Hanse­Lexikon
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Buchstabe D

Daenell, Ernst Robert
(geb. 28. August 1872 in Stettin, gest. 17. Dezember 1921), Sohn eines Stettiner Holzkaufmanns, promovierte 1894 bei Karl Lamprecht in Leipzig mit der Dissertation „Die Kölner Konföderation vom Jahre... mehr
(geb. 28. August 1872 in Stettin, gest. 17. Dezember 1921), Sohn eines Stettiner Holzkaufmanns, promovierte 1894 bei Karl Lamprecht in Leipzig mit der Dissertation „Die Kölner Konföderation vom Jahre 1367“. Aus der Habilitationsarbeit (Leipzig 1897) ging sein Hauptwerk „Die Blütezeit der deutschen Hanse (1370-1474)“ (2 Bde. 1905/06, Nachdrucke 1973 und 2001) hervor. Danach wandte sich D. – seit 1899 in Kiel – der Geschichte Amerikas zu, 1911 erschien „Die Spanier in Nordamerika von 1513 bis 1824“. 1913 wurde er als Ordinarius an die Universität Münster berufen. 1921 starb D. mit nur 49 Jahren.
Bernd Mütter

Literatur: B. Mütter, D. (1872-1921), HGbll. 128 (2010), 37-77.
Dänemark
Das Königreich entstand wahrscheinlich im 10. Jh. durch den Zusammenschluss der Landesteile Halland, Schonen, Bornholm, Seeland, Fünen, Jütland und der Inseln unter König Gorm dem Alten und Harald... mehr
Das Königreich entstand wahrscheinlich im 10. Jh. durch den Zusammenschluss der Landesteile Halland, Schonen, Bornholm, Seeland, Fünen, Jütland und der Inseln unter König Gorm dem Alten und Harald Blauzahn. Bis zum Beginn des 13. Jh. kamen Lister (vor 1203), Estland (1218/27-1346) und Blekinge (vor 1231) dazu. Die Herkunft des Namens, vor allem des ‘Mark’-Begriffes, ist umstritten, D. wird allerdings schon bei Ođar im 9. Jh. als Land erwähnt. Am Ende des 10. Jh. expandierte D. und umfasste zeitweise unter Knud d.Gr. in Personalunion sowohl England (bis 1042) als auch Teile Norwegens. Das gleiche geschah Ende 12. Jh. / Anfang 13. Jh., als D. die Gebiete zwischen Elbe und Elde einschließlich Hamburgs und Lübecks (Goldene Bulle von 1214), die Landschaften zwischen dem Samland und Mecklenburg einschließlich Rostocks sowie Estland (Tallinn = ‘dänische Stadt’) erwarb. Mit Ausnahme Estlands gingen diese Erwerbungen in der Schlacht von Bornhöved 1227 verloren. Die folgenden Wiedereroberungsversuche führten zum Ruin der Staatsfinanzen. D. wurde unter Pfandherren aufgeteilt, die Königsfamilie 1326-1340 exiliert und Schonen unterstellte sich der Krone Schwedens. Unter Valdemar Atterdag begann 1340 eine Phase der erneuten Sammlung, in deren Zusammenhang 1360 nicht nur Schonen, sondern 1361 auch Gotland und Visby erobert wurden. Das war einer der Auslöser für die → Kölner Konföderation (1367) und deren Kampf gegen D. Als Valdemar Atterdag 1375 ohne direkten Erben starb, ging die Königswürde an seinen norwegischen Enkel, Kronprinz Olav IV. Håkansson, über, für den dessen Mutter, Kgin. Margarethe v. Norwegen, die Regierung übernahm. Nach dem Tod von Olavs Vater 1380 wurden Norwegen und D. in Personalunion vereint (bis 1814, Kieler Frieden). Als Olav 1387 unerwartet starb, okkupierte seine Mutter mit Zustimmung der Reichsräte die Macht in Norwegen und D., 1388 schloss sich der schwedische Reichsrat an. Nach der Vertreibung des schwedischen Königs Albrecht von Mecklenburg 1389 wurden alle drei Länder unter Margarethe in der sog. Kalmarer Union (1397) vereint und Erich von Pommern 1396 nominell zum König der drei Reiche ernannt. Nach dem Sturz Erichs 1437 und der kurzen Regierung König Christophers von