Hanse­Lexikon
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Buchstabe H

Hach, Johann Friedrich

H. (geb. 12.08.1769 Lübeck, gest. 29.03.1851 Lübeck) stammte aus einer alten Lübecker Kaufmannsfamilie und war zunächst als Advokat und Notar in seiner Heimatstadt tätig. Daneben vertrat er Lübeck... mehr

H. (geb. 12.08.1769 Lübeck, gest. 29.03.1851 Lübeck) stammte aus einer alten Lübecker Kaufmannsfamilie und war zunächst als Advokat und Notar in seiner Heimatstadt tätig. Daneben vertrat er Lübeck erst auf dem Regensburger Reichstag und dann auf dem Wiener Kongress. Dann wechselte er zu dem in Wien beschlossenen Oberappellationsgericht der vier Freien Städte (drei Hansestädte und Frankfurt a.M.), das seinen Sitz in Lübeck nahm, und wirkte dort von 1820 bis zur Pensionierung 1850 als Richter. Parallel arbeitete er an der für seine Zeit vorbildlichen kritischen Edition der ältesten lateinischen und niederdeutschen Handschriften des Lübischen Rechts; seine Wahl fiel auf den Bardewikschen Codex von 1294 (die heute als noch älter angesehene Ratshandschrift edierte Korlén 1951). H. schuf so die Grundlage für die intensive (rechts-)historische Erforschung des Lübischen Rechts in den folgenden Jahrzehnten.

Albrecht Cordes

Quellen: Das Alte Lübische Recht, hrsg. J. F. Hach, 1839; Das mittelniederdeutsche Stadtrecht von Lübeck nach seinen ältesten Formen, hrsg. G. Korlén, 1951.

Literatur: M. Hundt, Johann Friedrich Hach (1769–1851). Eine biographische Skizze, Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 81 (2001), 249-82.
Halberstadt

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich noch früher, beteiligten sich Kaufleute aus H. am hansischen Hanel. H. wird auch namentlich erwähnt in einer Urkunde von 1267/68, in der sich... mehr

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich noch früher, beteiligten sich Kaufleute aus H. am hansischen Hanel. H. wird auch namentlich erwähnt in einer Urkunde von 1267/68, in der sich zwölf Städte mit Namen und „allen Städten Sachsens“ gegen eine Maßnahme der flandrischen  Stadt Gent wenden, die zum Ziel hatte, die sächsischen Kaufleute, die in Gent handelten, für die Beraubung Genter Kaufleute auf sächsischem Gebiet zur Verantwortung zu ziehen. Auch im Streit um die Verlegung der Niederlassung der deutschen Kaufleute von Brügge nach Aardenburg 1280 – 1282 wurde H. um seine Meinung gefragt. Über Bündnisverträge mit Magdeburg 1315 und Aschersleben und Quedlinburg 1326 wuchs H. in den sich allmählich bildenden Sächsischen Städtebund hinein. H. gehörte bis in die zweite Hälfte des 15. Jh. neben Magdeburg zu den aktivsten Städten im östlichen Teil des Sächsischen Städtebundes. Zwischen 1423 und 1425 erlebte die Stadt in der „Halberstädter Schicht“ eine schwere Krise. Unter der Führung des wohlhabenden Krämers Mathias von Hadeber, genannt der „Lange Matz von Halberstadt“,  hatte eine zünftisch besetzte Gruppe den von den alten Geschlechtern Rat abgesetzt, drei Ratsherren und ein Bürgermeister enthauptet und die übrigen Ratsherren mit ihren Familien aus der Stadt vertrieben. An die Stelle des alten Rates setzte sich ein neuer, der auf die Vermittlungsinitiative König Sigmunds 1425 nicht einging und deshalb hinnehmen musste, dass verschiedene sächsische Städte sowie der Bischof von H. die Stadt belagerten und einnahmen. Hadeber und drei Ratsherren aus dem neuen Rat wurden hingerichtet. Es wurde ein Ausgleich zwischen den Gruppen in der Stadt geschaffen, Magdeburg und Braunschweig sorgten dafür, dass H. seine Stadtfreiheit behielt. H. war ein Bindeglied zwischen dem Binnenland und dem Hanseraum an der Küste. Haupthandelsgüter waren Tuche, Getreide und Hopfen. 1486 verlor H. nach Belagerung durch den Magdeburger Erzbischof Ernst, der zugleich Administrator des Bistums Halberstadt war, seine Stadtfreiheit. Offiziell wurde H. 1518 aus den Mitgliedslisten der Hanse gestrichen.

Matthias Puhle

Literatur: G. Arndt, Beziehungen Halberstadts zur Hanse, in: HGbll 33 (1906), 125-37.
Halle

Bereits im 11. Jh. entstand bei der Salzquelle mit der Moritzkirche und dem Alten Markt eine frühstädtische Siedlung, das „Thal“ genannt. Da 1116 eine Nikolaikirche in H. genannt wird, gab es mit... mehr

Bereits im 11. Jh. entstand bei der Salzquelle mit der Moritzkirche und dem Alten Markt eine frühstädtische Siedlung, das „Thal“ genannt. Da 1116 eine Nikolaikirche in H. genannt wird, gab es mit einiger Wahrscheinlichkeit zu dieser Zeit eine Kaufleutesiedlung in H. In der Zeit des Magdeburger Erzbischof Wichmann (1152 – 92) wurde H. mit dem Magdeburger Recht bewidmet. Von der Mitte des 13. Jh. bis Anfang des 14. Jh. emanzipierte sich der Rat von H. weitgehend vom Stadtherrn. Zu dieser Entwicklung verließ parallel das Hineinwachsen H. in die Hanse. H. erklärte sich 1281 mit der Verlegung der hansischen Niederlassung von Brügge nach Aardenburg einverstanden. H. sprach sich 1294 bei der Verlegung des Oberhofs von Nowgorod für Lübeck aus. H. beteiligte sich von 1324 an häufiger an den Bündnissen der sächsischen Städte. Tuchhandel, Gewandschnitt und vor allem der Salzhandel waren H. Haupthandelsgüter. 1427 brach in H. in Folge einer belastenden Fehde mit Erzbischof Günther II. eine Schicht los, die zwar am Ende des Jahres auch durch Vermittlung der sächsischen Städte beendet wurde, aber auch deutlich werden ließ, dass in H. ein starker Riss durch die Bevölkerung ging, der sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte kontinuierlich verstärkte. Den „Pfännern“, den Besitzern der Salzquellen standen die „Popularen“, die sich aus Teilen der Zünfte zusammensetzten, immer unversöhnlicher gegenüber. 1477/78 brach der „Pfännerstreit“ aus, der die Stadt trotz mehrerer Vermittlungsversuche der sächsischen Städte so schwächte, dass Erzbischof Ernst H. am 21. September 1478 nach kurzer Belagerung einnehmen konnte. Am 18. März 1479 erließ Erzbischof Ernst eine Regimentsordnung, die H. vollständig unter der Herrschaft des Landesherrn stellte. H. schied damit aus den städtischen Bündnissystemen und der Hanse aus, was aber erst 1518 offiziell bestätigt wurde, als H. als „abgedankt und abgeschnitten“ bezeichnet wurde. Neben 14 Bündnissen des Sächsischen Städtebundes zwischen 1382 und 1478 trat H. auch den hansischen Tohopesaten 1443, 1447 und 1450/51 bei.

