Hanse­Lexikon
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Buchstabe K

Kalkar

Die 1230 von dem Grafen Dietrich VI. von Kleve gegründete Stadt erhielt um 1242 Stadtrechte; das erste erhaltene Stadtrechtsprivileg stammt allerdings erst aus dem Jahre 1347. Im 15. Jh. erlebte K.... mehr

Die 1230 von dem Grafen Dietrich VI. von Kleve gegründete Stadt erhielt um 1242 Stadtrechte; das erste erhaltene Stadtrechtsprivileg stammt allerdings erst aus dem Jahre 1347. Im 15. Jh. erlebte K. dank eines relativ leistungsfähigen Tuchgewerbes, dessen Produkte auch auf auswärtigen Märkten Absatz fanden, und eines umfangreichen Getreidehandels eine wirtschaftliche Blüte. Im Fernhandel lassen sich Kaufleute aus K. nur selten nachweisen, und auch in hansischen Zusammenhängen ist K. nie hervorgetreten. Wie → Rees gehörte K. zu den klevischen Städten, die 1540 von Wesel in die Pflicht genommen wurden, dessen Aufwendungen zugunsten der Hanse (und des Reiches) angemessen mitzutragen, und 1554 auf Drängen Wesels noch einmal erklärten, bei der Hanse bleiben und sich von Wesel vertreten lassen zu wollen. Aber es gab keine hansischen Interessen, die Wesel hätte vertreten können, und so trat die Stadt schon 1572 angesichts steigender Kontributionsforderungen wieder aus der Hanse aus.

Volker Henn

Literatur: U. J. Diederichs, Die spätmittelalterliche Hanse und ihre Städteorganisation. Kalkar – eine Hansestadt?, in: Die Stadt im Mittelalter. Kalkar und der Niederrhein, hrsg. von G. Kaldewei, 1994, S. 175-83; K. Flink, Die klevischen Herzöge und ihre Städte (1394-1592), in: Land im Mittelpunkt der Mächte. Die Herzogtümer Jülich, Kleve, Berg, 3. Aufl. 1985, S. 75-98; ders., Klevische Städteprivilegien (1241-1609), 1989, S. 152-79; Rhein. Städteatlas, Lfg. XIV, Nr. 76: Kalkar, bearb. von M. Wensky, 2001.
Kalmar

K. ist eine schwedische Handelsstadt im südöstlichen Småland am K.sund und dem Übergang zur Insel Öland, 40 km nördlich der mittelalterlichen schwedisch-dänischen Grenze. Der Name K. bedeutet wohl... mehr

K. ist eine schwedische Handelsstadt im südöstlichen Småland am K.sund und dem Übergang zur Insel Öland, 40 km nördlich der mittelalterlichen schwedisch-dänischen Grenze. Der Name K. bedeutet wohl steinige Insel und stammt aus dem 6. Jh. Aufgrund der Lage im Grenzbereich, dem Übergang nach Öland sowie an dem im Hochmittelalter stark befahrenen K.sund entwickelte sich K. nicht nur zu einer Stadt, sondern auch zu einer wichtigen Reichsfestung. Für die Stadt ist kein Gründungsdatum bekannt. Der Ort wird 1228 erstmals von Snorri Sturlason erwähnt und erhielt 1243 ein Dominikanerhaus. 1243 siegeln erstmals Schlossvogt und Rat von K. zusammen einen Brief an Lübeck mit dem Stadtsiegel. Der Rat von K. bestand nach schwedischem Recht aus Schweden und Deutschen und es ist ein hoher Anteil Niederdeutsch sprechender Kaufleute und Schiffer in der Stadt nachzuweisen, auch wenn deren Bedeutung umstritten ist. Die Stadt diente zum einen als Ausfuhrhafen für småländisches Eisen sowie die Wald- und Agrarprodukte Smålands, vor allem Butter, vor allem aber auch als günstig gelegener Treffpunkt. Die Stadt besaß eine enge Anbindung an die Hanse (HR I.1., Nr. 321 § 12), und es wurde dort Pfundzoll erhoben. Die Stadt nahm zudem u.U. an einigen wenigen Hansetagen teil. Stadt und Burg waren Austragungsort wichtiger innen- und außenpolitischer Verhandlungen, u.a. wurde hier 1397 die K.er Union gegründet, und standen häufig im Zentrum kriegerischer Auseinandersetzungen. Die Quellenlage zur Wirtschaftsgeschichte K.s ist desperat, allerdings existiert ein Stadtbuch, K. Stads Tänkebok, Dit is des stades kalmeren denkebook, welches von 1381-1384 in Niederdeutsch, 1402-1421 in Latein und 1421-1490 auf Schwedisch verfasst ist.