Pfalz-Neumarkt (von Bayern; 1437/40-1448) wählte dessen Witwe Dorothea Christian I. von Oldenburg zum neuen König. Die Oldenburger stellten seit 1448 die regierende Dynastie in D. Als Folge des Todes Christophers zerbrach die Kalmarer Union am Widerstand Schwedens und die Könige v. D. versuchten von 1448 bis 1536, eine Wiederherstellung der Union zu erreichen, was misslang. Allerdings konnten die Könige seit 1460 Schleswig und Holstein in Personalunion mit D. vereinigen (bis 1864), so dass sich deren Herrschaft bis zur Elbe erstreckte. Sie waren zudem bis 1768 nominelle Stadtherren von Hamburg. In der Nachfolgezeit verschob sich aber das Machtgefüge zugunsten Schwedens, das 1658 mit der Annexion Hallands, Schonens, Listers und Blekinges D. wichtiger Kerngebiete beraubte. In ökonomischer Hinsicht nahm D. eine fünffache Schlüsselstellung ein. Zum ersten war es aufgrund seiner geographischen Lage die Nahtstelle zwischen dem Handel im Ostseeraum und in der Westsee/Nordsee. Da eine Umschiffung des Kap Skagens gefährlich ist, wurden bis Ende 14. Jh. viele Güter auf dem Landwege zwischen den Meeren, bis Ende 13. Jh. über Schleswig, später über Lübeck, umgeschlagen. Erst mit der Weiterentwicklung der Schifffahrt seit Ausgang 14. Jh. verlor D. seine zentrale Stellung als Umschlagplatz. Zum zweiten beherrschte D. durch seine Lage die Ostseezugänge. Damit erhielt D. eine politische Rolle in der Sicherung und Offenhaltung vor allem der Belte und des → Öresunds. Zum dritten stiegen die Schonischen Messen aufgrund ihrer Lage an der Nahtstelle zwischen dem Ost-West/Nordseeraum sowie des natürlichen Reichtums an Heringen bis Ende 14. Jh. zur größten nordeuropäischen Warenmesse auf. D. war dadurch nicht nur der Heringsversorger Europas, sondern auch einer der wichtigsten Absatz- und Umschlagmärkte für Salz, Wein, Wachs und andere Produkte. Zum vierten ist D. das natürliche Hinterland der wendischen und pommerschen Seestädte, die aus D. einen Teil ihres Braugetreides und andere Lebensmittel bezogen und dort ihre eigenen Waren absetzten. Zum fünften entwickelte sich seit dem Ende des 15. Jh. die Ochsendrift zwischen Jütland u. den d. Inseln und den Niederlanden zu einem bedeutenden internationalen Wirtschaftsfaktor. In der traditionellen Hanseforschung wurde D. vor allem als “Schicksalsland der Hanse” (Fritz Rörig, Ahasvar von Brandt) betrachtet und das Augenmerk häufig auf die Kölner Konföderation und Valdemar Atterdag gerichtet. Das wird heute nicht mehr so gesehen. Statt nationaler Stereotypen wird vielmehr auf die divergierenden Interessen der einzelnen hansischen Landschaften in Hinblick auf D. hingewiesen: D. als Durchfahrtsland aus Sicht der preußischen, livländischen, zuiderzeeischen und holländischen Landschaften, D. als Einkaufs- und Absatzmarkt aus Sicht der westfälischen Landschaften und D. als eigenes Hinterland und möglicher Sperrriegel gegen Konkurrenten, vor allem gegen Holland, aus Sicht der wendischen Städte. Darüber hinaus treten die individuellen Beziehungen einzelner Persönlichkeiten, z.B. Margarethe von Norwegens mit dem stralsundischen Bürgermeister Wulf Wulflam, wie auch die regionalen Strukturen und Warenströme mehr in den Vordergrund. Weiter war die Kaufmannsschicht der dänischen Städte eng in das personelle und ökonomische Netzwerk der Hanse eingewebt, wie das Beispiel des Malmöer Kaufmanns Detlev Einbeck (Ditlev Embeke) und seines Handelsbuches zeigt.
Carsten Jahnke