Matthias Puhle

Literatur: W. Freitag/A. Ranft (Hrsg.), Geschichte der Stadt Halle, 2006, E. Sellheim, Die Stadt Halle als Mitglied der deutschen Hanse, phil. Diss. masch. Halle 1924.
Hamburger Recht

Die Gründung der Hamburger Neustadt durch den Schauenburger Grafen Adolf III. im Jahre 1188 mündete schon bald in die Bildung eines mit der Altstadt gemeinsamen Rates. Der Bremer Erzbischof, bis... mehr

Die Gründung der Hamburger Neustadt durch den Schauenburger Grafen Adolf III. im Jahre 1188 mündete schon bald in die Bildung eines mit der Altstadt gemeinsamen Rates. Der Bremer Erzbischof, bis dahin Herr der Altstadt, trat 1228 seine Rechte an die Schauenburger ab. Sehr bald stellte sich die Aufgabe einer eigenen Rechtssetzung, da die Neustadt nach Lübecker Recht, die Altstadt aber nach einem eigenen, freilich nicht schriftlich überlieferten Recht gelebt hatte. Das → Ordeelbook von 1270 ist dann die erste Fassung eines gemeinsamen Stadtrechts, mithin entstanden noch vor dem ältesten Privileg zur autonomen Rechtssetzung (Kore) aus dem Jahre 1292. Es wurde Vorbild für etliche andere Stadtrechte auch im Baltikum. Um die Rechtssicherheit zu gewährleisten, beschloss der Rat am Ende des Mittelalters eine vollständige Neufassung des Gesetzbuchs, die 1497 (→ Stadtrecht von Hamburg 1497) von Bürgermeister Hermann Langenbeck ausgearbeitet wurde. Zweimal jährlich wurden seit dem 15. Jh. in sogenannten Burspraken die Verordnungen des Rates den Bürgern verlesen. Wiederholt seit 1410 schloss der Rat mit der Bürgerschaft Vereinbarungen (sog. Rezesse), die gesetzesähnliche Funktionen hatten. Schon das deutet die in der frühen Neuzeit wachsende Bedeutung der Bürger in der Verfassung der Stadt an. Seit 1528 gab es einen ständigen Bürgerausschuss. 1605 existierte ein vollständig überarbeitetes Stadtrecht, in das die Gerichtsordnung von 1560 ebenso wie einige Reichsgesetze, das Hansische Seerecht von 1591 oder die Wechselordnung von 1582 integriert wurden. Diese Gesamtkodifikation wurde zwar in den folgenden Jahrhunderten durch manche Einzelgesetze überholt, blieb aber in ihrem Kern bis ans Ende des 19. Jh. in Kraft, nur kurzfristig 1807-14 durch das Recht der französischen Besatzungsmacht verdrängt. Erst 1860 erhielt Hamburg eine Verfassung mit Gewaltenteilung. Die straf-, zivil- und prozessrechtlichen Vorschriften des H. wurden durch Reichsgesetze im letzten Drittel des 19. Jh. vollständig abgelöst. Die Verfassung von 1921 etablierte die parlamentarische Demokratie in Hamburg. Nach 1945 konnte Hamburg seine 1934 verlorene rechtliche Selbständigkeit wiedererlangen und als ein Bundesland mit eigener Verfassung (1952) unter der Geltung des Grundgesetzes bewahren.

Tilman Repgen

Literatur: F. Eichler, Hamburger Stadtrecht von 1605 bis 1900, 2012; T. Repgen, Hamburg, in: HRG, 2 (2010), 684-90.
Hamburger Stadtrecht von 1497

Die Bewahrung der Selbständigkeit Hamburgs setzte eine dauerhaft funktionsfähige eigene Rechtspflege voraus. Als 1495 das Reichskammergericht errichtet wurde, galt dort in erster Linie das... mehr

Die Bewahrung der Selbständigkeit Hamburgs setzte eine dauerhaft funktionsfähige eigene Rechtspflege voraus. Als 1495 das Reichskammergericht errichtet wurde, galt dort in erster Linie das römisch-kanonische Recht des Reiches. Partikulare Rechtsordnungen wie das H. S. wurden nur berücksichtigt, wenn sie „bewiesen“ werden konnten. Das -> Ordeelbook war jedoch nach ungefähr 200jähriger Praxis vielfach verändert und nur in einem einzigen verbindlichen Exemplar von 1301 greifbar. So beauftragte der Rat Bürgermeister Hermann Langenbeck, der in Italien Doktor beider Rechte geworden war, mit der Ausarbeitung eines „reformierten und verbesserten“ Stadtrechts. Langenbeck brachte das überlieferte Stadtrecht in eine neue Systematik und ergänzte es vor allem durch detailliertere Regeln zur Stadtverfassung und zum Gerichtswesen. Das Schiffrecht wurde in das Gesetzbuch integriert. Bemerkenswert ist vor allem die wissenschaftliche Kommentierung des Gesetzes in der Form einer Glosse durch Langenbeck selbst, die eine hervorragende Quelle für die Kenntnis der damaligen Rechtspraxis darstellt.

Tilman Repgen

Quellen: Die Langenbeck’sche Glosse zum Hamburger Stadtrecht von 1497. Die vollständige Glossenhandschrift von Bartholdus Eggheman von 1532 sowie Lappenbergs Auszüge aus späteren Handschriften, hrsg., übers. F. Eichler, Einführungen F. Eichler, T. Repgen, 2008.
Handelsgesellschaften

H. sind Zusammenschlüsse zwischen Kaufleuten mit gemeinsamen wirtschaftlichen Zielen zum Zweck der Arbeitsteilung bei der Gewinnerzielung; weitere Ziele wie Risikostreuung und Ausbildung des... mehr

H. sind Zusammenschlüsse zwischen Kaufleuten mit gemeinsamen wirtschaftlichen Zielen zum Zweck der Arbeitsteilung bei der Gewinnerzielung; weitere Ziele wie Risikostreuung und Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses konnten hinzukommen. Abzugrenzen sind H. sowohl von Fahrergemeinschaften (Bergenfahrer usw.) als auch von Reedereien und → sendeve-Geschäften. Eine alte Debatte betrifft die im Hanseraum angeblich eingesetzten unterschiedlichen Typen von H., doch vor 1400 findet sich noch keine solche Differenzierung. Da noch kein Bewusstsein für eine Verschiedenartigkeit von Typen existierte, bestand keine Notwendigkeit für eine einheitliche Terminologie. Vielmehr variierten die Bezeichnungen regional; dass mit selscap, maatscapei, kumpenye und → wedderlegghinge kein sachlicher Unterschied, sondern jeweils ein und dasselbe gemeint war, sieht man u.a. daran, dass die lat. Übersetzung für alle diese niederdeutschen Vokabeln societas war. Vor 1400 handelte es sich bei den H. um ein Geschäftsmodell, zu dem genau zwei Partner Kapital beitrugen. Wer keines hatte, musste es in einem getrennten Darlehensvertrag beim Partner oder einem Dritten aufnehmen. Wollte man mehr Personen beteiligen, so ging dies nur mit Hilfe von Schachtelgesellschaften; auf diese Weise wurden komplizierte Beteiligungsstrukturen möglich. Die Partner konnten miteinander verwandt oder durch Wahlverwandtschaften (Paten, Vormünder, Schwägerschaft) miteinander verbunden sein, mussten es aber nicht. Für die Annahme eines eigenständigen Typs einer Familiengesellschaft gibt es keine Belege. Zwischen den Partnern bestand eine klare Arbeitsteilung. Nur einer der beiden, der Kapitalführer, handelte mit dem Kapital. Da es sich um eine reine Innengesellschaft handelte, trat er gegenüber Dritten als der alleinige Inhaber des Gelds bzw. der dafür eingetauschten Güter auf. Sein Partner war auf die Funktion des Kapitalgebers beschränkt. Zur Abrechnung musste der Kapitalführer zu ihm zurückkehren, doch musste er seinerseits diese Abrechnung akzeptieren, wenn der Kapitalführer sie auf seinen Eid nahm. Im Fall von Verlusten wurde das verbliebene Kapital in Relation der Einlagenhöhe (nach Markzahl) geteilt. Gewinne hingegen wurden unabhängig von der Höhe des eingesetzten Kapitals und ohne Berücksichtigung der Tätigkeit des Kapitalführers nach Mannzahl geteilt, also halbiert. Nicht selten begegnet dafür der Ausdruck like deelen. Diese Teilungsprinzipien und auch die Grundregel, dass man Kapital einsetzen musste, um Gesellschafter zu sein, finden sich in der strukturell ansonsten ähnlichen mediterranen commenda nicht. Die These von einer universalen Lex mercatoria, die das mittelalterliche Gesellschaftsrecht bestimmt hätte, findet in den hansischen H. daher keine Bestätigung. Der Kapitalgeber konnte sich an mehreren, bei ausreichendem Kapital sogar an vielen Gesellschaften beteiligen. Beim Kapitalführer kam dies ebenfalls vor, doch begegnen auch Verträge, in denen der Kapitalführer bestätigte, für keinen anderen Kapitalgeber tätig zu sein. Häufig, aber durchaus nicht immer gab es ein Alters- und Autoritätsgefälle zwischen Kapitalgeber und -führer, wenn ersterer etwa Ratsherr oder ein älterer Verwandter war. Aber auch der Prokurator von Mündelgeld oder Kirchengut oder sogar die Magd mit ihrem Ersparten konnte als Kapitalgeber fungieren. Die hansischen Gesellschaften wurden zumeist auf eine feste Anzahl von Jahren oder auf unbestimmte Dauer abgeschlossen, bei der commenda begegnen hingegen viele Verträge, die nur für eine einzelne Handelsreise abgeschlossen wurden. Durch die Möglichkeit, das Vermögen auf verschiedene Kapitalführer aufzuteilen, konnten vermögende Kapitalgeber ihr Risiko streuen; für sie hatten die H. deshalb zum Teil die Funktion einer Versicherung. Vom 15. Jh. an, erstmals dokumentiert in der Buchführung des Hildebrand Veckinchusen, differenzierte das Bild sich allmählich; flämische und italienische, von der Wende zum 16. Jh. an auch gemeinrechtliche Einflüsse können nun eine Rolle gespielt haben. Doch bis eine Haftung für Geschäftspartner im Außenverhältnis auch in der Rechtswirklichkeit anerkannt wurde, verging noch einige Zeit.