Carsten Jahnke

Literatur: N. Blomkvist, The Discovery of the Baltic, 2005; D. Selling, Kalmar, 1984; N. Blomkvist, Kalmars uppkomst och äldsta tid, in: Kalmar Stads historia, I, hrsg. Ingrid Hammarström, 1979; C. Weibull, Lübecks sjöfart och handel på de nordiska rikena 1368 och 1398-1400, in: Scandia XXXII (1966); W. Koppe, Das mittelalterliche Kalmar, HGBll. 67-68 (1942/43), 192-221 (mit Einschränkungen).
Kaperkrieg

Seit der Formierung des frühmodernen Staates mit seinem Anspruch auf Souveränität und Monopolisierung der Gewalt lassen sich auf See idealtypisch zwei Formen der Ausübung von Gewalt unterscheiden:... mehr

Seit der Formierung des frühmodernen Staates mit seinem Anspruch auf Souveränität und Monopolisierung der Gewalt lassen sich auf See idealtypisch zwei Formen der Ausübung von Gewalt unterscheiden: der auf materiellen Ertrag zielende, unregulierte „Seeraub“, und die durch eine Herrschaftsinstanz ausdrücklich legitimierte und kontrollierte Kriegsführung durch kommerzielle „Kaperfahrer“ („Auslieger“). Während sich die konzeptionelle Unterscheidung von pirateria und corso im Mittelmeer schon seit dem 13. Jh. greifen lässt, setzt sie sich im nordeuropäischen Raum erst im 15. Jh. durch. In beiden Räumen blieb sie im konkreten Anwendungsfall stets Aushandlungssache. Dabei unterschieden sich offene Piraterie und Kaperfahrt durchaus in Ausmaß und Grad der Gewaltanwendung. Schriftliche Lizenzen zur Kaperfahrt sind im Mittelmeerraum und in Westeuropa schon im 14. Jh. überliefert, im Hanseraum nicht vor der Mitte des 15. Jh. Der K. entwickelt sich hier aus dem allgemeineren Rechtsanspruch auf Selbsthilfe. Ließ sich ein Konflikt nicht mehr schiedlich lösen, so griffen auch Kaufleute und Schiffer zur Gewalt, verwendeten dafür vielfach die Regularien der Fehde (dreifache Warnung an den Gegner, schriftliche Absage, Warnung an Unbeteiligte, Fristwahrung, etc.), erhielten von ihrer Obrigkeit manchmal eine Genehmigung zur Schadloshaltung (Markebrief) und engagierten für die Ausführung bei Bedarf Helfer („Freunde“, „Diener“, Helfer“), die sie aus dem Ertrag möglicher Beutenahme entlohnten. Nachdem eine fristgerechte Warnung an die Unbeteiligten erfolgt war („Warschau“), war jedes Schiff, das im Kampfgebiet angetroffen wurde, auf eigene Gefahr unterwegs. Unbeteiligte als „neutral“ zu schonen, wurde daher, anders als vielfach in der Literatur angenommen, frühestens ab dem 16. Jh. üblich. Voraussetzung dafür war die seit dem 14. Jh. nachweisbare möglichst präzise Untersuchung von Herkunft, Besitzverhältnissen, Fahrtziel und Ladung eines angetroffenen Schiffes durch die jeweiligen Auslieger. Diese wiederum setzte ein gewohnheitsrechtliches Verfahren der Prisennahme auf See voraus. Die Praxis der Gewalt auf See hat daher wenig mit populären Vorstellungen von ungehemmter Brutalität gemein. Von der obrigkeitlichen Requirierung von Schiffen und Zwangsrekrutierung ihrer Besatzungen über die Anwerbung von Helfern für den Krieg und die Arrestierung von Gütern im Zuge von Handelsblockaden bis hin zur kaufmännischen Repressalie gegen vertragsbrüchige Geschäftspartner gab es eine Vielzahl von Legitimationsmöglichkeiten für die gewaltsame Wegnahme von Gütern, Schiffen und Personen. Die erhaltenen Quellen verdecken diese potentiellen Hintergründe, weil sie in aller Regel die Sicht der Kläger wiedergeben, welche Schadensersatz erlangen wollten.

Gregor Rohmann

Literatur: K.-H. Böhringer, Das Recht der Prise gegen Neutrale, Frankfurt am Main 1972; A. Kammler, Up eventur, Untersuchungen zur Kaperschifffahrt, St. Katharinen 2005; G. Rohmann: Wegnehmen, Verhandeln, Erstatten. Politischer Alltag im Hanseraum um 1400, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 65 (2014), H. 9/10, S. 574-85.
Kaufmannsbriefe

K. waren das gebräuchlichste Kommunikationsmittel im hansischen Netzwerkhandel. Nach der kommerziellen Revolution (Hammel-Kiesow) am Übergang vom 13. zum 14. Jh. begleiteten die Kaufleute ihre... mehr

K. waren das gebräuchlichste Kommunikationsmittel im hansischen Netzwerkhandel. Nach der kommerziellen Revolution (Hammel-Kiesow) am Übergang vom 13. zum 14. Jh. begleiteten die Kaufleute ihre Waren nicht mehr, sondern regelten ihre Geschäfte durch K. vom heimischen Kontor aus. Zur Information ihrer Geschäftspartner an anderen Orten sandten die Kaufleute unablässig K. aus und erwarteten das gleiche von ihren Partnern. Die K. hatten drei Funktionen, die sich in  ihrem Aufbau widerspiegeln: 1. sie beinhalteten Informationen über die allgemeine Marktlage vor Ort, 2. Informationen über zuletzt versandte oder empfangene Waren, und 3. allgemeine Informationen, tidinge (daraus: Zeitungen), die das Marktgeschehen irgendwie beeinflussen konnten, so Gesellschaftsklatsch, Kriegsereignisse oder Naturkatastrophen. Erst mit der Auflösung der hansischen. Netzwerkstrukturen im 16. Jh. veränderten sich die K. von öffentlichen zu internen Geschäftsbriefen. Gleichzeitig wurden die K. durch  Zeitungen und Börseninformationen ersetzt.

