Hanse­Lexikon
Herzlich willkommen auf den Seiten des HanseLexikons – dem Nachschlagewerk zur Hansegeschichte im Internet
Recherche

Buchstabe A

Ad referendum

A. („zur Berichterstattung“). Ratssendeboten verweigerten sich auf Hansetagen häufig einer verbindlichen Entscheidung mit der Begründung, ihre Vollmacht reiche nicht aus und sie müssten die Frage... mehr

A. („zur Berichterstattung“). Ratssendeboten verweigerten sich auf Hansetagen häufig einer verbindlichen Entscheidung mit der Begründung, ihre Vollmacht reiche nicht aus und sie müssten die Frage deshalb erst dem heimischen Rat vorlegen. Eine unmittelbare Rücksprache war in der Regel unmöglich, deshalb führte dies faktisch zur Vertagung der fraglichen Angelegenheit. Bei den Ladungen zu Hansetagungen wurden die Städte deshalb stets aufgefordert, ihre Ratssendeboten mit hinreichenden Vollmachten zu versehen. Umgekehrt konnten Städte, die bestimmte Entscheidungen ohne offenen Dissens herauszögern wollten, dies durch enge Vollmachten für ihre Gesandten erreichen. Diese selbst konnten das Gleiche tun, indem sie ihre eigene Vollmacht eng interpretierten. Einerseits erschwerte und verlangsamte das die Willensbildung auf den Hansetagen. Andererseits wurde durch Zustimmungen zu Beschlüssen des Hansetags unter Vorbehalt der Genehmigung des heimischen Rats der äußere Anschein von Konsens in einem Hanserezess aufrechterhalten.

Albrecht Cordes

Literatur: R. Hammel-Kiesow, Die Hanse, 5. Aufl. 2014; M. Puhle, Im Zeichen der „gemenen stede“ – Die Organisation der Hanse, in: R. Hammel-Kiesow, M. Puhle u.a., Die Hanse, 2009, 53-90; Ph. Dollinger, Die Hanse, 6. Aufl. 2012.
Ansichten der Städte / Stadtansichten

Die Ansichten zahlreicher Hansestädte sind zusammen mit denen anderer Städte zumal in den großen Städtebüchern von Hartmann Schedel, Sebastian Münster und seit 1572 in hoher Vollendung von... mehr

Die Ansichten zahlreicher Hansestädte sind zusammen mit denen anderer Städte zumal in den großen Städtebüchern von Hartmann Schedel, Sebastian Münster und seit 1572 in hoher Vollendung von Braun-Hogenberg festgehalten worden. Darüber hinaus gab es Holzschnitte und Kupferstiche nur einer Stadt, zu denen der außergewöhnliche Riesenholzschnitt von Köln (Anton Woensam, 1531) gehört, der dem von Lübeck zugrundeliegt (LUBECA URBS IMPERIALIS LIBERA CIVITATUM WANDALICARUM TOTIUS ANSAE SAXONICAE CAPUT, Elias Diebel, 1552). Ein Rarissimum stellt die Wahrhafftige Abcontrafactur der […] Hense-Stadt Rostock dar, die Vicke Schorler 1578-86 auf eine mehr als 18 m lange Bildrolle malte.

Hartmut Freytag

Literatur: Das Bild der Stadt in der Neuzeit. 1400-1800, hrsg. W. Behringer, B. Roeck, 1999.
Antwerpen

Schon im 14. und 15. Jh. trifft man auf den Jahrmärkten in A. hansische Kaufleute, denen die Stadt und der Brabanter Herzog häufig ökonomische und juristische Vergünstigungen gewährten. 1468... mehr

Schon im 14. und 15. Jh. trifft man auf den Jahrmärkten in A. hansische Kaufleute, denen die Stadt und der Brabanter Herzog häufig ökonomische und juristische Vergünstigungen gewährten. 1468 stellte A. ihnen ein – heute noch existierendes – Haus zur Verfügung. Dessen ungeachtet war damals noch nicht die Rede von einer ständigen Anwesenheit. Erst nachdem A. um 1500 Brügge endgültig als wirtschaftliches Haupt der Niederlande entthront hatte, wuchsen die hansischen Kaufleute in A. zu einer permanenten Gemeinschaft zusammen und ging man – freilich nach langen Beratungen (1514-1546) – zur materiellen Verlegung des Brügger Hansekontors über. Daraufhin erreichte der hansische Syndikus, Heinrich Sudermann (†1591), eine von den zentralen Verwaltungsbehörden verliehene Privilegienbestätigung (1562). Darüber hinaus betrieb er den Bau des neuen Hansehauses (1564-1568) und versorgte die A.er Hansekaufleute mit neuen Statuten (1569), mit denen er u. a. die Verwaltung der hansischen Gemeinschaft umbildete. Allerdings sollte die umgestaltete Version (1578) niemals eine bedeutungsvolle Rolle spielen. Aufgrund des reformatorischen Bildersturms (1566) und der spanischen Furie (1574), d. h. das Plündern und Niederbrennen A.s durch in spanischen Diensten stehende Söldnertruppen während des Achtzigjährigen Krieges (1568-1648), verweilten im Jahre 1577 nur noch drei Kaufleute des A.er Hansehauses vor Ort. Die wachsende Schuldenlast des Kontors und die Belagerung von A. (1584-1585) stellten das definitive Ende der Hanse in A. dar. 1591 legt der letzte Ältermann sein Amt nieder; 1593 brachte man das Archiv nach Köln.