Albrecht Cordes

Quellen: Societates. Das Verzeichnis der Handelsgesellschaften im Lübecker Niederstadtbuch 1311–1361, hrsg. A. Cordes, K. Friedland, u.a., 2003.

Literatur: W. Stark, Über Techniken und Organisationsformen hansischen Handels im Spätmittelalter, in: Der hansische Sonderweg. Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Hanse, hrsg. St. Jenks, M. North, 1993, 191-201; A. Cordes, Gewinnteilungsprinzipien im hansischen und oberitalienischen Gesellschaftshandel des Spätmittelalters, in: Wirkungen europäischer Rechtskultur. Festschrift für Karl Kroeschell zum 70. Geburtstag, hrsg. G. Köbler, H. Nehlsen, 1997, 135-49 ; ders., Kupfer aus Schweden. Haftung für Gesellschaftsschulden im 15. Jahrhundert, in: Fälle aus der Rechtsgeschichte, hrsg. U. Falk, M. Luminati, u.a. , 2008, 164-77; A. Amend-Traut, Art. Handelsgesellschaften, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte II, 22012, 703-11; A. Cordes, Handel auf eigene, fremde und gemeinsame Rechnung. Rechtshistorische Einführung, in: Die Handelsbücher des Hildebrand Veckinchusen. Kontobücher und übrige Manuale, hrsg. M. Lesnikov, W. Stark, 2013, LV–LVIII.
Handelsrecht

Hansisches H. im Sinne eines den Handelsstädten gemeinsames materielles H.s lässt sich allenfalls in den Hanserezessen als nahezu einzigem gemeinsamen Rechtsetzungsakt finden. Dieser entfaltete... mehr

Hansisches H. im Sinne eines den Handelsstädten gemeinsames materielles H.s lässt sich allenfalls in den Hanserezessen als nahezu einzigem gemeinsamen Rechtsetzungsakt finden. Dieser entfaltete allerdings keine unmittelbare Wirkung, sondern bedurfte noch der Umsetzung in städtisches Recht. Eine weitere mögliche Quelle stellen die Kontorordnungen dar. H. als Sonderprivatrecht der Kaufleute umfasst zum einen die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Handel sowie die h.liche Ausgestaltung einzelner Handelsgeschäfte. Zum anderen können korporative Regelungen, das Verhältnis der Kaufleute untereinander betreffend, im weiteren Sinne als H. eingeordnet werden. Die meisten Regelungen, die zum hansischen H. gezählt werden können, lassen sich im See(handels)recht finden. Bis auf wenige Ausnahmen, u.a. zum Gesellschaftsrecht, hat sich die Forschung bislang, auch aufgrund der dürftigen Quellenlage, nicht mit hansischem H. beschäftigt. Materiellrechtliche H.svorschriften beruhten größtenteils auf den Kaufleuten erteilten Privilegien. So schlossen sich die hansischen Kaufleute im Ausland in Niederlassungen bzw. Kontoren zusammen, die vor Ort Handelsverträge, sog. Privilegien, mit den Gastländern aushandelten. Sie stellten die rechtliche Grundlage für den Handel am jeweiligen Handelsplatz dar. Die Privilegien enthielten Bestimmungen zur Rechtsstellung der Kaufleute und zum Schutz der Waren, aber auch Zollerleichterungen und Befreiungen vom Strandrecht. Neben dem Eigenhandel betrieben die Fernkaufleute auch das Kommissionsgeschäft und handelten in Fortsetzung des genossenschaftlichen Prinzips in Gesellschaften. Die der Hanse eigene Gesellschaftsform der Widerlegung (wedderlegginge) wurde im frühen 15. Jh. durch den neuen Gesellschaftstypus der selschop abgelöst. Während die Widerlegung aus dem Herrn als Kapitalgeber und dem Knappen / Knecht als Kapitalführer bestand, gab die selschop das Prinzip der Zweiseitigkeit der Gesellschaft auf. Der im italienischen und oberdeutschen Handel als Zahlungsmittel bedeutsame Wechsel entsprach in seiner mittelalterlichen Vierpersonenkonstellation nicht den Bedürfnissen der hansischen Kaufleute. Sie konnten durch ihre persönliche Anwesenheit auf der nächsten Messe ihre Schulden selbst begleichen und benötigten somit keinen Bezogenen oder Akzeptanten. Sie bevorzugten als Kreditmittel den Inhaberschuldschein.

Sonja Breustedt

Literatur: F. Irsigler, Der hansische Handel im Spätmittelalter, in: Die Hanse – Lebenswirklichkeit und Mythos, hrsg. J. Bracker u.a., 4. Aufl.2006, 700-21; A. Cordes, Spätmittelalterlicher Gesellschaftshandel im Hanseraum, 1998; M. North, Die Hanse und das europäische Zahlungssystem, in: Vergleichende Ansätze in der hansischen Geschichtsforschung, hrsg. R. Hammel-Kiesow, 2002, 145-53.
Hanf

Die besonders seit dem Spätmittelalter anwachsende Nachfrage nach den H.fasern für die Herstellung von Seilen, des Segeltuchs sowie der Getreide- und Wollsäcke hing mit dem Fortschritt im Schiffbau... mehr

Die besonders seit dem Spätmittelalter anwachsende Nachfrage nach den H.fasern für die Herstellung von Seilen, des Segeltuchs sowie der Getreide- und Wollsäcke hing mit dem Fortschritt im Schiffbau und dem Zuwachs des Handelsvolumens zusammen. Zum wichtigen Produktionsgebiet des H.s im hansischen Raum entwickelten sich Livland und umliegende Länder. Ein Viertel des zwischen 1562 und 1630 durch den Sund transportierten H.s und → Flachses kam aus → Riga.

Ilgvars Misāns

Literatur: C. Reinicke, Art. H., in: Lexikon des Mittelalters, 4, 1018-19.
Hanse in der erzählenden Literatur

Seit dem frühen 19. Jh. ist die Hanse Thema literarischer Gestaltungen mit einer unübersehbar großen Zahl von Titeln. In der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jh. werden Motive der... mehr

Seit dem frühen 19. Jh. ist die Hanse Thema literarischer Gestaltungen mit einer unübersehbar großen Zahl von Titeln. In der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jh. werden Motive der hansischen Geschichte häufig als Material für die zeitbedingte Ausbreitung nationalistischer, sogar imperialistischer Anschauungen instrumentalisiert. Als beliebte Themen fallen die Schicksale Einzelner auf: Wittenborg (u.a. eine Ballade von Emanuel Geibel), Wullenwever und vor allem Störtebecker und die Likedeeler. Von literarischem Rang zeugen allein Gestaltungen des Störtebecker-Stoffes. Dazu gehört Ehm Welks Drama „Gewitter über Gotland“, 1927 in Berlin durch Erwin Piscator aufgeführt. Die Beschäftigung Fontanes mit dem Thema der Likedeeler blieb Fragment, die Vorarbeiten sind veröffentlicht. Egon Günthers Roman „Der Pirat“, erschienen 1988 im Aufbau-Verlag, gelingt die jüngste überzeugende Gestaltung des Stoffes.