Carsten Jahnke

Literatur: G. Fouquet, ‘Vom Krieg hören und schreiben’. Aus den Briefen an den Lübeck-Nürnberger Kaufmann Matthias Mulich (1522/1523), in: Geschichtsbilder, hrsg. T. Stamm-Kuhlmann, J. Elvert, u.a., 2003, 168-87; C. Jahnke, Politische Nachrichten aus Lübeck aus den Jahren 1531 bis 1535, ZVLGA 79 (1999), 119-45; M. Lindemann, Nachrichtenübermittlung durch Kaufmannsbriefe, 1978.
Kaufschatz

K. ist regulär, auf unverdächtigem Wege rechtmäßig erworbene Handelsware, die also nicht zum eigenen Konsum, sondern zum Weiterverkauf bestimmt ist. Der Besitz von K. weist den Inhaber als Kaufmann... mehr

K. ist regulär, auf unverdächtigem Wege rechtmäßig erworbene Handelsware, die also nicht zum eigenen Konsum, sondern zum Weiterverkauf bestimmt ist. Der Besitz von K. weist den Inhaber als Kaufmann bzw. -frau aus. Frauen dürfen nach lübischem Recht, falls sie K. haben, ohne Vormund kaufen und verkaufen, Güter verpfänden und Bürgschaften übernehmen, müssen dafür aber auch für ihre Versprechen einstehen: So wat se loven dat scholen se gelden (Art. 22 der Ratshandschrift des lübischen Rechts, 1270/1282).

Albrecht Cordes

Quellen: Das mittelniederdeutsche Stadtrecht von Lübeck nach seinen ältesten Formen, hrsg. G. Korlén, 1951, Art. 22.

Literatur: Deutsches Rechtswörterbuch VII, 652f.
Kleidung

Zu keiner Zeit gab es innerhalb der Hanse einen speziellen Stil in der K. Die Bewohner der Städte folgten den für die jeweilige Zeit und ihr regionales Umfeld typischen Gewohnheiten: von den... mehr

Zu keiner Zeit gab es innerhalb der Hanse einen speziellen Stil in der K. Die Bewohner der Städte folgten den für die jeweilige Zeit und ihr regionales Umfeld typischen Gewohnheiten: von den anfänglichen Gewandformen im schlichten Tunikaschnitt, der für die unteren Sozialschichten und im Arbeitsalltag vorherrschend blieb, bis zu den differenzierteren Obergewändern des Spätmittelalters und den raffinierten franko-italienischen Moden seit dem 15. Jh. Unterschiede zeigten sich, wie überall, zwischen den Sozialschichten. Prägend für die Bekleidung aller Schichten war ein bürgerliches Selbstverständnis, das als Gegensatz zu den Gebräuchen des Adels in den Predigten und Luxusordnungen propagiert wurde. Durch die internationalen Handelsbeziehungen waren jedoch alle textilen Materialien, Edelmetalle, Fertigungstechniken und Kenntnisse neuer Trends verfügbar, so dass die wohlhabenden Oberschichten zu Repräsentationszwecken zunehmend höfische Moden nachahmten, was in den → Hanserezessen wiederholt gerügt wurde.

Gisela Jaacks

Literatur: G. Jaacks, Bekleidung in den Hansestädten, in: Die Hanse – Lebenswirklichkeit und Mythos, hrsg. J. Bracker u.a., 4. Aufl. 2006, 543-47.
Kock, Reimar

(geb. in Wismar, gest. 16.06.1569 in Lübeck). Nach Erziehung in Lübeck, Studium seit 1516 an der Universität Rostock und Mönchsleben in Schwerin und Lübeck schloss er sich der Reformation an, über... mehr

(geb. in Wismar, gest. 16.06.1569 in Lübeck). Nach Erziehung in Lübeck, Studium seit 1516 an der Universität Rostock und Mönchsleben in Schwerin und Lübeck schloss er sich der Reformation an, über die er 1529-1531 als Augenzeuge berichtete. 1532-1554 Schiffsprediger, anschließend Pastor an St. Petri in Lübeck und Verfasser einer lübeckischen Chronik, deren erste beiden Bände von den Anfängen bis 1499 auf älteren Quellen basieren, deren 3. Band 1500-1549 er jedoch aufgrund eigener Anschauung verfasste. Gotthard v. Höveln († 1604) setzte sie bis 1567 fort.

Antjekathrin Graßmann

Literatur: A. Bruns, Art. R.K., in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck 12, 2006, 266-69.
Kokenhusen

(lett. Koknese). Am Anfang des 13. Jh. entstand am rechten Ufer der Düna die Burg des Rigaer Bischofs/Erzbischofs (seit 1255) mit einer eingezäunten Siedlung (Hakelwerk), die 1277 (?) Rigisches... mehr

(lett. Koknese). Am Anfang des 13. Jh. entstand am rechten Ufer der Düna die Burg des Rigaer Bischofs/Erzbischofs (seit 1255) mit einer eingezäunten Siedlung (Hakelwerk), die 1277 (?) Rigisches Stadtrecht erhielt (Bürgermeister erwähnt 1350). Mitglied der Hanse (erwähnt 1405, 1434-1435), unterstand die Stadt dem Rigaer Erzbischof. Sie lag auf dem wichtigen Dünaweg nach Polozk, belegt sind ihre Handelsbeziehungen zu Lübeck. Sie besaß eine Stadtmauer (erwähnt 1277), Kirche (erwähnt 1326) und Franziskanerkloster (gegründet am Anfang des 16. Jh.). Seit Ende des 15. Jh. Niedergang der Stadt, im 17. Jh. ganz zerstört.

