 geplündert, um 1600 fast verlassen. Neu-P. (Embek) entstand am linken Ufer der Pernau kurz vor 1265 vor der Burg des Deutschen Ordens. Vor 1318 erhielt Neu-P. Rigaer Stadtrecht Bürgermeister, Rat, Gilden). Im 15. Jh. Mitglied der Hanse, war es Stapelplatz des Ruśhandels, hatte direkte Handelsbeziehungen u.a. zu Flandern und Holland, eine Schwarzenhäupterbruderschaft und um 1500 ca. 1100 Bewohner. Die Stadt besaß Stadtmauern, drei Kirchen, ein Rathaus, zahlreiche gemauerte Gebäude und war häufig Ort der livländischen Städtetage.

Pawel Jeziorski

Literatur: H. Laakmann, Geschichte der Stadt P. in der Deutsch-Ordenszeit (bis 1558), 1958.
Peter von Dusburg

P. war Deutschordenspriester und Autor einer Landesgeschichte Preußens (Chronica Terre Prussie), 1326 mit Widmung an Hochmeister Werner von Orseln abgeschlossen, dann wohl bis 1330... mehr

P. war Deutschordenspriester und Autor einer Landesgeschichte Preußens (Chronica Terre Prussie), 1326 mit Widmung an Hochmeister Werner von Orseln abgeschlossen, dann wohl bis 1330 fortgesetzt. Themen sind die Gründung des Deutschen Ordens, seine Etablierung in Preußen und die Kämpfe gegen die heidnischen Prußen und Litauer, aber auch die Stadtgründungen.

Jürgen Sarnowsky

Literatur: Mittelalterliche Kultur und Literatur im Deutschordensstaat Preußen: Leben und Nachleben, hrsg. J. Wenta, u.a., 2008.
Pfundzoll

Der P. oder das Pfundgeld ist eine seit 1362 in besonderen Notsituationen erhobene, temporäre Sonderabgabe auf alle von hansischen Kaufleuten seewärts im- oder exportierten Waren in den nördlichen... mehr

Der P. oder das Pfundgeld ist eine seit 1362 in besonderen Notsituationen erhobene, temporäre Sonderabgabe auf alle von hansischen Kaufleuten seewärts im- oder exportierten Waren in den nördlichen Städten der Hanse. Die Zollgrundlage war ursprünglich der Warenwert in Pfund flämisch (daher P.), später wurden die Waren nach festgelegten Tarifen besteuert. Der P. wurde von einzelnen Regionen innerhalb der Hanse zur Deckung besonderer Kriegskosten beschlossen und mit der Nutzung der resp. dem Ausschluss aus den hansischen Privilegien verknüpft. Allerdings war die Erhebung und die Teilnahme am P. freiwillig und geschah meist nur in der betroffenen Region. P. wurden zwischen 1362 und 1500 mindestens 103 mal erhoben. Einige Landesherren, so der Deutsche Orden, versuchten, die temporären P.e in permanente, landesherrliche Abgaben umzuwandeln. Die bei der P.-erhebung angelegten P.bücher geben [einen ersten] Einblick in den Warenverkehr einer Hansestadt.

Carsten Jahnke

Quellen: St. Jenks, Das Danziger P.buch von 1409 und 1411, 2012.

Literatur: C. Jahnke, P.rechnungen im Ostseeraum – Bestand und Fragen der Auswertung, in: Die preußischen Hansestädte und ihre Stellung im Nord- und Ostseeraum des Mittelalters, hrsg. Z. H. Nowak, J. Tandecki, 1998, S. 151-68.
Pfundzollbücher

P. oder Pfundgeldbücher sind die zur Abrechnung des Pfundzolles resp. -geldes angelegten Einnahmeverzeichnisse. In der Regel registrieren sie die Namen der zollpflichtigen Schiffer und Kaufleute... mehr