Hans-Jürgen Vogtherr

Literatur: H.-J. Vogtherr, Die Hanse in der Dichtung, in: Ausklang und Nachklang der Hanse im 19. und 20. Jahrhundert, hrsg. A. Graßmann, 2001, 101-22.
Hanse, regionale Gliederung

Angesichts der Weite des hansischen Raumes, der zur Zeit seiner größten Ausdehnung von der Schelde im Westen bis zum Finnischen Meerbusen im Nordosten reichte, und der daraus sich ergebenden... mehr

Angesichts der Weite des hansischen Raumes, der zur Zeit seiner größten Ausdehnung von der Schelde im Westen bis zum Finnischen Meerbusen im Nordosten reichte, und der daraus sich ergebenden unterschiedlichen Voraussetzungen politischen und wirtschaftlichen Handelns, ist es verständlich, dass gemeinsames hansisches Handeln nur möglich war, wenn auch die regionalen Interessen Berücksichtigung fanden. Die Hanse ist sich dessen bewusst gewesen. Ein konstitutives Element hansischer Organisation und hansischer Willensbildung war deshalb die institutionelle Berücksichtigung der unterschiedlichen regionalen Bedürfnisse. Erstmals fassbar werden diese Bestrebungen in einer Bestimmung der Brügger Kontorordnung von 1347, wonach die in Brügge anwesenden hansischen Kaufleute entsprechend ihrer Herkunft drei Dritteln zugeordnet werden sollten: einem wendisch-sächsischen (zu dem auch die pommerschen Städte gehörten), einem westfälisch-preußischen (das auch die niederrheinischen und süderseeischen Städte umfasste) und einem gotländisch-livländisch-schwedischen Drittel, die paritätisch an der Leitung des Kontors beteiligt waren. Ergab sich die Zuordnung des erst- und des letztgenannten Drittels aus der räumlichen Nähe der betroffenen Städte, so konnte das Zusammengehen der der westfälischen und der preußischen Kommunen noch nicht befriedigend erklärt werden. Eine Dreiteilung sah auch die Ordnung des Londoner Stalhofs vor; allerdings war der Zuschnitt der „dordendeele“ ein anderer: Das erste umfasste Köln mit den klevischen, geldrischen und overijsselschen Städten, das zweite die westfälischen, sächsischen und wendischen und das dritte die preußischen, livländischen und gotländischen Städte. Im Laufe des 15. Jh. änderten sich, situationsbedingt oder im Kontext der ­–> Tohopesaten, die Drittelseinteilungen; zeitweise traten aber bereits an die Stelle der Drittel Quartiere („verendeele“), die auf dem Lübecker Hansetag von 1554 mit den Vororten Lübeck, Köln, Braunschweig und Danzig endgültig beschlossen wurden. Seit der Mitte des 14. Jh. traten diese regionalen Städtegruppen mit zunehmender Regelmäßigkeit im Vorfeld der gesamthansischen Tagfahrten zusammen, um im kleineren Kreis die anstehenden Themen zu besprechen, Delegierte zu benennen und sie mit Instruktionen für die gesamthansischen Beratungen zu versehen.

Volker Henn

Literatur: H. Wernicke, Städtehanse, 1983, 158-63; Ph. Dollinger, Hanse, 6. Aufl., neu bearb. V. Henn, N. Jörn, 2012, 121-24.
Hanserezesse (HR), Hansisches Urkundenbuch (HUB)

Die in der 2. Hälfte des 19. Jh. in Angriff genommene Edition der HR sammelt alle Dokumente zu den Versammlungen der Hanse und ihrer Teile und beziehen sich mit ihrem Namen auf  den Rezess.... mehr

Die in der 2. Hälfte des 19. Jh. in Angriff genommene Edition der HR sammelt alle Dokumente zu den Versammlungen der Hanse und ihrer Teile und beziehen sich mit ihrem Namen auf  den Rezess. Die Sammlung ist chronologisch geordnet, in vier Reihen mit jeweils mehreren Bänden aufgeteilt und reicht bis 1537. Das HUB versammelt in Ergänzung der HR diejenigen Quellen, die der hansischen Geschichte auch zeitlich vorausgehen und die nicht auf Versammlungen zu beziehen sind. Es umfasst die Zeit von 975 bis 1500 (noch ohne 1442-1450). Beide Sammlungen zeichnen sich aus durch Bereitstellung von Quellen aus ganz Europa und sind die grundlegenden Quellenwerke zur Hansegeschichte.

Joachim Deeters

Quellen: HR 1. Abt. (1256-1430), 8 Bde., 1870-1897; 2. Abt. (1431-1476), 7 Bde., 1876-1892; 3. Abt. (1477-1530), 9 Bde., 1881-1913; 4. Abt. (1531-1537), 2 Bde., 1941-1970; HUB 11 Bde., 1876-1939.

Literatur: A. Huang, U. Kypta, Ein neues Haus auf altem Fundament, HGbll. 129 (2011), 213-29.
Hansesyndikus, Syndikus

Die Einführung eines H. ist als grundlegende Neuerung in der Hanse zu werten, da nun erstmals und bis zum → Ende der Hansezeit auch das einzige Mal ein gesamthansisch bestalltes Amt geschaffen... mehr

Die Einführung eines H. ist als grundlegende Neuerung in der Hanse zu werten, da nun erstmals und bis zum → Ende der Hansezeit auch das einzige Mal ein gesamthansisch bestalltes Amt geschaffen wurde. Zum ersten H. wurde 1556 Dr. iur. Heinrich Sudermann (geb. 1520, gest. 1591) für sechs Jahre bestellt. Die Einrichtung des Amtes fällt in eine äußerst schwierige, von Reorganisationsbemühungen geprägte Phase der Hanse. 1557 oblag dann auch dem H. die Erarbeitung eines Entwurfs der neuen Bundesverfassung (Konfederationsnotel). Der H. war wie seine städtischen Amtskollegen Diplomat und juristischer Berater zugleich. Zu seinen Aufgabenbereichen gehörten zuvorderst diplomatische Aufgaben, aber auch die Pflicht zur Teilnahme an → Hansetagen und Vorbereitung der schriftlichen Vorlagen sowie zur Sammlung und Erschließung der Statuten, Verträge, Ordnungen, Rezesse und Urkunden des Bundes. Das Amt war keineswegs unumstritten, da es große finanzielle Aufwendungen, insbesondere für die diplomatischen Reisen erforderte. 1591 prüfte bspw. ein Ausschuss des Hansetages die Rechnungen Sudermanns und erachtete die meisten Posten als übermäßig hoch, vor allem die der Gesandtschaften. Nach Verlängerungen 1572 und 1576 blieb das Amt ab seinem Tod 1591 bis Anfang 1605 aus finanziellen Gründen unbesetzt. 1605 wurde auf Empfehlung Lübecks Dr. iur. Johann Domann (geb. 1564, gest. 1618) bestellt, der zuvor S. Stralsunds gewesen war. Schon bald wurde auch an ihm Kritik laut, sodass er zwischenzeitlich sein Amt sogar niederlegte. Nach seinem Ableben wurde das Amt zu einer nebenamtlichen Tätigkeit städtischer S. Kurzzeitig übernahmen offenbar kommissarisch der Stralsunder Bürgermeister und S. Dr. iur. Lambert Steinwich (geb. 1571, gest. 1629) wie auch der seit 1617 für Lübeck tätige S. Dr. iur. Johann Faber (geb. 1581, gest. 1622) die Amtsgeschäfte. 1621 wurde Faber mit dem Amt des H. bestallt. Sein Nachfolger Dr. iur. Otto Tancke (geb. 1587, gest. 1637) war ebenso Lübecker als auch ab 1628 H. Auf dem letzten Hansetag 1669 wurde Dr. iur. Diederich Brauer von Hachenburg (geb. 1629, gest. 1686) zum letzten H. bestimmt.