Pawel Jeziorski

Literatur: Privilegia der Stadt K., in: Mittheilungen aus dem Gebiete der Geschichte Liv-, Est- und Kurlands, 1,1, 1837, 131-64; C. Mettig, Baltische Städte, 2. Aufl. 1905, 365-72.
Kölner Konföderation

Im Sommer 1361 hatte der dänische König Waldemar Atterdag Gotland überfallen und Visby niedergebrannt, nachdem er bereits ein Jahr zuvor Schonen zurückerobert und die hansischen Privilegien in... mehr

Im Sommer 1361 hatte der dänische König Waldemar Atterdag Gotland überfallen und Visby niedergebrannt, nachdem er bereits ein Jahr zuvor Schonen zurückerobert und die hansischen Privilegien in Frage gestellt hatte. Eine Versammlung wendischer und preußischer Städte hatte daraufhin neben einer Handelssperre auch ein militärisches Vorgehen gegen Dänemark beschlossen, das aber einen für die Städte unglücklichen Verlauf nahm. Zwar war es der Hanse gelungen, einen für sie günstigen Waffenstillstand, 1365 auch einen Friedensvertrag auszuhandeln, aber die Spannungen waren damit nicht beigelegt. Im November 1367 trafen sich daher in Köln Ratssendeboten der Städte Lübeck, Rostock, Stralsund und Wismar, Kulm, Thorn und Elbing sowie Kampen, Harderwijk, Elburg, Amsterdam und Brielle und besiegelten das als K. K. bekannte Kriegsbündnis gegen Waldemar Atterdag und den norwegischen König Håkon. Festgelegt wurden die Anzahl der Schiffe und der Bewaffneten, die von den Verbündeten bereitgestellt und ausgerüstet werden sollten (wobei auch das Kontingent der in Köln nicht vertretenen livländischen Städte, die den Bündnisvertrag erst im Juni 1368 ratifizierten, festgesetzt wurde), und weitere für die Kriegsführung wichtige Maßnahmen. Zusätzliche Regelungen betrafen die Höhe und die Modalitäten des –> Pfundzolls, der zur Finanzierung des Krieges erhoben werden sollte; beschlossen wurden darüber hinaus Sanktionen gegen Mitglieder, die gegen Bestimmungen des Bündnisvertrages verstoßen sollten. Zur Koalition gegen Dänemark und Norwegen gehörten auch der schwedische König, die Herzöge von Mecklenburg, die Grafen von Holstein sowie andere adelige Herren aus der Region, deren Kriegsziele aber nicht deckungsgleich mit denen der hansischen Städte waren, denen es ausschließlich um die Wiederherstellung ihrer Privilegien in Dänemark ging. Die Kriegshandlungen begannen im April 1368; in schneller Folge wurden Kopenhagen und zahlreiche Städte und Burgen in Schonen (Sundschlösser) erobert. Als schließlich auch Helsingborg im September 1369 fiel, waren Friedensverhandlungen mit dem dänischen Reichsrat bereits aufgenommen worden, die im Mai 1370 zu dem für die Hanse überaus vorteilhaften –> Stralsunder Frieden führten.

Volker Henn

Literatur: J. Götze, Von Greifswald bis Stralsund. Die Auseinandersetzungen der deutschen Seestädte und ihrer Verbündeten mit König Valdemar von Dänemark 1361-1370, in: HGbll. 88 (1970), 83-122; K. Fritze, G. Krause, Seekriege der Hanse, 1989, 118-31; V. Henn, Zur Haltung der binnenländischen Hansestädte in de
Kölner Recht

Die Stadt → Köln ist eine römische Gründung, die während des gesamten Mittelalters besiedelt war. Sie zählt somit zu den gewachsenen Städten, von denen keine Gründungsurkunde existiert. Auch die... mehr

Die Stadt → Köln ist eine römische Gründung, die während des gesamten Mittelalters besiedelt war. Sie zählt somit zu den gewachsenen Städten, von denen keine Gründungsurkunde existiert. Auch die Überlieferung des Stadtrechts im Hoch- und Spätmittelalter ist dürftig: Aufzeichnungen des Stadtrechts – wie in → Lübeck oder → Soest – fehlen bis zum 14. Jh. Der Verbundbrief von 1396 erhellt die organisatorische Struktur der Stadt. Diese aus Zunftunruhen hervorgegangene Verfassung blieb mit einigen späteren Modifikationen (zum Beispiel durch den Transfixbrief 1513) bis zur Eroberung durch Frankreich 1796 bestehen. Darüber hinaus geben die Statuten von 1437 einen Einblick in das gerichtliche Verfahrensrecht, aber auch in das Ehegüter- und Erbrecht. In wirtschaftlicher Hinsicht ist in Köln nicht nur das Institut der Erbleihe von Bedeutung, sondern das gilt auch für die Schreinsbücher, in denen ab ca. 1130 grundstücksbezogene Rechtsgeschäfte niedergeschrieben wurden.