Literatur: N. Hybel, B. Poulsen, Danish Resources c. 1000-1550, 2007; E. Albrectsen, K.-E. Frandsen, Konger og Krige, 700-1648, 1, 2001.
Danzig
D. (poln. Gdańsk), Stadt und Hafen an der Einmündung des Flusses Mottlau in die Weichsel. Um die Wende des 10. zum 11. Jh. entwickelte sich beim Burgwall eine Handwerkersiedlung. In der zweiten Hälfte... mehr
D. (poln. Gdańsk), Stadt und Hafen an der Einmündung des Flusses Mottlau in die Weichsel. Um die Wende des 10. zum 11. Jh. entwickelte sich beim Burgwall eine Handwerkersiedlung. In der zweiten Hälfte des 12. Jh. entstand eine Marktsiedlung an der Nikolaikirche. Der pommerellische Herzog gründete in den 20er Jahren des 13. Jh. eine Stadtgemeinde nach Lübischem Recht. 1298 bekamen die Lübecker Kaufleute vom polnischen Herzog Władysław I. Ellenlang das Recht, ein Handelskontor zu errichten. Nach der Besetzung D.s durch den Deutschen Orden 1308 wurde die lübische Stadt zum Teil zerstört. Der neue Landesherr gründete im Laufe des 14. Jh. drei neue Städte nach dem kulmischen Recht: die Rechtstadt (1342), die Altstadt (1377) und die Jungstadt (1380). Schon in der zweiten Hälfte des 14. Jh. war die Rechtstadt der wichtigste Hafen des Ordenslandes und des gesamten Weichseleinzugsgebiets. Im 15. Jh. erlangten die D.er Kaufleute eine starke Position nicht nur auf den traditionellen hansischen Märkten, sondern breiteten ihre Handelsbeziehungen bis zur französischen Atlantikküste, Iberischen Halbinsel und nach Litauen aus. Nach dem Anschluss des westlichen Teils des Ordenslandes an das Königreich Polen (1466) baute D. seinen wirtschaftlichen Einfluss auf das polnische Hinterland aus. Seit dem 15. Jh. spielten Kaufleute und Schiffer aus den Niederlanden eine immer größere Rolle in der Handelsvermittlung zwischen D. und Westeuropa. In der ersten Hälfte des 16. Jh. vollzog sich eine Verlagerung des D.er See- und Handelsverkehrs, sank die Bedeutung der wendischen Städte und wuchs die Rolle der niederländischen Nordseeküste. In dieser Zeit stieg auch die Getreideausfuhr nach Westeuropa. In der Frühen Neuzeit war D. die größte Stadt des Ostseeraumes. Im 15. Jh. vergrößerte sich seine Einwohnerzahl von ca. 20.000 auf 30.000. Für 1577 schätzt man die Bevölkerung auf ca. 40.000. Die D.er Ratssendeboten nahmen von 1361 bis 1669 an den hansischen Tagfahrten teil. Im 15. Jh. monopolisierte D. die Kontakte der preußischen Städte mit der Hanse. In allen im 16. Jh. vorgelegten Projekten bezüglich der Organisation der hansischen Strukturen tritt D. neben Lübeck, Köln und Braunschweig als eine der wichtigsten Hansestädte auf.
Roman Czaja

Literatur: P. Simson, Geschichte der Stadt Danzig, Bd. 1, 1913; Historia Gdańska [Geschichte Danzigs], 1-2, 1978-1982.
Detmar

