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Buchstabe Z

Zirkelgesellschaft

1379 als religiöse Bruderschaft mit Kapelle und Altar in der Lübecker Katharinenkirche gegründet, vereinigte die Z. die wohlhabendsten und einflussreichsten Kaufleute Lübecks und stellte im 15. Jh.... mehr

1379 als religiöse Bruderschaft mit Kapelle und Altar in der Lübecker Katharinenkirche gegründet, vereinigte die Z. die wohlhabendsten und einflussreichsten Kaufleute Lübecks und stellte im 15. Jh. die überwiegende Zahl der Ratsherren und Bürgermeister (seit 1450 auch Junkerkompanie genannt). Neben Bestätigung 1485 und Adelserhebung 1641durch kaiserliche Privilegien zeichnete sie die Abhaltung von Fastnachtsspielen und Turnieren aus. Nach Unterbrechung durch die Reformation 1580 neu begründet, beschränkte sich die Z. auf 30 Familien; ihr letztes Mitglied verstarb 1804. Ihr Zeichen: offener Zirkel als Symbol der Dreieinigkeit.

Antjekathrin Graßmann

Literatur: S. Dünnebeil, Die Lübecker Z., 1996.
Zölle

Z., von lat. teloneum u. ä. [theolonium] zu gr. teloneíon, umfasst allgemeinsprachlich eine Gruppe von Abgaben oder Belastungen, mit denen Kaufleute,... mehr

Z., von lat. teloneum u. ä. [theolonium] zu gr. teloneíon, umfasst allgemeinsprachlich eine Gruppe von Abgaben oder Belastungen, mit denen Kaufleute, Transportfahrzeuge/Transporttiere oder Waren belegt werden. Z. entwickelten sich ursprünglich aus dem Schutz und der Friedenssicherung für Kaufleute. Für den Hanseraum sind hierbei zwei verschiedene rechtliche Entwicklungslinien, eine römisch-byzantinische und eine nordeuropäische, zu unterscheiden. Im Bereich des alten römischen Imperiums wurden die imperialen Z. bis in die Zeit Karls d. Gr. und darüber hinaus weitergeführt und galten als königliches Regal (Gesetze von Roncaglia). Zu diesen Zöllen gehörte u.a. das portorium, eine Lizenzabgabe für den Handel. Das portorium wurde von einem Handelsgrafen, dem comes commercium, eingezogen. Diese Abgaben wurden zuerst in bestimmten Handelszentren, wie Dorestad oder Bardowick, erhoben. Seit spätestens 787 wurden alle Zölle an der Nordseeküste vom Abt des Klosters Wandrille eingezogen und verwaltet. Parallel hierzu wurden unter den Karolingern Z. auf Marktplätzen, legitima mercata, oder in Häfen, porta legitima, erhoben. Diese Z. wurden als Sicherungs- resp. Schutzabgabe für Kaufleute verstanden. Daneben standen die ‘ungerechten Z.’, teloneis iniustis, die von einigen Herrschern erhoben wurden, ohne Schutzfunktion zu gewährleisten. Spätestens seit dem 11./12. Jh. weichte dieser Unterschied aber auf, und Z. wurden als reine Fiskalquelle betrachtet. So errichteten die Rheinanlieger z.B. zahlreiche Zollstellen, die wesentlich zur Finanzierung der fürstlichen Haushalte beitrugen. In den Häfen des Heiligen Römischen Reiches wurde zumeist ein ad valorem Zoll (= nach dem Warenwert) erhoben. Im 6. Jh. entwickelte sich in Byzanz der Zehnte (gr. deketeia), der sich später im karolingischen Reich etablieren konnte. Daneben standen handelsspezifische Abgaben, z. B. für das Öffnen v. Häfen, exclusatum, die Nutzung der Hafenanlagen, palifictura, oder Passage- resp. Hafenzölle, passionaticum resp. portaticum.