 Dem nur spät und eher fragmentarisch zu erschließenden K. R. steht eine rege Debatte zur Verbreitung und Bedeutung dieses Stadtrechts gegenüber. Während es im 19. Jh. noch als "Hauptmutterrecht" für alle Stadtrechte Deutschlands galt, nahm man um 1900 eine nur marginale Bedeutung des K. R.s an. Nach einer intensiven Diskussion in den 1950er und 1960er Jahren lässt sich als Forschungsstand nun festhalten, dass sich zwar einige rheinische Städte wie Deutz, Neuss und Siegburg bei Rechtsfragen an Köln wandten, der Einfluss des K. R.s jedoch ansonsten eher gering blieb: Weder lässt sich der Verweis im Stadtrecht von Freiburg im Breisgau, demzufolge Streitigkeiten nach dem Recht aller Kaufleute, vor allem der Kölner, zu entscheiden seien (1120?: pro consuetudinario et legittimo iure omnium mercatorum, precipue autem Coloniensium, Tennenbacher Lagerbuch, Art. 5) als ein stadtrechtliches Filiationsverhältnis interpretieren, noch sind weitergehende Übernahmen im → Soester Recht nachzuweisen. Damit bleibt aber auch der möglicherweise über das Soester Recht vermittelte Einfluss in den Hanseraum (→ Lübisches Recht) im Dunkeln. Inwiefern einige mündlich tradierte kaufmännische Rechtsgewohnheiten auf das K. R. zurückgehen, ist wohl nicht mehr zu entscheiden. Insgesamt erschweren das Fehlen hoch- und spätmittelalterlicher Aufzeichnungen sowie die vielschichtige Forschung eine abschließende Beurteilung der Bedeutung des K. R.s für die hansische Rechtsgeschichte.

Stephan Dusil

Quellen: Elenchus Fontium Historiae Urbanae, vol. 1, Leiden 1967, bes. S. 87.

Literatur: G. Wegener, Zur Verbreitung des Kölner Stadtrechts, in: Köln, das Reich und Europa, hrsg. H. Stehkämper, 1971, 173-212; G. Schulz, Der Verbundbrief. Konzeption und Krisen der Kölner Stadtverfassung von 1396 bis zur französischen Zeit 1796/97, in: Geschichte in Köln 40 (1996), 5-29; U. Heppekausen, Die Kölner Statuten von 1437. Ursachen, Ausgestaltung, Wirkungen, 1999.
Konkurs

K. ist der Wortbedeutung nach das Zusammenlaufen (von lat. concurrere)der Gläubiger. Seit dem 13. Jh. finden sich in hansischen Stadtrechten Regeln über die Quotelung des verbliebenen Vermögens... mehr

K. ist der Wortbedeutung nach das Zusammenlaufen (von lat. concurrere)der Gläubiger. Seit dem 13. Jh. finden sich in hansischen Stadtrechten Regeln über die Quotelung des verbliebenen Vermögens eines flüchtigen oder verstorbenen Schuldners, eine Abwendung von dem Prioritätsprinzip‚ dem sprichwörtlichen „Wer kommt zuerst, mahlt zuerst“. Allenfalls ein Gläubiger, der dem entwichenen Schuldner nachsetzte und ihn oder seine Güter zurückbrachte, konnte vorzugsweise Befriedigung verlangen. Häufig begegnet eine Jahresfrist, innerhalb derer Forderungen angemeldet werden mussten, um Berücksichtigung zu finden.

Albrecht Cordes

Literatur: Ch. Becker, Art. Konkurs, Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2. Aufl. 2013, 99-104.
Korporationen

K. waren freiwillige, auf Dauer angelegte Zusammenschlüsse, die das Recht besaßen, Versammlungen abzuhalten, und deren Mitglieder sich durch Eid oder Gelöbnis gegenseitig Schutz und Hilfe zusagten.... mehr

