Macht verhandeln, Geschichte erinnern
Zur Konstruktion und Funktion von hansischen Machtgeschichte(n) durch Forschung, Politik und Kulturakteure
141. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins vom 25. bis zum 28. Mai 2026 in Lübeck
Vor 800 Jahren, im Jahr 1226, erhielt Lübeck den Reichsfreiheitsbrief – ein zentrales Ereignis in der Geschichte der Stadt und der Hanse. Dieses Jubiläum ist mehr als ein historischer Rückblick: Es lädt dazu ein, über Macht, Autonomie und Erinnerung nachzudenken – Themen, die die Hanse damals wie heute prägen.
Im Mittelpunkt der Tagung steht die Frage, wie Macht im hansischen Raum ausgeübt, verhandelt und erzählt wurde. Lübecks Reichsfreiheit, einst sogar mit einer gefälschten Barbarossa-Urkunde begründet, steht exemplarisch für städtische Selbstbehauptung und politische Gestaltungskraft. Ohne solche autonomen Städte wäre die Hanse als Handels- und Machtverbund kaum denkbar gewesen. Auch lange nach dem Mittelalter blieb Lübecks Eigenstaatlichkeit prägend – in Politik, Stadtidentität und Geschichtsschreibung. Hansegeschichte war stets mehr als die Erzählung vergangener Ereignisse: Sie diente auch dazu, Gegenwart zu deuten und gesellschaftliche Ordnungen zu legitimieren.
Der Tagungsort, das Europäische Hansemuseum, bietet einen idealen Rahmen, um sich auch mit auf Geschichte gestützten Machtdiskursen auseinanderzusetzen: Wie wird Geschichte erzählt – und von wem? Welche Narrative werden betont, welche verdrängt? Und wie wirken Museen, Politik und Wissenschaft an der Deutung der Vergangenheit mit? Zwischen mittelalterlicher Machtpolitik und moderner Erinnerungskultur öffnet sich so ein weiter Raum für Diskussionen über Macht, Narration und Deutungshoheit – und darüber, wie Geschichte nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu verhandelt wird.
Anmeldung
Anmeldeformular Pfingsttagung 2026 (PDF)
Eine Anmeldung ist erforderlich. Bitte laden Sie das PDF-Formular herunter, füllen es aus (speichern nicht vergessen!) und schicken es per E-Mail an archiv@luebeck.de.
Programm
Alle Programmpunkte finden, wenn nicht anders angegeben, im Europäischen Hansemuseum statt (An der Untertrave 1, 23552 Lübeck).
Die Vorträge am Dienstag, 26.05., und Mittwoch, 27.05., werden live auf dem YouTube-Kanal des Europäischen Hansemuseums gestreamt.
Montag, 25.05.2026
- 17:00 Uhr: Ein feste Burg - Musik aus dem alten Lübeck
Konzert des Europäischen Hanse-Ensembles (Ort: St. Jakobi, Jakobikirchhof 1, 23552 Lübeck)
Für angemeldete Tagungsteilnehmer:innen ist der Eintritt frei! - 19:00 Uhr: Gemeinsames Abendessen im Restaurant „LaBaracca“ (Willy-Brandt-Allee 6, 23554 Lübeck)
Dienstag, 26.05.2026
- 9:00 Uhr: Begrüßung und Einführung
- 9:15 Uhr: Magnus Ressel (Hagen): Der Travestapel um 1500. Kern der Hanse oder Kern der älteren Hansehistoriographie?
- 10:00 Uhr: Kaffeepause
- 10:30 Uhr: James Middleton (Perth): Negotiating with Power: Swedish National Archives Records of Svante Sture the Younger’s 1560–1572 Negotiations with the Hanseatic City of Lübeck
- 11:15 Uhr: Matthias Puhle (Magdeburg): Das Instrument der „Verhansung“ im späten Mittelalter – ein stumpfes Schwert der Hanse?
- 12:00 Uhr: Mittagspause (Angebot vor Ort verfügbar)
- 13:30 Uhr: Projektvorstellungen
Nikita Malinovski (Bielefeld), Jan-Willem Waterböhr (Bielefeld), Tomke Schöningh (Hamburg): Bericht des Nachwuchsworkshops
Inga Lange (Lübeck): Die Hanse und ihre Privilegien: Wirtschaftliche Institution oder politisches Instrument? Eine digitale qualitative und quantitative Langzeitanalyse hansischer Privilegienpolitik
Jan-Willem Waterböhr (Bielefeld): Gleiche Herkunft – gleiches Tätigkeitsfeld? Drei Hansekaufleute des 14. Jahrhunderts zwischen Dortmund, England und Köln
„Blitzlichter“ (Arbeitsberichte und Vorstellungen): Netzwerk Kunst und Kultur der Hansestädte, Europäisches Hansemuseum Lübeck, Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums - 16:00 Uhr: Rahmenprogramm
Stadtführungen, Museumsführungen, Führung durch das Archiv der Hansestadt Lübeck - 19:00 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag (Ort: Rathaus, Breite Straße 62, 23552 Lübeck)
Oliver Auge (Kiel): Wäre die Hanse ohne Lübeck denkbar gewesen? Ein – nicht nur – kontrafaktisches Szenario ausgehend vom Reichsfreiheitsbrief 1226 - 20:00 Uhr: Empfang des Bürgermeisters (Ort: Rathaus, Breite Straße 62, 23552 Lübeck)
Mittwoch, 27.05.2026
- 9:15 Uhr: Helge Wittmann (Mühlhausen): Erinnerung mit Hering und Brot – Der Freitag vor Palmarum in Mühlhausen nach 1251
- 10:00 Uhr: Gerold Bönnen (Worms): 1226: Vom Pergament zum Argument – Lübecks Reichsfreiheit in hansischen Machtkonstellationen
- 10:45 Uhr: Kaffeepause
- 11:15 Uhr: Lars Frühsorge (Lübeck): Hansegeschichte als Kolonialgeschichte?
- 12:00 Uhr: Mittagspause (Angebot vor Ort verfügbar)
- 13:30 Uhr: Mitgliederversammlung (Externe willkommen)
alternativ: Kostenfreier Besuch des Hansemuseums sowie des Burgklosters (ohne Führung) - 15:00 Uhr: Kerstin Petermann (Hamburg), Anja Rasche (Leipzig/Wismar): Lange Schatten der Forschung in der NS-Zeit: Hermen Rode, Bernt Notke und Lübeck
- 15:45 Uhr: Vigleik Mathisen (Bergen): The Deconstruction of Hanseatic Power Narratives at the Hanseatic Museum in Bergen
- 16:30 Uhr: Felicia Sternfeld (Lübeck): Macht ausstellen. Das Europäische Hansemuseum zwischen Wissenschaft, Narration und erinnerungspolitischer Setzung
- 17:15 Uhr: Verabschiedung
Donnerstag, 28.05.2026
- 09:30–16:00 Uhr:
Das Programm und weitere Informationen finden Sie auch im Tagungsflyer (PDF).