Bedeutendster Lübecker Chronist des 14. Jhs., 1368-1380 Lesemeister im Franziskanerkloster St. Katharinen in Lübeck und noch bis 1394 als Konventuale dort nachweisbar. Den Auftrag des Rates von... mehr

Bedeutendster Lübecker Chronist des 14. Jhs., 1368-1380 Lesemeister im Franziskanerkloster St. Katharinen in Lübeck und noch bis 1394 als Konventuale dort nachweisbar. Den Auftrag des Rates von 1385 zur Fortführung der sog. Stadeschronik über 1346/1349 hinaus erfüllte er für die Jahre 1350-1386 (fortgesetzt bis 1395). Dies, sowie seine Darstellung des langwierigen Streits der Stadt und der beiden Bettelordensklöster mit der Weltgeistlichkeit unter Bischof  Burkhard von Serkem (1276-1317), verarbeitete er mit neuen Quellen zu einer Weltchronik von 1105-1386, die er nochmals für die Jahre 1101-1395 umschrieb. Überliefert sind nur Auszüge seines Schaffens bis auf die letztgenannte, in zwei Handschriften erhaltene Chronik, deren wertvollster Teil die Zeit seines eigenen Erlebens betrifft.

Antjekathrin Graßmann

Quellen: Chroniken der niedersächsischen Städte, Lübeck, 1 (1884), 195-597, und 2 (1899), 15-70 [Nachdruck 1968].

Literatur: NDB 3, S. 618f.; LexMa 3, Sp. 737; K. Wriedt, Geschichtsschreibung in den wendischen Hansestädten, in: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein, hrsg. H. Patze, 1987, S. 401-426.
Deutscher Orden

Der DO., ein geistlicher Ritter- und Hospitalorden, entstand aus einem um 1190 vor Akkon gegründeten Hospital, 1198 durch einen Ritterbruderzweig ergänzt. Die frühe Geschichtsschreibung verweist... mehr

Der DO., ein geistlicher Ritter- und Hospitalorden, entstand aus einem um 1190 vor Akkon gegründeten Hospital, 1198 durch einen Ritterbruderzweig ergänzt. Die frühe Geschichtsschreibung verweist auf die Beteiligung von Kreuzfahrern aus Lübeck und Bremen. Unter dem vierten Hochmeister Hermann von Salza (1209/10-1239) begann ein rascher Aufstieg, der 1221 zur Gleichstellung mit Templern und Johannitern führte. Trotz des fortgesetzten Engagements im Mittelmeerraum übernahm der DO. nach dem Ruf Konrads von Masowien seit 1230 auch die gewaltsame Christianisierung der (baltischen) Prußen und trat 1237 das Erbe des Schwertbrüderordens in Livland an. In Preußen gelang bis 1283 der Aufbau einer eigenen, nur mit den Bischöfen geteilten Landesherrschaft, ähnlich wie in Livland. Lübeck spielte dabei als Ausschiffungshafen für die Kreuzfahrerkontingente und für die Vermittlung von Siedlern eine zentrale Rolle. Die in Preußen gegründeten Städte erhielten Lübisches (Elbing, Braunsberg) bzw. Kulmer Recht (Kulm, Thorn, Danzig, Königsberg). Zusammen mit den livländischen Städten Riga, Reval und Dorpat wuchsen sie in die hansische Gemeinschaft hinein und nahmen mit Billigung des DO.s seit dem 14. Jh. an den hansischen Aktivitäten teil, so am hansisch-dänischen Krieg von 1367-70. Mit der Verlegung der Zentrale auf die Marienburg 1309/24 traten die Hochmeister in enge Beziehung zur Hanse und den nord- und westeuropäischen Fürsten. Insbesondere im Verhältnis zu England, Frankreich und Burgund konnte der DO. zeitweise vermitteln. Der wesentlich von preußischen Kaufleuten getragene Handel der Großschäffereien in Marienburg und Königsberg vor allem mit Getreide und Bernstein profitierte von den hansischen Privilegien. Der Widerstand der Städte und Rit-terschaften führte jedoch Mitte des 15. Jh. zum Ende der Kooperation. Das westliche Preußen mit Danzig, Kulm, Thorn und Elbing ging 1466 an Polen, 1525 wurde der Rest des DO.slandes zum Herzogtum, während sich der DO. in Livland noch bis 1561 halten konnte. Danach spielte der bis heute bestehende DO. für die Hanse keine Rolle mehr.