K. waren freiwillige, auf Dauer angelegte Zusammenschlüsse, die das Recht besaßen, Versammlungen abzuhalten, und deren Mitglieder sich durch Eid oder Gelöbnis gegenseitig Schutz und Hilfe zusagten. Sie wählten ihre Vorstände selbst, fassten Beschlüsse, welche die Gemeinschaft betrafen, und verfügten über ein eigenes Satzungsrecht. Um die Normen innerkorporativen Lebens durchzusetzen, übten die Vorstände die innere Gerichtsbarkeit aus. Nach der mittelalterlichen Lehre waren K. – so auch die Stadt – juristische Personen und konnten somit Rechtsgeschäfte vornehmen, Vermögen erwerben sowie Darlehen vergeben oder aufnehmen. Totenfolge und Memoria, Heiligenverehrung sowie Speise- und Trinkgemeinschaft (convivium) ergänzten das allgemeine Erscheinungsbild der K. Berufliche oder andere Zielstellungen sorgten für ihre spezielle Ausrichtung. Im hansischen Raum werden vor allem Amt, Bruderschaft, Gilde, Innung und Kompanie, aber auch Bank, Gaffel, Lehen und Gewerk in den Quellen genannt. Durch die Vielfalt der Bezeichnungen und die unterschiedliche Zwecksetzung der K. ist es problematisch, die Vereinigungen in Kategorien einzuteilen. Zum Beispiel waren Bruderschaften oft auf Fürsorge und Seelsorge ausgerichtet und stellten somit eine Ergänzung zu Gilde und Zunft als säkularen Vereinigungen der Kaufleute und Handwerker dar. Andererseits konnten fraternitates berufsständische Gemeinschaften sein, die wirtschaftliche, rechtliche und politische Zielstellungen verfolgten. Diese K. waren von ihrem Wesen her identisch mit Gilde und Zunft. Beide Begriffe sind sowohl Quellen- als auch Forschungstermini: Der Quellenbegriff Gilde benennt Gemeinschaften sowohl der Kaufleute als auch der Handwerker, der Forschungsbegriff zielt nur auf die Genossenschaften der Kaufleute. Die hansischen Quellen nennen Amt, Gilde, Innung, Lehen und Gewerk als Bezeichnungen für Genossenschaften der Handwerker. Zunft spielt als Quellenterminus bis in die Neuzeit im Hanseraum keine Rolle, wird in der Literatur aber als Ordnungsbegriff für Vereinigungen der Handwerker verwendet.

I. Wirksamkeit und Aufgaben.

Genossenschaftliche Organisationsformen prägten wesentlich das Leben auch in Hansestädten. In westfälischen, sächsischen und livländischen Gemeinwesen waren Gilden neben dem Rat ständische K. und sicherten zumindest der Kaufmannschaft die Teilhabe am Stadtregiment. Die Monopolgesellschaften der Gewandschneider nahmen, wie in Stralsund und den sächsischen Kommunen, ebenfalls Einfluss auf die städtische Politik. Die meisten Fahrtrichtungsgenossenschaften der Kaufleute entstanden seit dem 14. Jh. Sie entwickelten sich zu Gegenstücken der hansischen Kontore und Niederlassungen. Zugleich waren sie Interessenvertretungen ihrer Mitglieder. Den Gemeinschaften der Linienfahrer folgten im 15./16. Jh. jene der Schiffer. Nicht zuletzt besaßen die Ratskollegien korporativen Charakter. Ebenfalls seit dem 14. Jh. gründeten Gesellen, Träger und Bootsleute eigene genossenschaftliche Organisationsformen. Die K. erfüllten verschiedene Aufgaben. Dazu gehörte bei den berufsständischen Genossenschaften die Sicherung gleicher Erwerbsbedingungen für ihre Mitglieder. Eine Gleichheit der Einkommens- und Vermögensverhältnisse war mit dieser Zielstellung jedoch nicht verbunden. Vereinigungen wie die Schützengilden widmeten sich der militärischen Ausbildung der Bürger. Die Elenden- und Spitalbruderschaften waren Teil des städtischen Systems sozialer Fürsorge für Fremde, Kranke und Sieche. Die Vereinigungen der Schiffer und Bootsleute verfolgten unter anderem karitative Ziele und fungierten gelegentlich als Wechselbanken für den Eigenhandel ihrer Mitglieder. Verschiedentlich schlossen sich Vertreter der städtischen Eliten in exklusiven K. wie der → Zirkelgesellschaft in Lübeck und der Kölner Richerzeche zusammen.

II. Entwicklungen im 16. und 17. Jh.

 Infolge der Reformation wurden viele religiöse Bruderschaften allmählich aufgelöst. Ihr Vermögen ging in das Eigentum der Städte über, die es für karitative Zwecke und das Schulwesen einsetzten. Andere K. bestanden unter der Aufsicht des Rates als soziale Einrichtungen weiter. Darüber hinaus schlossen sich, so in Rostock und Stralsund, kaufmännische Gemeinschaften unter veränderten Zielstellungen zusammen oder wandelten sich zu exklusiven Gesellschaften der Oberschicht. Vor allem in den großen Seestädten beteiligten sich die K. der Kaufleute und Schiffer verstärkt an der Verwaltung der Handels- und Schifffahrtsangelegenheiten. Dieser Prozess setzte bereits im 15. Jh. ein, verlief aber in den Städten unterschiedlich. Verbunden war er mit der Säkularisierung vormals bruderschaftlicher Gemeinschaften der Berufsgruppen. Die administrative Arbeitsteilung innerhalb der Gemeinwesen war Teil einer Neuordnung und damit Modernisierung kommunaler Staatlichkeit, die verschiedentlich von innerstädtischen Konflikten begleitet war. Im Zusammenhang damit erlangten gewerbliche K. wie die „Vier Gewerke“ in weiteren Städten politischen Einfluss.