Alexander Krey

Literatur: P. Simson, Danziger Inventar 1531-1591, 1913, 857-859, Nr. 13* (1556), 894-898, Nr. 33* (1576); F. Bruns, Die Lübecker Syndiker und Ratssekretäre bis zur Verfassungsänderung von 1851, ZVLGA 29 (1938), 91-168, insb. 106-11; H. Langer, Gestalten der Spätzeit – die Syndici der Hanse, in: Akteure und Gegner der Hanse, hrsg. D. Kattinger, H. Wernicke, 1998, 219-30; K. Wriedt, Heinrich Sudermann, in: Rheinische Lebensbilder, 10, hrsg. W. Janssen, 1985, 31-45; H. Queckenstedt, Johannes Domann (1564-1618) und der Niedergang der Hanse, HGbll. 111 (1993), 43-95.
Hansetag der Neuzeit

Freiwillige Städtegemeinschaft mit 178 Mitgliedsstädten aus 16 Ländern, in denen früher die Hanse tätig war. Jährlich begehen die Städte an einem bestimmten Termin den „Tag der Hanse“ und treffen... mehr

Freiwillige Städtegemeinschaft mit 178 Mitgliedsstädten aus 16 Ländern, in denen früher die Hanse tätig war. Jährlich begehen die Städte an einem bestimmten Termin den „Tag der Hanse“ und treffen sich in einer der Mitgliedsstädte, zum ersten Mal 1980 in Zwolle mit 43 teilnehmenden Orten, „damit sich die Menschen an die Hansegeschichte ihrer Stadt erinnern und zugleich ein Gefühl dafür entwickeln, in einer Stadt zu leben, die auch heute noch Handelsstadt in einem europäischen Netzwerk ist.“ Eine Jugendorganisation („youthHansa“) und verschiedene Projekte, z.B. Hansisches Jakobspilgern, sollen die Gemeinschaft stärken, die zeigt, wie populär die Hanse gegenwärtig ist.

Thomas Hill

Literatur: Städtebund – Die Hanse, Website: http://www.hanse.org/de/ (Zugriff 28.11.2016)
Hansetag von 1418

Nachdem im Sommer 1416 der Verfassungskonflikt in Lübeck beigelegt worden war, der sich über fast zehn Jahre hingezogen hatte, in denen die Travestadt ihrer Rolle als caput hanse nicht... mehr

Nachdem im Sommer 1416 der Verfassungskonflikt in Lübeck beigelegt worden war, der sich über fast zehn Jahre hingezogen hatte, in denen die Travestadt ihrer Rolle als caput hanse nicht hatte gerecht werden können, fand 1418 in Lübeck ein mit Vertretern von 35 Städten außergewöhnlich gut besuchter Hansetag statt, der sich neben den aktuellen Auseinandersetzungen mit den auswärtigen Handelspartnern vor allem mit grundsätzlichen Problemen der Gemeinschaft beschäftigte, die der Festigung des inneren Zusammenhalts der Städte untereinander und der Stärkung der Handlungsfähigkeit nach außen dienen sollten. Der Hansetag setzte damit Beratungen fort, die schon auf der Agenda der Rostock-Lübecker Tagfahrt des Vorjahres gestanden hatten. In der Forschung hat der H. deshalb einige Beachtung gefunden, weil erstmals in der Geschichte der Hanse „Statuten“ beschlossen und eine → Tohopesate  beraten wurden. Allerdings handelt es sich bei den „Statuten“ nicht um eine systematisch erarbeitete „Bundessatzung“ o. ä., sondern um eine Zusammenstellung von handels- und schiffsrechtlichen Beschlüssen, die 1418 aus aktuellen Anlässen verabschiedet worden waren. Aktuelle Erfahrungen lagen auch den sog. Aufruhr-Artikeln zugrunde, die ein strenges Vorgehen gegen diejenigen Mitgliedsstädte vorsahen, in denen der amtierende Rat im Zuge von innerstädtischen Unruhen (Stadtkonflikten) widerrechtlich entmachtet oder in der Ausübung seiner Rechte auch nur eingeschränkt worden war. Andere Tagfahrtsbeschlüsse, die im Hinblick auf die innere Organisation der Hanse durchaus von Bedeutung waren, wurden hingegen nicht in die „Statuten“ aufgenommen. Bezeichnend ist, dass die „Statuten“ bei den Städten nicht auf uneingeschränkte Zustimmung stießen. Auch die 1418 beratene Tohopesate (mit einer Matrikelliste, die jedoch einige Fragen aufwirft) war nicht mehr als ein erster Versuch, ein festeres Schutzbündnis der Städte zustande zu bringen.

Volker Henn

Literatur: V. Henn, Der Lübecker Hansetag vom Sommer 1418, zuletzt in: ders., Aus rheinischer, westfälischer und hansischer Geschichte, hrsg. F. Irsigler u. a., 2009, 191-209; M. Puhle, Die Politik der Stadt Braunschweig innerhalb des Sächsischen Städtebundes und der Hanse im späten Mittelalter, 1985, 53-58.
Hansetag, Erster

Aus aktuellen Anlässen trafen sich Abgeordnete niederdeutscher Städte schon Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jh. zu gemeinsamen Beratungen, die aber noch nicht als Hansetage gelten können. Als... mehr

Aus aktuellen Anlässen trafen sich Abgeordnete niederdeutscher Städte schon Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jh. zu gemeinsamen Beratungen, die aber noch nicht als Hansetage gelten können. Als erster Hansetag konkurrieren in der Forschung zwei Versammlungen. Die eine fand im Februar 1356 in Lübeck statt. Die Teilnehmer sind nicht bekannt; sicher ist nur, dass die wendischen Städte durch Ratssendeboten vertreten waren. Beschlossen wurde die Entsendung einer Delegation nach Brügge, die dort Meinungsverschiedenheiten der Kaufleute untereinander und Unstimmigkeiten im Verhältnis zu den Brügger Behörden beilegen sollte. Diese Gesandtschaft, die im Sommer 1356 in Brügge verhandelte und der Vertreter aus allen Hansedritteln angehörten, bestätigte und ergänzte die Statuten, die sich die niederdeutschen Kaufleute in Brügge 1347 (mit Nachträgen aus den Jahren 1348/49 und 1354) gegeben hatten; zugleich unterstellte sie jetzt das Kontor der Aufsicht durch den Hansetag. – Die zweite zur Diskussion stehende Versammlung fand im Januar 1358 ebenfalls in Lübeck statt. Anwesend waren Ratssendeboten aus wendischen, sächsischen und preußischen Städten. Sie beschlossen die Blockade Flanderns; erstmals bezeichneten sich hier die versammelten Kommunen als Städte van der Dudeschen hense.

Volker Henn

Literatur: V. Henn, Hansische Tagfahrten in der zweiten Hälfte des 14. Jh., in: Die hansischen Tagfahrten zwischen Anspruch und Wirklichkeit, hrsg. V. Henn, 2001, 1-21; ders., Die Hansekontore und ihre Ordnungen, in: Hansisches und hansestädtisches Recht, hrsg. A. Cordes, 2008, bes. 32-34; R. Hammel-Kiesow, Die Hanse, 5. Aufl. 2014, 62; ders., M. Puhle, S. Wittenburg, Die Hanse, 2009, 84; S. Selzer, Die mittelalterliche Hanse, 2010, 51, 56.
Hansische Geschichtsblätter (HGbll.)

Die seit 1871 erscheinenden HGbll. sind die Zeitschrift des 1870 gegründeten –> Hansischen Geschichtsvereins. Sie erscheinen (nach einem anfänglich etwas umständlicheren Verfahren) im Prinzip... mehr

Die seit 1871 erscheinenden HGbll. sind die Zeitschrift des 1870 gegründeten –> Hansischen Geschichtsvereins. Sie erscheinen (nach einem anfänglich etwas umständlicheren Verfahren) im Prinzip jährlich; nur zwischen 1944 und 1949 konnten kriegs- und nachkriegsbedingt keine Bände ausgeliefert werden. Von Anfang an war es das Ziel der HGbll., der „Erforschung der Geschichte der Hanse und ihrer einzelnen Städte“ ein Forum zu geben „und das Interesse für die hansische Geschichte in weiteren Kreisen zu beleben“. Dazu sollten in einem Aufsatzteil neue Forschungsergebnisse zu allen Aspekten der hansischen Geschichte veröffentlicht werden, während in einem Besprechungsteil umfassend über einschlägige Neuerscheinungen berichtet werden sollte. Die HGbll. haben diesen Anspruch konsequent eingelöst und sich sehr rasch zu dem maßgeblichen, international anerkannten Periodikum zur hansischen Geschichte entwickelt. Zur Zeit liegen 133 Bände vor.