Jürgen Sarnowsky

Literatur: J. Sarnowsky, Der Deutsche Orden, 2012 2. Aufl.; ders., Die Hanse und der Deutsche Orden, in: Die deutsche Hanse, hrsg. G. Graichen, R. Hammel-Kiesow, 2011, S. 163-81.
Dollinger, Philippe
(geb. 01.12.1904 in Straßburg, gest. 14.09.1999 ebd.). Nach Geschichtsstudium an der Univ. Straßburg und Schuldienst, u.a. am Institut Français Berlin 1932-1934, und Promotion hatte D. von 1945-1975... mehr
(geb. 01.12.1904 in Straßburg, gest. 14.09.1999 ebd.). Nach Geschichtsstudium an der Univ. Straßburg und Schuldienst, u.a. am Institut Français Berlin 1932-1934, und Promotion hatte D. von 1945-1975 den Lehrstuhl für elsässische und deutsche Geschichte in Straßburg inne und war zugleich seit 1948-1974 Leiter des dortigen Stadtarchivs und der Stadtbibliothek. Ihm gelang eine umfassende, sachlich neutrale und bis heute gültige Darstellung der Hanse. 1964 in französischer Sprache erschienen, folgten Übersetzungen ins Deutsche, Englische, Niederländische und Polnische.
Antjekathrin Graßmann

Literatur: A. Graßmann, P.D. (Nachruf), HGbll. 119 (2001), 1-4; P. D., Die Hanse, 6. Aufl., bearb. V. Henn, N. Jörn, 2013.
Dreizehnjähriger Krieg (1454-1466)
Der D. wurde zwischen dem Deutschen Orden auf der einen und den preußischen Ständen und Polen-Litauen auf der anderen Seite geführt. Als der Preußische Bund der Ritter und Städte von Kaiser Friedrich... mehr
Der D. wurde zwischen dem Deutschen Orden auf der einen und den preußischen Ständen und Polen-Litauen auf der anderen Seite geführt. Als der Preußische Bund der Ritter und Städte von Kaiser Friedrich III. verboten wurde, sagten die Stände am 4.2.1454 dem Orden den Gehorsam auf und unterstellten sich dem polnischen König. Viele der Burgen wurden kampflos erobert und geschliffen (Thorn, Danzig, Elbing), der Orden konnte sich im östlichen Preußen halten. Ein Sieg des Ordens bei Konitz am 18.9.1454 führte zu einer zähen Verlängerung des Krieges. Erst am 19.10.1466 kam es im Zweiten Thorner Frieden zu einer Teilung des Ordenslandes. Das westliche Preußen erhielt unter dem polnischen König faktische Autonomie, was Danzigs Aufstieg ermöglichte, das östliche verblieb beim Orden. Die Hansestädte verhielten sich trotz Sympathie für die Stände neutral. Lübeck unternahm 1462 einen erfolglosen Vermittlungsversuch.
Jürgen Sarnowsky

Literatur: J. Sarnowsky, Der Deutsche Orden, 2012, 102-05; M. Biskup, Wojna trzynastoletnia z Zakonem Krzyzackim 1454-1466, 1969.
Duisburg

Ausgangspunkt der Stadtwerdung war ein am → Hellweg gelegener, fränkischer Königshof, der nach dem Normannensturm des Jahres 883 im 10. Jh. zu einer ansehnlichen Pfalz ausgebaut wurde, an die sich... mehr