P. oder Pfundgeldbücher sind die zur Abrechnung des Pfundzolles resp. -geldes angelegten Einnahmeverzeichnisse. In der Regel registrieren sie die Namen der zollpflichtigen Schiffer und Kaufleute sowie teilweise die verzollten Waren und deren Menge. Im hansischen Raum gab es zwei Registrierungssysteme. Das eine verzeichnet Schiffer und Kaufleute getrennt, das andere beide zusammen nach Schiffsladungen. Die meisten Listen sind chronologisch angelegt, allerdings geben nur einige wenige Anhaltspunkte zur inneren Datierung. P. werden heute häufig zur Berechnung von Warenströmen und -umsätzen herangezogen. Doch ist deren Wert umstritten, da sie zum einen nur den seegehenden Teil des Handels abbilden und zum anderen einen Teil des Handels aufgrund des Verbotes von Doppelbesteuerung und anderen Ausnahmeregelungen nicht erfassen können. Auch verzeichnen sie nur die Kaufleute, die die Zölle vor Ort erlegen, nicht aber die Besitzer der Waren. P. können aber durch andere serielle Quellen, z.B. in England, ergänzt werden. Für die Zeit von 1362 bis 1500 liegen mindestens 151 P. unterschiedlicher Länge und Qualität vor, allerdings gibt es nur für das Jahr 1369 sieben parallele P. aus verschiedenen Orten, ansonsten 1368 fünf, 1370 vier und für weitere 15 Jahre P. aus drei Orten. Ergänzt werden die P. durch Zollquittungen oder -zettel, die an einigen Orten in zufälliger Form vorliegen.

Carsten Jahnke

Literatur: A. Huang, C. Jahnke, Bermudadreieck Nordsee. Oder: Drei Hamburger Schiffe auf dem Weg nach London, HGbll. 130, 2012, 59-91; C. Jahnke, Pfundzollrechnungen im Ostseeraum, in: Die preußischen Hansestädte und ihre Stellung im Nord- und Ostseeraum des Mittelalters, hrsg. H. Nowak, J. Tandecki, 1998, 151-68.
Pilgerfahrt

Die meisten Bewohner der Hansestädte besuchten zur Beförderung von Wünschen oder zur Buße Heiltumsorte, die in der Umgebung oder zumindest in Deutschland lagen (z.B. Wilsnack oder Aachen). Nicht... mehr

Die meisten Bewohner der Hansestädte besuchten zur Beförderung von Wünschen oder zur Buße Heiltumsorte, die in der Umgebung oder zumindest in Deutschland lagen (z.B. Wilsnack oder Aachen). Nicht alle pilgerten freiwillig. Nur die Angehörigen einer kleinen vermögenden Oberschicht konnten sich das Ziel ihrer P. aussuchen und zu den drei bedeutendsten Zielen Santiago de Compostela, Rom oder Jerusalem reisen. Die Entwicklung der kirchlichen Ablasslehre führte auch im Hanseraum seit dem 13./14. Jh. zu einem Aufschwung der P.en v. a. zu jenen Orten, an denen man mit Plenarablass rechnen durfte. Zudem wuchs die Bedeutung testamentarischer Vermächtnisse, die Fürbittp.en durch Dritte zu Gunsten des Erblassers vorschrieben. Die Intensivierung des Handels zwischen Hanseraum und Iberischer Halbinsel und die kriegsbedingte Unsicherheit des Überlandweges durch Frankreich hatte seit dem 14. Jahrhundert den Aufschwung der Schiffspilgerfahrt an die galizische Küste (La Coruna) zur Folge. Die Einführung der Reformation bedeutete nicht das abrupte Ende aller P.en, wie sich auch am Beispiel Wilsnacks zeigt.

Marie-Luise Favreau-Lilie

Literatur: M.-L. Favreau-Lilie, Von Nord- und Ostsee ans Ende der Welt, HGbll. 117 (1999), 93-130; D. Kurze, Wilsnackfahrer aus Hamburg und dem südwestlichen Ostseeraum, in: Wunder, Wallfahrt, Widersacher, hrsg. H. Kühne, A.-K. Ziesak, 2005, 48-61; N. Ohler, Zur Seligkeit und zum Troste meiner Seele, ZVLGA 63 (1983), 83-103.
Portugal