Thomas Brück

Literatur: R. Postel, Zur Entwicklung der hansestädtischen Hafen- und Schiffahrtsverwaltung, in: See- und Flusshäfen vom Hochmittelalter bis zur Industrialisierung, hrsg. H. Stoob, 1986, 211-27; Einungen und Bruderschaften in der spätmittelalterlichen Stadt, hrsg. P. Johanek, 1993; Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500, hrsg. M. Puhle, 1996; Genossenschaftliche Strukturen in der Hanse, hrsg. N. Jörn, D. Kattinger u.a., 1999; Geschlechtergesellschaften, Zunft-Trinkstuben und Bruderschaften in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten, hrsg. G. Fouquet, M. Steinbrink u.a., 2003; E. Isenmann, Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550, 2. Aufl. 2014.
Kraweel

Kraweel. K., mnd. kraveel aus port. caravella, lat. carabus, arab. quarib, ist ein spätma. Schiffstyp mit besonderer Beplankungsart im holländisch-hansischen... mehr

Kraweel. K., mnd. kraveel aus port. caravella, lat. carabus, arab. quarib, ist ein spätma. Schiffstyp mit besonderer Beplankungsart im holländisch-hansischen Kontext in Schalenbauweise, die damit häufige Undichtigkeiten verursachte. Sie erforderte eine Mannschaftsdichte von einem Seemann pro 6 to. Zuladungsgewicht, um die Pumpen zu betreiben. Nach chronikalischen Angaben wurde der erste K. im Hanseraum 1459 von einem Bretonen in  Zierikzee gebaut. 1439 baute der portugiesische Schiffbauer Jehan Perhouse zwei caravellas in Brüssel. 1458 besaßen bereits Engländer K.e. Der K. zeichnet sich durch seine Mehrmastigkeit und Schnelligkeit aus. Im Hanseraum gab es kleine und große K.e. In der zweiten Hälfte des 15. Jhs. wurde die K.beplankung allgemein in den hansischen Schiffbau übernommen. Die Eigenschaften der K. sind von der Bauart abhängig. K.e mit 100-180 to. Traglast sind nachgewiesen. Nachbauten erreichen eine Reisegeschwindigkeit von 5 Knoten, hansische K.e waren wohl aufgrund der Beibehaltung ponderierter (ausladener) Schiffsformen langsamer.

Maik-Jens Springmann

Literatur: I. Friel, The Carrack: The Advent of the Full Rigged Ship. Cogs, Caravels and Galleons, 1994, 77-90; A.W. Sleeswyk, Carvel-Planking and Carvel Ships in the North of Europe, Archaeonautica 14 (1998), 223-28.
Kriegsfinanzierung

Die Hanse selbst hat nie Krieg geführt, sondern nur einzelne Städte innerhalb der Hanse. Die Finanzierung von Krieg und Fehden war deshalb allein eine städtische Aufgabe. Im Hanseraum lag die... mehr

Die Hanse selbst hat nie Krieg geführt, sondern nur einzelne Städte innerhalb der Hanse. Die Finanzierung von Krieg und Fehden war deshalb allein eine städtische Aufgabe. Im Hanseraum lag die Wehrhoheit bei den Städten, und die Bürger waren zum Wach- und Kriegsdienst, Mauerbau sowie zur Ausjagd verpflichtet. Zudem hatten sie das Herwede (die kriegerische Ausrüstung der Männer) zu unterhalten. Seit dem 15. Jh. ließ allerdings die Wehrbereitschaft nach, so dass Söldner zum Kriegsdienst eingesetzt wurden und der Wehrdienst durch eine geringe Steuerleistung teilweise ersetzt wurde. Kriegskosten waren hoch. So machten die jährlich zwei Züge mit 59 Bewaffneten, die die Stadt → Elbing für den → Deutschen Orden leistete, ca. 43 % der städtischen Ausgaben aus. Städte versuchten deshalb, Krieg zu vermeiden (Heinrich → Castorp). Musste man Krieg führen, griff man zuerst auf die regulären städtischen Truppen zurück, die aus dem normalen Haushalt bezahlt wurden, meist aber nicht mehr als 10-20 Soldaten umfassten. Gleichzeitig hoffte man, Alliierte zu finden. Reichte das nicht aus, versuchte man, auch mit Hilfe von Naturallieferungen oder Geldzahlungen, benachbarte Fürsten zur Hilfe zu bewegen. Nur im äußersten Notfall warben die Städte fremde Söldner an. Diese mussten über Kredite der Stadt resp. der Ratsherren selbst finanziert werden, deren Rückzahlung häufig zur Zahlungsunfähigkeit (Dortmund) oder zu Steuererhöhungen und städtischen Unruhen führten, in deren Verlauf weitere Kreise am städtischen Regiment beteiligt werden mussten. Ein gleiches Vorgehen galt für Seekriege. Konnte man Krieg als Sicherung des Handels oder der Handelsstraßen deklarieren, versuchten die Städte seit Mitte des 14. Jh., die Kosten auf die Kaufleute umzulegen, die mit einem Pfundzoll belegt wurden. Der Zoll galt aber nur für hansische Kaufleute und erschwerte deren Konkurrenzsituation.