Volker Henn

Literatur: A. von Brandt, Hundert Jahre Hansischer Geschichtsverein, in: HGbll. 88 (1970), bes. 55-57.
Hansischer Geschichtsverein (HGV)

Bei Gelegenheit der Säkularfeier des Stralsunder Friedens, verstanden als Höhepunkt „hanseatischer Macht“, am 24. Mai 1870 am Ort seines Abschlusses gab der Ranke-Schüler Georg Waitz (1813-1886)... mehr

Bei Gelegenheit der Säkularfeier des Stralsunder Friedens, verstanden als Höhepunkt „hanseatischer Macht“, am 24. Mai 1870 am Ort seines Abschlusses gab der Ranke-Schüler Georg Waitz (1813-1886) den Anstoß zur Gründung des H., getragen von der nationalpolitischen Tendenz der Zeit (v. Brandt). Gemäß seiner Satzung vom folgenden Jahr traten – wobei die Wissenschaftlichkeit betont wurde – Fachgelehrte, Archivare, Juristen, Verwaltungsbeamte, aber auch ehemalige Hansestädte und Institute als korporative Mitglieder zusammen. Ganz im Sinne der Steinschen Gesellschaft für die ältere deutsche Geschichtskunde zur Herausgabe der Monumenta Germaniae Historica war sein Ziel das Sammeln und Edieren von hansischen Geschichtsquellen, dazu die Herausgabe der Zeitschrift „Hansische Geschichtsblätter“ sowie die Abhaltung jährlicher Versammlungen in einer in- oder ausländischen Hansestadt und die Finanzierung des Vereins durch die zur Hanse gehörigen Städte. Karl Koppmann, ein Schüler von Waitz, nahm die Edition der Hanserezesse (später drei Serien für den Zeitraum 1256-1537) nach dem Vorbild der Reichstagsakten-Edition in Angriff. Es folgten die Bearbeitung der elf Bände des Hansischen Urkundenbuches (975-1500; Band 7,2 für 1442-1450 fehlt noch) und die Inventarisierungen hansischer Quellen des 16. und 17. Jh. zu Köln und Danzig (1531-1591). Die ebenfalls schon damals geplante Herausgabe der Geschäftsbücher des Hildebrand Veckinchusen vom Anfang des 15. Jh. wurde soeben (2013) mit dem 2. Band abgeschlossen. Hinzu traten seit 1875-1894 sieben Bände hansischer Geschichtsquellen, seit 1897 in neuer Folge bald als „Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte“ bezeichnet (zuletzt Bd. 67/2013). Nach 1900 erschloss sich dem H. auf Anregung von Dietrich Schäfer (1845-1919) mit der deutschen Seegeschichte ein neues Forschungsfeld, und es erschienen von 1908 bis 1937 „Abhandlungen zur Handels- und Seegeschichte“ in 15 Bänden, weiter zu verschiedenen Hanse-Themen 1905-1952 27 sog. Pfingstblätter für die Hand des Laien und von 1922-1929 18 sehr populär gefasste „Volkshefte“. Mit Unterbrechung durch die beiden Weltkriege (1915-1920 bzw. 1940-1946) finden die Jahresversammlungen in der Pfingstwoche mit heute bis zu zehn wissenschaftlichen Vorträgen, Führungen und Exkursionen in einer Stadt des Hansebereiches (bis auf wenige Ausnahmen, wie Schleswig, Celle und Emden) statt, von 1875-2007 gemeinsam mit dem Verein für niederdeutsche Sprachforschung, dessen Gründung der H. 1874 unterstützte. Sonderveranstaltungen führen die Mitglieder (schon seit seinen Anfängen) in ausländische alte Hansegefilde, wie Visby, Riga, Kampen,  Zutphen, Zwolle, Novgorod, Bergen, Brügge, London und King´s Lynn. Seit den 1920er Jahren nahmen auch Frauen am wissenschaftlichen Programm teil und selbstverständlich Studenten und Studentinnen, denen heute auch ein Forum zur Präsentation ihrer Forschungsthemen im Verlauf der Jahresversammlungen eingeräumt wird. So ist das Laienelement nach dem Ersten Weltkrieg zurückgetreten und die Zeiten behaglicher Bürgerlichkeit haben sich zugunsten nüchternen, aber freundschaftlichen wissenschaftlichen Austausches gewandelt. Zugleich ist jedoch die Editionstätigkeit des H. hinter der Präsentation von Forschungsergebnissen ziemlich in den Hintergrund getreten.

Der Vorstand umfasst zwölf Mitglieder aus den Bereichen Universität, Archiv und Museum, von denen zwei in Lübeck wohnen müssen. Bis 1998 war der Vorsitzende oft Lübecker Bürgermeister oder Senator. Heute beträgt die Mitgliederzahl etwa 450, davon rund 50 Ausländer. Seit 1959 verleiht der H. um die Hansegeschichte verdienten Forschern die Qualität von Korrespondierenden Mitgliedern.

Die Geschichte des Vereins lässt sich in vier Epochen einteilen: 1. Die Gründergeneration, bestimmt durch Georg Waitz, Goswin von der Ropp, Konstantin Höhlbaum, Wilhelm Mantels, packte, getragen von Nationalbewusstsein, Editionsvorhaben mit hoher Effektivität an, nicht zu vergessen Karl Koppmann, dem auch das Verdienst gebührt, die „Hansischen Geschichtsblätter“ zu einem renommierten wissenschaftlichen Organ gemacht zu haben. 2. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Grenzen des Deutschen Reiches beschnitten, die Auslandsbeziehungen beeinträchtigt wurden und die nationalpolitische Tendenz als gemeineuropäische Erscheinung in Deutschland nach 1930 zum Nationalsozialismus degenerierte. Auch im H. wurden das Führerprinzip durchgesetzt und nicht-arische Mitglieder ausgeschlossen. 3. Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen durch eine weitere territoriale Verkleinerung Deutschlands ehemalige Ostgebiete mit zahlreichen früheren Hansestädten weg. Nach der vorher stark national gefärbten Hanseforschung kam es im weiteren Verlauf zu einer „Europäisierung“ durch Fachkollegen in Ost-, Nord- und Westeuropa, wodurch sich nicht nur neue Forschungsbereiche erschlossen, sondern auch eine Neubewertung der Hanse sowie eine Betonung ihrer wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Aspekte stattfand. Nach der Bildung zweier deutscher Staaten blieb der H. noch lange Zeit einer der wenigen gesamtdeutschen Vereine. Denn seit 1955 führte die Arbeitsgemeinschaft des H. in der DDR seine wissenschaftlichen Ziele fort, und so erschienen von 1958-1989 27 Bände einer eigenen Schriftenreihe „Abhandlungen zur Handels- und Sozialgeschichte“. Seit 1969 mit eigener Satzung in die „Historikergesellschaft der DDR“ integriert, kam es 1970 zur endgültigen Abspaltung der „Arbeitsgemeinschaft“, wodurch der H. eines Drittels seiner damaligen Mitglieder beraubt wurde und auch in seinem Vorstand kein ostdeutsches Mitglied mehr mitarbeitete. Auch die Teilnahme westdeutscher Mitglieder an ostdeutschen Hanse-Tagungen war nicht mehr möglich. 4. Die Wiedervereinigung Deutschlands 1989 erbrachte die Verschmelzung der Hanseforschung in Ost und West, ostdeutsche Historiker wirkten im Vorstand des H. mit und zahlreiche Jahresversammlungen fanden in ostdeutschen Hansestädten statt. Nachdem  noch „Abhandlungen zur Handels- und Sozialgeschichte“ von Bd. 28-31 (1992-1998) erschienen waren, wurde eine ihrer Abteilungen, die „Hansischen Studien“ ab XI/2001, mit thematisch zusammengehörigen Aufsatzsammlungen fortgeführt und ergänzt so die „Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte“ (Monographien und Editionen) und die jährlich erscheinenden „Hansischen Geschichtsblätter“, die in der „Hansischen Umschau“ Rezensionen in- und ausländischer Neuerscheinungen bieten.