Der Deutsche Orden sowie die preußischen und livländischen Städte unterhielten seit dem Ende des 14. Jh. Handelsbeziehungen nach P., um den für die Konservierung von Heringen nötigen Salzbedarf... mehr

Der Deutsche Orden sowie die preußischen und livländischen Städte unterhielten seit dem Ende des 14. Jh. Handelsbeziehungen nach P., um den für die Konservierung von Heringen nötigen Salzbedarf unabhängig von dem durch Lübeck kontrollierten Lüneburger Salzhandel decken zu können. Außer Salz führten die Hansekaufleute Wein, Olivenöl, Früchte und Kork aus P. in das Baltikum ein und exportierten Getreide, Holz, Metalle, Teer, Pech und anderes Schiffbaumaterial. Seit den 1570er Jahren nahm der Hamburger Handel mit P. einen starken Aufschwung, während der der Ostseeanrainer zunehmend an Bedeutung verlor. In der ersten Hälfte des 17. Jh. befuhren jährlich bis zu 90 Schiffe die Strecke zwischen Hamburg und P. Inzwischen waren auch Gewürze und Zucker sowie Textilien, Waffen und Munition zu wichtigen Handelsgütern geworden.

 Hansekaufleute, die sich für längere Zeit in Lissabon aufhielten, waren dort oft Mitglieder der im 14. Jh. gegründeten Bartholomäus- oder der Heilig-Kreuz-und-Sankt-Andreas-Bruderschaft. Seit dem 15. Jh. profitierten sie von äußerst vorteilhaften königlichen Privilegien. Durch einen 1607 geschlossenen Vertrag wurden diese auf eine völkerrechtliche Ebene gehoben, wobei die Hanse erstmalig als vollgültiger Vertragspartner anerkannt wurde. Hintergrund waren die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem zu dieser Zeit mit P. in Personalunion verbundenen Spanien und den rebellischen Niederlanden. Mit dem Vertrag verpflichtete sich die Hanse, ein gegen die Niederlande verhängtes Handelsembargo durch die Zertifizierung ihrer Handelswaren zu unterstützen. Im Gegenzug bestätigte der spanische König die alten portugiesischen Privilegien, dehnte sie auf Spanien aus und befreite die Hansekaufleute von einem kurz zuvor eingeführten Zoll. Außerdem wurde im Rahmen des Vertrages das erste hansische Konsulat mit einem von der Hanse eingesetzten und vom spanischen König anerkannten Konsul in Lissabon geschaffen. Anders als die Funktionsträger der Kontore wurde der Konsul nicht genossenschaftlich gewählt, sondern war ein Beamter der Hanse, erhielt seine Instruktionen vom Hansetag und empfing sein Gehalt aus einer gemeinsamen Kasse der Städte.

Jorun Poettering

Literatur: J. Poettering, Handel, Nation und Religion. Kaufleute zwischen Hamburg und Portugal im 17. Jahrhundert, 2013; A. H. de Oliveira Marques, Hanse et Portugal na Idade Média, 2. Aufl. 1993.
Prälatenkrieg

P., eigentlich der Konflikt des Rats und der Bürger Lüneburgs mit den geistlichen Besitzern der Lüneburger Salinen, den "Prälaten". Seit die Stadt infolge des Lüneburger Erbfolgekriegs... mehr

P., eigentlich der Konflikt des Rats und der Bürger Lüneburgs mit den geistlichen Besitzern der Lüneburger Salinen, den "Prälaten". Seit die Stadt infolge des Lüneburger Erbfolgekriegs (1370-88) in Schulden geriet, griff sie wiederholt auf die Erträge aus den Salinen zu. Als die Schulden 600.000 Mark erreichten, konfiszierte der Rat 1454 die Salinengüter. In der Folge kam es zum päpstlichen Bann gegen den Rat, zur Wahl eines Sechziger-Ausschusses und schließlich eines neuen Rats. Dieser zog 1455 die Vermögen der alten Ratsherren ein und ließ einzelne inhaftieren. Der Kaiser drohte die Reichsacht an, und auch die Hanse erkannte den neuen Rat nicht an. Das verstärkte den Widerstand in der Stadt und führte Ende 1456 zum Rücktritt des neuen Rats. Der alte Rat wurde wieder eingesetzt, Gegner wurden gefangengenommen oder hingerichtet. Erst Ende 1462 gelang es Christian I. von Dänemark und den Bischöfen von Lübeck und Schwerin, eine dauerhafte Lösung für den Konflikt mit der Rückgabe der Salinengüter an die Prälaten zu vermitteln. 1463 wurden die letzten Gefangenen frei gelassen und Lüneburg vom Bann befreit. Lange Zeit war vor allem Lübeck vom Verbot des Handels mit Lüneburg betroffen.