Carsten Jahnke

Literatur: K. Kwiatkowski, Die militärische Funktion der Städte unter der Herrschaft des Deutschen Ordens in Preußen, in: Städtelandschaften im Ostseeraum im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, hrsg. R. Czaja, C. Jahnke, 2009, 167-86; B. Wübbeke-Pflüger, Sicherheitsorganisation und Wehrwesen niedersächsischer Städte am Ausgang des Mittelalters, in: Hanse, Städte, Bünde, hrsg. M. Puhle, 1996, 173-81.
Kulm

(poln. Chełmno), Stadt an der Weichsel im Kulmer Land. Um einen 4 km südlich von der heutigen Stadt gelegenen, 1065 erwähnten Burgwall namens Culmen, bis zum Anfang des 13. Jh.... mehr

(poln. Chełmno), Stadt an der Weichsel im Kulmer Land. Um einen 4 km südlich von der heutigen Stadt gelegenen, 1065 erwähnten Burgwall namens Culmen, bis zum Anfang des 13. Jh. Machtzentrum der masowischen Herzöge im Kulmer Land, entwickelte sich eine städtische Siedlung. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jh. wurde Culmen durch Überfälle der heidnischen Prußen zerstört. K. wurde durch den Landmeister des Deutschen Ordens Hermann Balk 1232 neben einer auf dem Gelände des heutigen Dorfes Starogród (Althausen) gelegenen Burg gegründet (Gründungsurkunde gemeinsam für K. und Thorn am 28. Dezember 1232 oder 1233). Im Jahre 1251 wurde die Stadt an die heutige Stelle verlegt. Im Deutschordensland übte K. zentrale Funktionen im Bereich des Maß- und Gewichtssystems und des Stadtrechts aus. Das → Kulmer Recht, basierend auf dem → Magdeburger Recht, und die Urteile des K.er Höheren Gerichts dienten als Muster für über 200 Stadtgründungen im Deutschordensland, in Polen und Litauen. Ab der 2. Hälfte des 13. Jh. beteiligten sich die K.er Kaufleute am Fernhandel. Im Jahre 1300 befand sich K. unter denjenigen Hansestädten, die gegen die in Flandern den Kaufleuten zugefügten Schäden protestierten. Bis zu den 70er Jahren des 14. Jh. nahmen die K.er Ratssendeboten systematisch an den → Hansetagen und an sonstigen Aktivitäten der Hanse teil. Ein besonders aktiver K.er Politiker war der Bürgermeister Ertmar von Herdecke, der in den Jahren 1363-1373 K. bei mindestens 11 Hansetagen in Lübeck, Stralsund und Köln vertrat. Die Konkurrenz seitens der Kaufleute aus → Thorn und → Danzig verursachte, dass sich die K.er Stadtbürger ab der 2. Hälfte des 14. Jh. aus dem Fernhandel zurückzogen. Zu Anfang des 15. Jh. zählte die Stadt ca. 5000 Einwohner.

Piotr Olinski

Literatur: R. Czaja, Die Kulmer Handfeste, das kulmische Recht und die Stadt Kulm, in: Städtelandschaften im Ostseeraum, hrsg. R. Czaja, C. Jahnke, 2009, 73-85.
Kumlien, Kjell

(geb. 30. 7. 1903, gest. 1995), schwedischer Historiker, Habilitation in Stockholm 1933 bei Sven Tunberg, Professor an Stockholms Högskola 1950-1957, Stockholms Universität 1960-1963,... mehr

(geb. 30. 7. 1903, gest. 1995), schwedischer Historiker, Habilitation in Stockholm 1933 bei Sven Tunberg, Professor an Stockholms Högskola 1950-1957, Stockholms Universität 1960-1963, Forscherdozent dort 1958-1970. Ausgehend von seiner Habilitation über Karl Knutsson von 1933 und einer Arbeit über dessen Verhältnis zu Preußen (1940) wandte sich K. 1949 mit seinem Beitrag "Birger Jarls andra traktat med Lübeck" (1949) der Hanse zu. Dem folgten 1953 sein Werk "Sverige och hanseaterne" resp. "Stockholm, Lübeck und Westeuropa zur Hansezeit" (HGbll. 1952). Weitere Themen waren Schweden und Lübeck am Anfang der Hansezeit (HGbll. 1960) und die Deutschen in Stockholm (1987). K. war einer der wenigen schwedischen Historiker außerhalb des Weibull-Kreises und neben Hugo Yrwing einer der wenigen Hanseforscher des Landes. Aufgrund seiner unabhängigen Stellung innerhalb der schwedischen Forschung gehört er zu den weniger rezipierten schwedischen Historikern.

Carsten Jahnke

Literatur: Vem är det, Svensk biografisk handbok, 1989, s.v. K., 604; A.-C. Stymne, Striden om Engelbrektsbilden, in: Scandia 66,2 (1999), 169-210, hier 182 und passim.
Kyritz

(Ostprignitz) an der bis Havelberg schiffbaren Jäglitz unterhielt schon im 13. Jh. Handelsbeziehungen mit Hamburg und Rostock. An die 1358 verkündete Handelssperre gegen Flandern erinnerte Rostock... mehr

(Ostprignitz) an der bis Havelberg schiffbaren Jäglitz unterhielt schon im 13. Jh. Handelsbeziehungen mit Hamburg und Rostock. An die 1358 verkündete Handelssperre gegen Flandern erinnerte Rostock 1359 Pritzwalk, K., Havelberg, Perleberg u. a. und lud zum Hansetag ein. Nach einem Beschluss in Wismar 1368 sollten Perleberg, Pritzwalk, Havelberg, K. u. a. Fürsten und Herren vom Beistand des dänischen Königs abbringen, der den Kaufmann geschädigt habe. Im 15. und 16. Jh. sind persönliche Kontakte mit Lübeck nachweisbar, Anfang des 17. Jh. der Salzhandel mit Lüneburg.

Heidelore Böcker

Literatur: L. Enders, Die Prignitz, 2000.
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