 Durch seine anspruchsvollen Editionsaufgaben und seine wissenschaftlichen Publikationen hat der H. den Charakter einer Historischen Kommission, ist aber zugleich ein historischer Verein, bei dem, insbesondere im Rahmen der Jahresversammlungen, auch das Laienelement, wenn auch geringer als im 19. Jh., noch immer eine Rolle spielt. Selbst dem Lauf der Geschichte unterworfen, was seine deutsch-deutsche Epoche beweist, wird der H. sowohl seine landesgeschichtlichen Ziele, d. h. die Beschäftigung mit der Geschichte der Hansestädte, als auch seine überregionale, ja internationale Forschungsaufgabe, die Hanse im europäischen Kontext, immer wieder neu definieren müssen.

Antjekathrin Graßmann

Literatur: A. v. Brandt, Hundert Jahre H. Ein Stück Sozial- und Wissenschaftsgeschichte, HGbll. 88 I (1970), 3-67; E. Müller-Mertens, Hansische Arbeitsgemeinschaft 1955-1990; 2011; A. Graßmann, Über das Archiv des H., HGbll. 127 (2009), 123-28.
Hansisches Recht

Im Unterschied zum hansestädtischen Recht, also dem jeweiligen Stadtrecht der einzelnen Hansestädte, namentlich von → Köln, → Soest, → Hamburg, → Lübeck, Reval usw., ist H. das sehr viel schlechter... mehr

Im Unterschied zum hansestädtischen Recht, also dem jeweiligen Stadtrecht der einzelnen Hansestädte, namentlich von → Köln, → Soest, → Hamburg, → Lübeck, Reval usw., ist H. das sehr viel schlechter greifbare gemeine Recht der Hanse. Dies ist zum einen das von den Hansetagen gesetzte, in den Hanserezessen schriftlich niedergelegte Recht, das aber mindestens zwei methodische Probleme aufwirft. Zum einen galten die dort beschlossenen Regeln (nicht einmal jene des Hansischen Schiffsrechts von 1614, das doch äußerlich einem modernen Gesetz sehr ähnlich war) nicht unmittelbar in den Städten, sondern mussten durch den jeweiligen Rat noch in städtisches Recht umgesetzt werden. Zum anderen differenzieren die Hanserezesse nicht systematisch zwischen politischen Entscheidungen, Konfliktlösung im Einzelfall mit rechtsprechendem Charakter sowie der Setzung von Normen für die Entscheidung künftiger Streitfälle, so dass zumindest die Suche nach hansischen Gesetzen anachronistisch ist. Weit nebulöser sind diejenigen Rechtssätze, die „neben, zwischen oder über den einzelnen Stadtrechten hansischer Städte eine einheitliche und gemeinsame Ordnung des hansischen Wirtschaftsverkehrs schaffen konnten und schufen“ (Ebel, 36). Solche Rechtssätze sind nie aufgeschrieben worden und können allenfalls behutsam der Vertrags- und sonstigen Geschäftspraxis (Quittungen, Testamente, Gerichtsurteile; Hauptquelle sind Schuld- und sonstige Stadtbücher) abgelauscht werden. Weitere wichtige Normen des hansischen Rechtslebens entstammen den Ordnungen der Kontore, den Statuten des Schiffs- und Seerechts und auch den Handelsprivilegien, welche die Hansekaufleute von den Herrschern ihrer Gastgeber erkämpften und verbissen verteidigten. Auf keinem dieser Felder entstanden aber gesamthansische Rechtssätze. So kann man im Fall der Privilegien zwar ein Bündel von Interessen identifizieren, welches die Kaufleute in der Fremde verfolgten; insbesondere ihre Stellung vor fremden Gerichten war ihnen wichtig. Doch ein einheitliches Muster, eine Art Modellprivileg, ergab sich daraus nicht. Sieht man von den in die Hanserezesse eingeflossenen Ergebnissen der Hansetage ab, konnten genuin hansische, sonst nirgends so geltende Rechtssätze bisher noch nicht identifiziert werden. Die Schaffung einer einheitlichen Rechtsordnung und eines einheitlichen Rechtsraums stand nicht auf der Agenda der Hanse.

Albrecht Cordes

Literatur: H. Planitz, Über hansisches Handels- und Verkehrsrecht, in: HGbll. 31 (1926), 1-27; W. Ebel, Hansisches Recht. Begriff und Probleme, in: ders., Probleme der deutschen Rechtsgeschichte,1978, 35-46 [erstmals 1949]; U. Schäfer, Hanserezesse als Quelle hansischen Rechts, C. Jahnke, Hansisches und anderes Seerecht, A. Cordes, Hansisches Recht. Begriff und Probleme, alle in: Hansisches und hansestädtisches Recht, hrsg. A. Cordes, 2008, 1-14, 41-67, 205-13; A. Cordes, Die Erwartungen mittelalterlicher Kaufleute an Gerichtsverfahren: Hansische Privilegien als Indikator, in: Eine Grenze in Bewegung. Öffentliche und private Justiz im Handels- und Seerecht, hrsg. A. Cordes, S. Dauchy, 2013, 39-64; C. Groth, Hanse und Recht. Eine Forschungsgeschichte, 2016; A. Cordes, Ph. Höhn u.a, Schwächediskurse und Ressourcenregime. Überlegungen zu Hanse, Recht und historischem Wandel, in: HGbll. 134 (2016, ersch. 2017), 167-203.
Havelberg

In H. war → Stendal schon Mitte des 12. Jh. Zollfreiheit gewährt worden. Die Stadt wurde 1259 über die Jäglitz mit Getreide angefahren und war, belegt von 1288 an, Umschlagplatz von Getreide. 1358... mehr

In H. war → Stendal schon Mitte des 12. Jh. Zollfreiheit gewährt worden. Die Stadt wurde 1259 über die Jäglitz mit Getreide angefahren und war, belegt von 1288 an, Umschlagplatz von Getreide. 1358 klagte H. über die Verletzung kaufmännischer Rechte in Flandern und wurde 1359 zum Hansetag eingeladen. 1368 sollte es mit anderen Städten Fürsten und Herren vom Beistand des dänischen Königs abbringen. Aus dem 16./17. Jh. liegen zahlreiche Hinweise vor für den Handel mit Fischen, Krebsen und Holz nach → Hamburg, von Krebsen nach und Salz aus → Lüneburg, von Heringen und Stockfisch von Hamburg nach H. Die Bürger legten Geld in hamburgischen Schuldbriefen an. Dabei wuchs die Belastung durch Vorkauf aus Hamburg, Lübeck, Rostock, Wismar, Stralsund u. a.

Heidelore Böcker

Literatur: E. von Lehe, Hamburgische Quellen für den Elbhandel der Hansezeit und ihre Auswertung, HGbll. 76 (1958), 131-42.
Hellweg

Als H. (mnd. helwech = lichter Weg) wird eine im wesentlichen durch Westfalen nördlich der Mittelgebirgsschwelle von Duisburg (mit einer Zubringerstraße von Köln  in Richtung... mehr

Als H. (mnd. helwech = lichter Weg) wird eine im wesentlichen durch Westfalen nördlich der Mittelgebirgsschwelle von Duisburg (mit einer Zubringerstraße von Köln  in Richtung Dortmund) über Essen, Bochum, Dortmund, Unna, Soest nach Paderborn verlaufende Straße bezeichnet; bei Paderborn verzweigte sie sich und führte in einer nördlichen Route über Hameln, Hildesheim und Braunschweig, in einer südlichen Route über Höxter, Goslar und Halberstadt nach Magdeburg. Insofern war der H. Teil eines Fernstraßennetzes, welches das Niederrheingebiet mit dem mittleren Elberaum verband. Vor allem in karolingischer und ottonischer Zeit war der H. eine wichtige Königs-, Heer- und Handelsstraße, die im Laufe des frühen Mittelalters durch die Anlage von Königshöfen, Burgen und Missionskirchen, die auch als Etappenorte genutzt werden konnten, gesichert wurde. Mit der Entstehung der Hanse gewannen jedoch die Verbindungen nach N und NO an Bedeutung, so dass der H. im späten Mittelalter nur noch im regionalen Handel eine Rolle spielte. Neuere Forschungen stellen dagegen die Bedeutung des H. auch für das frühe und hohe Mittelalter in Frage und vermuten, dass die Flüsse als Transportwege stärker genutzt worden seien. Dabei bleiben allerdings wichtige Fragen unbeantwortet.