Bis in das 12. Jh. waren diese Z. und Abgaben nur auf das Heilige Römische Reich begrenzt. In Nordeuropa, England und den brit. Inseln, herrschte ein traditionelles ‘germanisches’ Abgabensystem vor. Hier galten ankommende Kaufleute als eine Bereicherung der Macht eines lokalen Herrschers. Die Kaufleute suchten bei dem Herrscher um Schutz und Marktfrieden, kauƥfriđr, nach und wurden nach Gewährung dessen in dessen persönliches Gefolge aufgenommen. Zur Erlangung des Schutzes boten die Kaufleute den Herrschern einen Teil der Ware an (Vorkaufsrecht) resp. zu besonderen Tarifen feil. Dieser Vorgang wird konningskøp (Königskauf) genannt, konnte als priseret institutionalisiert werden. Das priseret wurde in eine stehende Abgabe, die Scavage, (von lat. scalaticum, altfranz. escauwage [beschauen], zu griech. skaliatikon), umgewandelt. Mit dem Eingehen in ein gegenseitiges Schutzverhältnis wurden Kaufleute Teil des herrschaftlichen Gefolges (s. z. B. mercatores imperii). Verließen Kaufleute allerdings einen Markt, erlitt der Herrscher eine Verringerung seines Gefolges. Das musste von den Kaufleuten durch eine Abgabe, den forban, gesühnt werden. Diese persönliche Abgabe wurde im Hochmittelalter durch eine Schiffsabgabe, landøre oder landuarar tollr (Landfahrerzoll), abgelöst. Das nordeuropäische System wurde in Skandinavien im 12. Jh. langsam durch das römische abgelöst (Knýtlinga saga, Kap. 85) und verschwand gegen Ende des 13. Jh. fast vollständig. In England blieb es bis ins 19. Jh. bestehen.

Als Ergebnis der Entwicklung können im Spätmittelalter Z. grundsätzlich in drei Kategorien unterteilt werden: Transitzölle, Marktzölle und Akzise, die je nach historischer Entwicklung verschiedene Ausprägungen besaßen.

 In den Städten des Hanseraumes versuchten die Kaufleute, die Zoll- und Abgabenerhebung in die eigene Hand zu bekommen, u.a. durch Kauf oder Pacht der Zollrechte des Stadtherrn [Auskauf regionaler Herrscher]. Hierdurch konnten viele Kaufleute in ihren Heimatstädten zoll-, aber nicht abgabenfrei handeln. Gleichzeitig wurde versucht, außerhalb der Heimatstädte Z. und Abgaben nicht ad valorem, sondern nach festen Tarifen in einem bestimmten Münzfuß zu fixieren, der durch Inflation etc. mit der Zeit an Wert verlor (z.B. Schonenzölle). Seit den 1360er Jahren wurden innerhalb des Hanseraumes Extraz. zur Finanzierung besonderer Aufgaben ad valorem erhoben, die sog. Pfundgelder oder -z. resp. Pfahlgelder (in Danzig). Diese Abgaben wurden von den Kaufleuten vielfach freiwillig für einen bestimmten Zeitraum eingeführt und mit wenigen Ausnahmen wieder eingestellt, wurden vielfach aber als Handelshindernisse betrachtet. Zolltarife können als spezifischer Zoll oder als Wertzoll erhoben werden. Der spezifische Zoll hat als Bemessungsgrundlage die Mengeneinheit (Gewicht oder Stückzahl bzw. Transportmittel). Der Wertzoll, meist als Pfundzoll erhoben, legt den Zoll als Prozentsatz des Warenwertes fest. Generell gehören Z. und Abgaben zu den am häufigsten auf Tagfahrten und anderen Treffen behandelten Fragen und stellten eine permanente Herausforderung für Kaufleute dar.

Carsten Jahnke

Literatur: C. Jahnke, Customs and toll, in: The Northern Elites, I, hrsg. H. Vogt, J. V. Sigurdsson et. al., im Erscheinen; U. Dirlmeier, Mittelalterliche Zoll- und Stapelrechte als Handelshemmnisse?, in: Menschen und Städte: ausgewählte Aufsätze, hrsg. v. U. Dirlmeier, R. Elkar, 2012, 37-56; N. Middleton, Early medieval port customs, tolls and controls on foreign trade, in: Early Medieval Europe 13 (2005), 313-58; A. J. Stoclet, Immunes ab omni teloneo. Étude de diplomatique, de philologie et d’histoire sur l’exemption de tonlieux au haut Moyen Age et spécialement sur la Præceptio de navibus, Brüssel 1999; C. Jahnke, Pfundzollrechnungen im Ostseeraum. Bestand und Fragen der Auswertung, in: Die preußischen Hansestädte und ihre Stellung im Nord- und Ostseeraum des Mittelalters, hrsg. Z. H. Nowak, J. Tandecki, Toruń 1998, 151-68; H. Adam, Das Zollwesen im Fränkischen Reich und das spätkarolingische Wirtschaftsleben, 1996; N.S.B. Gras, The early English Customs System, 1918.
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