Bram van Hofstraeten

Literatur: W. Evers, Das hansische Kontor in Antwerpen, 1915; K. Friedland, Die „Verlegung“ des Brüggeschen Kontors nach Antwerpen, HGBll. 81 (1963), 1-19; H. Thierfelder, Der Bestand „Hanse“ des Kölner Stadtarchivs, HGbll. 87 (1969), 77-89; F. Prims, Art. De Hansekooplieden of Oosterlingen, in: Antwerpen II, 307-09, IV, 210-40, V, 197-203, VI-A, 301-14.
Aschersleben

A.,753 erstmalig erwähnt, war seit dem 11. Jh. Münzstätte des Grafen von Ballenstedt und damit auch Marktort. A. nahm im 12. und zu Beginn des 13. Jh. einen starken wirtschaftlichen Aufschwung.... mehr

A.,753 erstmalig erwähnt, war seit dem 11. Jh. Münzstätte des Grafen von Ballenstedt und damit auch Marktort. A. nahm im 12. und zu Beginn des 13. Jh. einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. 1266 wurde A. von Heinrich II., dem Fürsten von Anhalt, das Halberstädter Stadtrecht verliehen.1326 entstand der Dreistädtebund, an dem neben  A. Halberstadt und Quedlinburg beteiligt waren. Dieser Bund, der zwei Jahre später erneuert wurde, sollte im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen vor allem mit dem eigenen Stadtherrn durch das Stellen von Truppenkontingenten Schutz bieten. 1335 treten Goslar und Braunschweig diesem Bündnis bei. 1351 wurde dieses Bündnis wiederum erneuert und um die Städte Helmstedt und Magdeburg ergänzt. Alle Städte, die an dem sächsischen Städtebündnis von 1351 beteiligt waren, galten offenbar auch ohne förmliche Beitrittserklärung als Hansestädte. Die förmliche Beitrittserklärung zur Hanse lag ohnehin in den seltensten Fällen vor. A. wird durch die Teilnahme seiner Kaufleute am hansischen Handel im Laufe des 13. Jh. in die Hanse hineingewachsen sein. A. gehörte zu den Städten, die den Sächsischen Städtebund 1382/84 auf eine breitere und stabilere Grundlage stellten. Durch die aktive Bündnispolitik erreichte A. in der ersten Hälfte des 15. Jh. seine größte Selbständigkeit vom Stadtherrn im Mittelalter. In den wichtigsten Bündnissystemen dieser Zeit war A. ein aktives Mitglied. Im großen sächsischen Bündnis von 1426, das 1427 durch die wendischen Städte, vertreten durch Lübeck und Hamburg erweitert wurde, war A. Mitglied. Auch an den drei hansischen Tohopesaten von 1443, 1447 und 1450 war A. beteiligt. Die letzte Teilnahme an einem Bündnis der sächsischen Städte kann für 1464 festgestellt werden. 1467 begann eine sich zwölf Jahre hinziehende Fehde, in deren Folge sich A. 1479 ohne militärische Auseinandersetzung dem Erzbischof Ernst von Magdeburg, der zugleich auch Administrator des Bistums Halberstadt war, unterwarf. Wenige Jahre später endete die Autonomie A., womit die Stadt de facto aus der Hanse ausschied und auch kein aktives Mitglied  im Sächsischen Städtebund mehr war. Dennoch wurde A. in einem hansischen Tohoposatenentwurf von 1494 noch als Hansestadt benannt. Erst 1518 wurde von Seiten der Hanse A. neben anderen Städten als nicht mehr zur Hanse gehörig genannt.

Matthias Puhle

Literatur: E.Eschebach, Die Beziehungen der niedersächsischen Städte (zwischen Magdeburg, Hildesheim und Erfurt) zur Deutschen Hanse bis 1477 und 1478, 1901; M.Puhle, Die Politik der Stadt Braunschweig innerhalb des Sächsischen Städtebundes und der Hanse im späten Mittelalter, 1985.
nach oben