Volker Henn

Literatur: P. Leidinger, Der westfälische H. als frühmittelalterliche Etappenstraße zwischen Rhein und Weser, in Westfälische Zs. 149 (1999), 9-33; Zeitreise H., hrsg. R. Stephan-Maaser, 2000; B. Englisch, Der H. zwischen Mythos und Realität, in: Soester Zs. 117 (2005), 45-75.
Hering

H. clupea harengus, Schwarmfisch aus der Familie der Clupeiformes mit einem Gewicht von 60 bis über 250 gr. und einer Länge bis zu 30 cm. H. leben in offenen Gewässern, ziehen zum Laichen... mehr

H. clupea harengus, Schwarmfisch aus der Familie der Clupeiformes mit einem Gewicht von 60 bis über 250 gr. und einer Länge bis zu 30 cm. H. leben in offenen Gewässern, ziehen zum Laichen aber in flache Küsten- oder Brackwassergewässer. Für den mittelalterlichen Handel waren drei Rassen von besonderer Bedeutung: die Nordsee-Herbstlaicher, die Frühjahrslaicher der westl. Ostsee und die zentral-baltischen Frühjahrslaicher. Unter den Nordsee-Herbstlaichern ziehen einige Arten zum Laichen auf die Doggerbank  und die Küsten Englands, andere an die Küsten des Bohuslen in Norwegen und einige in den Öresund. Bei den Frühjahrslaichern der westl. Ostsee waren vor allem die nach Rügen und in die Schlei ziehenden H. von besonders großer Bedeutung sowie bei den zentral-baltischen H. die Arten in der Rigaer Bucht sowie die vor der norrländischen u. estnischen Küste (Strömling). Der Zug in flache Laichgebiete ermöglichte die küstennahe Fischerei.

 Seit dem frühen Mittelalter wurde H. zur Laichzeit von der Küstenbevölkerung gefischt und durch Räuchern oder Salzen konserviert. Der durch die Christianisierung ausgelöste Bedarf an Fastenspeisen führte zu einer Intensivierung der Fischerei und einem Export ins Binnenland. Durch Qualitätssicherung wurde Schonischer H. seit dem 13. Jh. marktbeherrschend, rügischer und Doggerbankhering wurden verdrängt. Die politischen Veränderungen nach dem Stralsunder Frieden führten zum Wiedererstarken der Nordseefischerei, die seit dem 16. Jh. dominierte (holl. Matjesfischerei). Die H.sverarbeitung war bis zum Erstarken der Nordseefischerei strandbasiert, seit dem 16. Jh. wurde H. auf den Fangschiffen verarbeitet. Am häufigsten wurde H. in Salzlake im Verhältnis 1:3 (Lüneburger Salz) oder 1:2,5 (Bayensalz) konserviert. Salz- und H.handel waren dadurch untrennbar verbunden. Seltener wird H. geräuchert und erhält dadurch eine andere Farbe (Roter H.). H. gehörte in Gesamteuropa zu den gängigsten Fastenspeisen und hat zahlreiche sprachliche Spuren hinterlassen (H.tag, red herring, King herring, être serré comme des harengs, La journée des Harengs (1429).

Carsten Jahnke

Literatur: C. Jahnke, Das Silber des Meeres, 2000; England’s Sea fisheries, hrsg. D. J. Starkey, C. Reid u.a., 2000; B. Poulsen, Dutch Herring, 2008.
Hohe Straße

Die H. war eine der wichtigsten West-Ost-Leitlinien des mittelalterlichen Handels in Mitteleuropa, die südlichste des Hanseraumes, in ihrem Kernbereich am Nordrand der Mittelgebirge verlaufend. In... mehr

Die H. war eine der wichtigsten West-Ost-Leitlinien des mittelalterlichen Handels in Mitteleuropa, die südlichste des Hanseraumes, in ihrem Kernbereich am Nordrand der Mittelgebirge verlaufend. In Leipzig bündelten sich die von Frankfurt/Main, Flandern – Köln, aus dem Nordwesten und Norden kommenden Fernwege zur H. Diese verlief ostwärts über Bautzen und Görlitz nach Breslau und weiter (über Oppeln – Beuthen) nach Krakau, wo sie Anschluss fand nach Lemberg, dem Umschlagplatz für orientalische und levantinische Waren. Wichtige Nord-Süd-Verbindungen des hansischen Handels kreuzten die H. oder mündeten in sie ein, so die von Frankfurt/Oder (Görlitz – Prag), Danzig und Thorn (Breslau – Prag, Krakau – Oberungarn). Die H. ist in Teilstrecken seit der Mitte des 13. Jh. als strata regia belegt. Sie erhielt gegen 1500 Konkurrenz durch die weiter nördlich verlaufende „Niedere Straße“ (Leipzig – Sagan – Breslau); auch östlich von Breslau wurden später teilweise nördlichere Routen nach Krakau eingeschlagen. Lemberg verlor im 15. Jh. durch das Vordringen der Türken an Bedeutung.

Hugo Weczerka

Literatur: F. Bruns, H. Weczerka, Hansische Handelsstraßen, 1-3, 1962-68; via regia. 800 Jahre Bewegung und Begegnung, hrsg. R. Enke, B. Probst, 2011; Menschen unterwegs, hrsg. W. Müller, S. Steinberg, 2011.
Höhlbaum, Konstantin

(geb. 08.10.1849 in Reval, gest. 02.05.1904 in Gießen), promovierte nach dem Studium in Dorpat und Göttingen bei Georg Waitz. Von 1871 bis 1880 im Dienste des Hansischen Geschichtsvereins,... mehr

(geb. 08.10.1849 in Reval, gest. 02.05.1904 in Gießen), promovierte nach dem Studium in Dorpat und Göttingen bei Georg Waitz. Von 1871 bis 1880 im Dienste des Hansischen Geschichtsvereins, bearbeitete H. die beiden ersten Bände des Hansischen Urkundenbuchs. Während er bis 1890 das Kölner Stadtarchiv leitete, folgte der 3. Band. In Köln organisierte er das Archiv neu und begründete die Schriftenreihe Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, durch die er die Archivbestände der Öffentlichkeit zugänglich machte. Seit 1890 war H. Professor für Geschichte in Gießen und inaugurierte dort das Quellenwerk Regesten der Erzbischöfe von Mainz.

Joachim Deeters

Literatur: G. v. d. Ropp, Nachruf, HGbll. 1903 (1904) 10*-30*.
Hundertjähriger Krieg

Zwischen England und Frankreich (mit Unterbrechungen 1337-1453), formal wegen des 1328 übergangenen Anspruchs Eduards III. auf den französischen Thron, faktisch wegen der Konflikte um die Gascogne,... mehr

Zwischen England und Frankreich (mit Unterbrechungen 1337-1453), formal wegen des 1328 übergangenen Anspruchs Eduards III. auf den französischen Thron, faktisch wegen der Konflikte um die Gascogne, Flandern und Schottland ausgebrochen. Eine für England erfolgreiche erste Phase endete 1360 mit dem Frieden von Brétigny. Nach einer wechselhaften Zwischenphase konnte England nach dem Sieg bei Azincourt 1415 große Teile Nordfrankreichs erobern, verlor jedoch 1435 den Herzog von Burgund als Bündnispartner. Die Normandie wurde 1450 von den Franzosen zurückerobert, die Gascogne endgültig 1453. Die Konflikte betrafen immer wieder auch den hansischen Handel. So waren 1370 im Krieg vor der flandrischen Küste hansische Güter genommen worden, 1417 klagten die Hansestädte auf dem Konstanzer Konzil über englische Übergriffe, und 1449 beschlagnahmte eine gegen die Königin von Schottland und den Herzog von Burgund gerichtete englische Flotte 50 Schiffe einer Baienflotte, die aus Hansestädten kamen.

Jürgen Sarnowsky

Literatur: A. Agats, Der hansische Baienhandel, 1904; C. Allmand, The Hundred Years War: England and France at war, 2nd ed., 2001.
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