Ausgangspunkt der Stadtwerdung war ein am → Hellweg gelegener, fränkischer Königshof, der nach dem Normannensturm des Jahres 883 im 10. Jh. zu einer ansehnlichen Pfalz ausgebaut wurde, an die sich Richtung Rheinhafen eine Kaufmannssiedlung anschloss. Bereits im ausgehenden 9. Jh. gab es in D. eine Niederlassung friesischer Händler. Nach neueren Forschungen erfolgte die Verlagerung des Rheinlaufs von D. weg (Rheindurchbruch bei Essenberg) nicht erst um 1200, sondern bereits im 10. Jh. Das änderte aber zunächst nichts daran, dass D.er Kaufleute im Rheinhandel zwischen Worms, Utrecht und Dordrecht aktiv waren, auch im Ostseeraum, ablesbar an der Vielzahl der salierzeitlichen D.er Pfennige, die dort gefunden wurden, und nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass der Koblenzer Zolltarif aus dem 11. Jh. für die D.er Kaufleute eine Wachsabgabe vorsah. Handelsbeziehungen bestanden darüber hinaus nach Holland und Flandern. 1173 richtete Friedrich Barbarossa in D. zwei Tuchmessen für flandrische Kaufleute ein. Bis weit ins 14. Jh. hinein war der Handel entscheidend für die Entwicklung der Stadt, die 1290 an die Grafen von Kleve verpfändet worden war. Die wichtigsten Handelsgüter waren Wein und Holz stromabwärts, Salz und Fisch stromaufwärts. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jhs. ging jedoch die Bedeutung des Handels zurück. In diese Zeit fielen die Bemühungen D.s um die förmliche „Wieder“Aufnahme in die Hanse, die 1407 gemeinsam mit  → Zwolle und → Wesel erfolgte. Seitdem war D. fest in die hansischen Strukturen eingebunden und mit eigenen Matrikularbeiträgen nachweislich an den Tohopesaten 1430, 1447, 1450/51 und 1494 beteiligt. Auf gesamthansischen Tagfahrten war D. mit eigenen Ratssendeboten allerdings nur selten vertreten (zuletzt 1564), besandte aber mit großer Regelmäßigkeit die Kölner Drittelstage, von denen einige in D. selbst stattfanden. Seit der Mitte des 16. Jhs. mehrten sich die Zweifel an der Zweckmäßigkeit der Zugehörigkeit zur Hanse, zumal die eigenen Kaufleute von den hansischen Privilegien keinen Gebrauch mehr machten und die zunehmenden Kontributionsforderungen als unzumutbar empfunden wurden. Vor einem förmlichen Austritt schreckte der Rat jedoch zurück. Den letzten Hansetag besandte D. zwar nicht selbst, ließ sich aber ausdrücklich von Köln vertreten.

Volker Henn

Literatur: J. Milz, Geschichte der Stadt Duisburg, Bd. 1, 2013; J. Milz / H.-G. Kraume, Duisburgs Entwicklung als Handels-, Hanse- und Hafenstadt, in: Duisburg und der Rhein, hrsg. von der Stadt Duisburg, 1991, S. 47-62; R. Rößner, Zur Frage der Zugehörigkeit Duisburgs zur Hanse, in: Hansekaufleute in Brügge, T. 4: Beiträge der Internationalen Tagung in Bügge April 1996, hrsg. von N. Jörn u. a., 2000, S. 337-39.
Düna

D. (lett. Daugava). Mit 1020 km Länge gehört die D. zu den größten Flüssen im östlichen Teil des Ostseeraumes. Trotz einiger Stromschnellen entwickelte sich der Fluss schon im Mittelalter zur... mehr

D. (lett. Daugava). Mit 1020 km Länge gehört die D. zu den größten Flüssen im östlichen Teil des Ostseeraumes. Trotz einiger Stromschnellen entwickelte sich der Fluss schon im Mittelalter zur wichtigen Verkehrs- und Handelsader. Die Grundlage für den sicheren Handel auf der D. bildete der Vertrag von 1229, den die niederdeutschen Kaufleute gemeinsam mit der Stadt und dem Bischof von → Riga mit dem Fürsten von Smolensk abschlossen. Er garantierte den deutschen wie den russischen Händlern „freie Fahrt“. Dank der beherrschenden Stellung an der Mündung des Flusses, der andauernden Dominanz in der hansischen Niederlassung in Polozk und der Hemmung der Ostseeschifffahrt der Russen zogen den größten Vorteil aus dem Handel auf der D. die Rigaer Kaufleute. Die Rolle einer Zwischenstation im D.handel spielte die Hansestadt → Kokenhusen.