Jürgen Sarnowsky

Literatur: B.-U. Hergemöller, „Pfaffenkriege“ im spätmittelalterlichen Hanseraum, 2 Bde., 1988, hier 1, S. 112-93; S. Springensguth, Tod im Turm. Die Rolle persönlicher und sozialer Beziehungen in Konflikten des Mittelalters am Beispiel des Lüneburger Prälatenkriegs, 2007.
Pritzwalk

(Ostprignitz). An die Handelssperre gegen Flandern erinnerte Rostock 1359 P., Kyritz, Havelberg, Perleberg u. a. und lud zum Hansetag ein. P. erhielt 1364 Zollrecht für Fuhrwerke aus... mehr

(Ostprignitz). An die Handelssperre gegen Flandern erinnerte Rostock 1359 P., Kyritz, Havelberg, Perleberg u. a. und lud zum Hansetag ein. P. erhielt 1364 Zollrecht für Fuhrwerke aus Mecklenburg/Werle und dem Erzbistum Magdeburg, außer für Kornausfuhr. Nach einem Beschluss 1368  in Wismar sollten Perleberg, P., Havelberg, Kyritz  Fürsten und Herren vom Beistand des dänischen Königs abbringen; zu Rostock wurden Verhandlungen in P. oder Perleberg erwogen. 1432 beklagten Perleberg und P. in Lübeck und Wismar Schädigung ihres Handels in Mecklenburg; jener mit Hamburg war nach Verlegung auf den Wasserweg (1669) rückläufig.

Heidelore Böcker

Literatur: L. Enders, Die Prignitz, 2000.
Privileg von Strängnäs

Im P. erhielten Lübeck und Danzig myt oren verwanten als Dank für finanzielle und militärische Hilfe im schwedischen Befreiungskrieg gegen Dänemark das Monopol über den schwedischen... mehr

Im P. erhielten Lübeck und Danzig myt oren verwanten als Dank für finanzielle und militärische Hilfe im schwedischen Befreiungskrieg gegen Dänemark das Monopol über den schwedischen Außenhandel. Exportgeschäfte durften danach nur mit Kaufleuten der privilegierten Städte abgeschlossen werden. Das Privileg stand schließlich der Entwicklung einer selbstbestimmten Wirtschaftspolitik unter → Gustav Vasa im Wege und wurde 1533 durch den Abbruch der Handelsbeziehungen zu Lübeck aufgehoben.

Hans-Jürgen Vogtherr

Literatur: K. Kumlien, Sverige och hanseaterna, 1953.
Privilegien der Hanse

I. Rechtsdogmatische Grundlagen.

P. sind bis in das 17. Jh. das dominierende flexible Rechtsinstrument zur Gestaltung und Regelung handelsrechtlicher Beziehungen. Das gilt... mehr