Ilgvars Misāns

Literatur: H. G. v. Schroeder, Der Handel auf der Düna im Mittelalter, HGbll. 23 (1917), 23-156.
Durchfuhr
Vor allem in der Spätzeit der Hanse strebten die Kaufleute die unbehinderte D. von Waren durch Städte auf dem Wege zum Abnehmer an. Das Vorkaufsrecht von Kaufleuten und das Stapelrecht in den... mehr
Vor allem in der Spätzeit der Hanse strebten die Kaufleute die unbehinderte D. von Waren durch Städte auf dem Wege zum Abnehmer an. Das Vorkaufsrecht von Kaufleuten und das Stapelrecht in den berührten Städten standen dem häufig entgegen. Hamburg und Lübeck waren wegen ihrer Schlüsselstellung im Ost-West-Verkehr am stärksten von D. belastet. Hier waren die einheimischen Kaufleute häufig nur noch „Spediteure“, die die Waren bei der D. betreuten. Zölle und Abgaben blieben von der D. unberührt.
Hans-Jürgen Vogtherr

Literatur: H.-J. Vogtherr, Hamburger Faktoren von Lübecker Kaufleuten des 15. und 16. Jahrhunderts, ZVLGA 73 (1993), 39-138
Düsseldorf

Die an der Mündung der Düssel in den Rhein gelegene Fischersiedlung wurde 1288 zur Stadt erhoben, blieb aber noch lange eine kleine, agrarisch geprägte und wirtschaftlich wenig bedeutsame... mehr

Die an der Mündung der Düssel in den Rhein gelegene Fischersiedlung wurde 1288 zur Stadt erhoben, blieb aber noch lange eine kleine, agrarisch geprägte und wirtschaftlich wenig bedeutsame Landstadt. Maßnahmen zur Förderung der wirtschaftlichen Infrastruktur D.s seitens der Landesherren im 14. und 15. Jh. zeigten wenig Wirkung. Fernhandelsbeziehungen D.er Kaufleute lassen sich quellenmäßig nicht belegen, auch wenn vereinzelt D.er Schiffer an den Zollstellen in Lobith und Nimwegen erwähnt werden. Ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte erst im 16. Jh. mit dem Ausbau D.s zur Residenz- und Festungsstadt der vereinigten Herzogtümer Kleve-Jülich-Berg sowie der Grafschaften Mark und Ravensberg ein. Hansestadt ist D. nie gewesen; die von Köln im Zusammenhang mit dem Brügger Schossstreit 1469/70 zur Unterstützung der eigenen Position initiierte Stellungnahme D.s und weiterer bergischer „Hansestädte“ wurde vom Brügger Kontor umgehend zurückgewiesen, mit der Begründung, dass die Städte unbekannt seien. Auch ein Versuch des klevischen Herzogs, die Hanse 1554 dazu zu bewegen, die angeblich „althansischen“ bergischen Städte wieder als Hansestädte anzuerkennen, blieb erfolglos.

Volker Henn

Literatur: Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, hrsg. H. Weidenhaupt, Bd. 1, 1988 (darin E. Wisplinghoff, Mittelalter und frühe Neuzeit, bes. 223-31); F.-W. Henning, Düsseldorf und seine Wirtschaft. Zur Geschichte einer Region, Bd. 1, 1981; Rhein. Städteatlas, Lfg. XX, Nr. 100: Düsseldorf, bearb. K. Müller, 2015.
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