I. Rechtsdogmatische Grundlagen.

P. sind bis in das 17. Jh. das dominierende flexible Rechtsinstrument zur Gestaltung und Regelung handelsrechtlicher Beziehungen. Das gilt auch und besonders für die Hanse und ihren Fernhandel im Ausland. Aus dem römischen Recht entwickelt, werden P. begriffsgeschichtlich als lex privata (privates Gesetz) erklärt oder mit privare legem (von gesetzlicher Bindung befreien) in Verbindung gebracht. Sie bedeuten somit ein Sonderrecht oder eine Befugnissphäre, die einer individuellen Einzelperson oder Interessengruppe von einem Hoheitsträger zugestanden wird. Rechtlich wird es oft  mit dem ius singulare gleichgesetzt, dessen Voraussetzung die utilitas (Nützlichkeit) ist. Auf diesen Gesichtspunkt konnte sich die Hanse beim Aushandeln und für die Sicherung ihrer Handels-P. immer berufen. P. wurden grundsätzlich ex gratia erteilt, d.h. es bestand kein Anspruch auf das Sonderrecht, was für die Frage der Bestandssicherheit der Hanse-P. rechtlich von entscheidender Bedeutung war. Die hansischen P.-Inhaber versuchten daher durch Konfirmationen der jeweiligen ausländischen Herrscher ihren P.-Bestand zu sichern. Der den P. von der Lehre zugesprochene Vertragscharakter konnte ab dem 16. Jh. auch keine rechtliche Sicherheit für die hansischen Sonderrechte mehr bieten. Politische Machtstellungen überlagerten das P.-Recht, zumal die Hanse gegenüber den ausländischen Territorialherren über keinen eigenen eindeutigen Rechtsstatus verfügte, sondern vielmehr zwischen einem interessenbezogenen Zweckbündnis, einer Handelsgenossenschaft und einigungsrechtlich gestützten städtischen und kaufmannschaftlichen Gemeinschaft changierte. Sie ist durch gemeinsame wirtschaftliche Interessen bestimmt. In diesem Sinne treten unterschiedliche städtische Führungsgruppen und Netzwerke als Verhandlungsführer und P.nehmer in Erscheinung.  

II. P.-Inhalt und Wirkung.

In diesem Geflecht verfassungsrechtlicher Unbestimmbarkeiten und informeller Strukturen versuchten die hansischen Kaufleute, die Möglichkeiten individuellen und kollektiven Rechteerwerbs durch P. zu nutzen. Kaufleute und  – die für sie oft auftretenden – Städte (nomine communi hanseatico) waren die  durch P. Begünstigten. Inhaltlich konnten die P. fast alle Materien – analog zur Gesetzgebung – enthalten, die dem Handel der hansischen Kaufleute im Ausland nützlich waren: z.B. Befreiung  von Zöllen, Abgaben, fremder Gerichtsbarkeit, Kollektivhaftung, Strandrecht; Zusicherung der eigenen Waage, z.T. einer eigenen Gerichtsbarkeit, von Sicherheiten gegen Verhaftungen, Nachlassregelungen zugunsten der Erben im Ausland verstorbener Kaufleute, von sicherem Geleit, von raschen Prozessen. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit sind solche Sonderrechte in den meisten P. der Hanse von Territorialherren in England, Flandern Spanien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Russland zugesichert worden. Die meisten dieser privilegialen Rechte betrafen Hoheitsrechte der privilegierenden Regenten und bedeuteten insoweit einen Teilverzicht auf deren Souveränität. Prozessrechtliche Sonderregelungen für die Hanse dominierten. Auch das Hoheitsrecht der Rechtssetzung konnte Teil privilegialer Sonderberechtigungen sein, wenn den Kaufleuten z.B. durch P. Heinrichs II. von England 1157 zugesichert wurde, nach ihren eigenen Gewohnheiten zu leben. Ähnlich erteilte die dänische Krone 1370 den deutschen Kaufleuten das P., nur nach ihrem heimischen Recht belangt zu werden. Auch die Interpretationshoheit, die als ein Teil der Gesetzgebungsgewalt galt, sollte nach dem Privileg König Ludwigs I. von Frankreich (1483) immer in favorem et utilitatem …communitatis et Hanse Theutonice ausgeübt werden. Das gleiche Zugeständnis ist in die konfirmierten P. der Kastilischen Krone von 1648 aufgenommen, que sempre la interpretacion se haga benignamente por los Hansiaticos, y de ninguna manera contra ellos. Ein Vergleich der wichtigsten P. zeigt eine gewisse inhaltliche Identität der ausgehandelten, konzedierten Sonderrechte der Hanse.

III. Schutz durch P.

 Rechtsdogmatisch haftete allen P. als Zweck ihrer Erteilung der Schutz der übertragenen Sonderrechte an: Haec tutela a privilegio inseparabilis est (Chr. Wolff, Jus naturae). Dieser Grundsatz bestimmte auch die Hanse-P. Allen Untertanen und Amtsträgern im Herrschaftsbereich des P.-Erteilers wurde die Pflicht auferlegt, die Privilegierten bei der Ausübung ihrer Sonderrechte nicht zu behindern: precipimus universis … officialibus, quatenus predictas libertates a nobis pie concessas … violare non presumant (z.B. Privileg der norwegischen Krone von 1278). Dieses Schutzgebot wurde bis in das 17. Jh. immer wieder als ein konstituierendes Element in den P.text  aufgenommen (Privilège de Louis XIV. de 1655). Damit war oft das Gebot verbunden, die P. in den Städten und Häfen des Gastlandes zu publizieren. Durch beantragte Konfirmationen wurde der P.bestand laufend perpetuiert, z.T. 1648 in den  Westfälischen Friedensschluss integriert. Solange der durch die Hanse organisierte Fernhandel für die einzelnen Territorien nützlich war, wurden  P. und Konfirmationen als Gegenleistung für las utilidades de sus mercadurias der Hansa Teutonica wohlwollend gewährt (Privileg der Kastilischen Krone von 1648). Das Erstarken der ausländischen heimischen Kaufmannschaft, die die hansischen Privilegien als monopolisierte feindliche Konkurrenz erlebte, und das wachsende Souveränitätsstreben der ausländischen P.erteiler führten zu einem allgemeinen Wertverlust der P. Konfirmationen wurden nicht mehr gewährt, ohne dass ein förmlicher Widerruf erfolgte. Die Entkräftung der P. spiegelt den Niedergang der Hanse wider.

Heinz Mohnhaupt

Quellen: J. Hagemeier, Civitatum hanseaticarum privilegia et foedera quaedam aliaque documenta publica, in: Ders., De foedere civitatum hanseaticarum commentarius, 1662; Quellen zur Hanse-Geschichte, hrsg. R. Sprandel, 1982, 165-247.

Literatur: J. Marquard, Tractatus de iure mercatorum et commerciorum singulari, 1662; H. Mohnhaupt, „Jura mercatorum“ durch Privilegien, in: Wege europäischer Rechtsgeschichte, hrsg. G. Köbler, 1987, 308-23; A. Cordes, Die Erwartungen mittelalterlicher Kaufleute an Gerichtsverfahren, in: Eine Grenze in Bewegung, hrsg. A. Cordes, S. Dauchy, 2013, 39-64.
Pyre, Johan

(gest. nach dem 29.9.1455), Danziger Bürger und Kaufmann unbekannter Herkunft. Er bekleidete keine Ämter in der Stadt, ist (bislang) nur in Danziger Quellen nachgewiesen. Von ihm ist ein... mehr

(gest. nach dem 29.9.1455), Danziger Bürger und Kaufmann unbekannter Herkunft. Er bekleidete keine Ämter in der Stadt, ist (bislang) nur in Danziger Quellen nachgewiesen. Von ihm ist ein Kaufmannsbuch erhalten (1421-1455), das in Geschäfte auf Gegenseitigkeit, Verkäufe und Einkäufe gegliedert ist. Bei den Kaufnotizen verfuhr P. nach der Methode der Gegenseiten: Die Grundinformationen (Geschäftspartner, Ware, Menge, Preis) wurden auf der linken, die Details zur Entwicklung des Geschäfts (Raten und Termine) auf der rechten Seite notiert. Der Schwerpunkt seiner kaufmännischen Tätigkeit lag auf der Ost-West-Achse zwischen Riga und Flandern, dazu auch Lübeck und Vilnius. Haupthandelsgüter waren Wachs, Pelz, Tuch und Salz; neben den Warengeschäften betrieb er auch Geldgeschäfte.

Anna Paulina Orlowska

Literatur: W. Stark, Untersuchungen zum Profit beim hansischen Handelskapital in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1985, 115-30; A. P. Orlowska, Handel in einem Kaufmannsnetzwerk, in: Vertraute Ferne, hrsg. J. Mähnert, S. Selzer, 2012, 32-39.
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