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Hansetage und die Anfänge des „Parlamentarismus“ im späten Mittelalter
Tagung in Präsenz

136. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins in Magdeburg, 18.-20.11.2021

Die 136. Jahrestagung des Hansischen Geschichtsvereins wird im November in Magdeburg als Präsenztagung stattfinden - vorbehaltlich der zu diesem Zeitpunkt geltenden Corona-Bestimmungen. In jedem Fall findet die 3G-Regelung Anwendung, so dass von jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer ein Nachweis über Impfung, Genesung oder negativen Test erbeten wird.

Darüberhinaus werden die zum Zeitpunkt der Tagung in Sachsen-Anhalt gültigen Regelungen Anwendung finden. Bitte informieren Sie sich kurzfristig auf der Homepage des HGV.

Zum Thema der Tagung

In der Diskussion um Charakter und Funktionsweise der Hanse kommt den gesamthansischen Tagfahrten als einzigem greifbaren Organ des Bündnisses große Bedeutung zu. Die Rezesse und Akten der Hansetagen stellen zugleich eine der Hauptquellen hansischer Geschichtsforschung dar. In den vergangenen Jahren fand eine intensive kritische Auseinandersetzung mit der Edition dieser „Hanserecesse“ statt und insbesondere auch mit der Interpretation der Editoren dessen, was als hansische Tagfahrt zu verstehen sei und der regelrechten Konstruktion von hansischen Versammlungen oder Tagfahrten durch sie. Neben dem Anknüpfen an neuere Forschungen zu kollektiver politischer Willensbildung bietet dies einen Anlass zu einer neuen Auseinandersetzung mit dieser hansischen Institution.

Bereits 1998 widmete sich eine Pfingsttagung den Hansetagen, fokussierte aber vor allem auf die Teilnahme und Interessen einzelner Städte. Die Magdeburger Tagung möchte nun den Blick weiten und die hansischen Tagfahrten in den Kontext der zahlreichen Formen kollektiver politischer Willensbildung im späten Mittelalter stellen. Tagungsmodalitäten, Formen der Entscheidungsfindung, das behandelte Themenspektrum etc. treten im Kontrast stärker hervor und erlauben eine Neubewertung der hansischen Tagfahrten vor der Folie frühmoderner politischer Versammlungskultur. Zugleich soll die Verschränkung der verschiedenen Formen von Tagfahrten in den Blick genommen werden, die schon allein durch die teilweise Überschneidung ihrer Teilnehmer bestand, die sich aber auch in Hierarchien von Landtagen, Städtetagen oder eben Hansetagen ausdrückte.

Matthias Puhle / Christina Link


Magdeburg als Hansestadt

Auf der Grundlage ottonischer Handelsprivilegien entwickelte sich Magdeburg noch im 10. Jahrhundert zu einem Wirtschafts- und Handelszentrum, das durch die Gründung des Erzbistums Magdeburg 968 noch gestärkt wurde. Das sich im 12. Jh. entwickelnde Magdeburger Recht übernahmen zwischen dem 13. und 16. Jh. rund 1000 Städte vor allem in Ostmitteleuropa. Ab 1244 ist die Existenz eines städtischen Rates nachweisbar. Im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts war die Stadt an den Wegmarken der entstehenden Hanse beteiligt und wuchs so in die Hanse hinein. Die Exportartikel der Stadt waren hauptsächlich Lederwaren, Laken und vor allem Getreide aus der fruchtbaren Magdeburger Börde.

Magdeburg wurde ein aktives Mitglied im Sächsischen Städtebund, der sich 1382/84 bildete, und übernahm mit Braunschweig die Führungsrolle in diesem regionalen Städtebündnis, das sich auch als ein Drittel innerhalb der Hanse verstand und bis zum Beginn des 16.Jahrhunderts einen wichtigen Machtfaktor im Binnenland der Hanse zwischen Weser und Elbe darstellte. An den Hansetagen beteiligte sich die Stadt erst ab 1412.

Die Stadtfreiheit Magdeburgs endete 1666. Damit erlosch die Mitgliedschaft der Stadt in der Hanse.

Matthias Puhle


 

Programm

Samstag, 13.11. – Sonntag, 14.11.2021

Nachwuchsworkshop junger Hansehistoriker:innen

Donnerstag, 18.11.2021

19:00 Gemeinsames Abendessen
Ort: Restaurant Ratskeller Magdeburg, Alter Markt 6 (unter dem Rathaus)

Freitag, 19.11.2021


Tagungsort: Kaiser-Otto-Saal im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, Otto-von-Guericke-Str. 68-73

  • 09:00 Begrüßung und Einführung ins Thema
  • 9:30 ULLA KYPTA (Hamburg): Versammlungen von Gleichberechtigten: Hansische Tagfahrten und Schweizer Tagsatzungen
  • 10:15 Kaffeepause
  • 10:45 JUSTYNA WUBS-MROZEWICZ (Amsterdam): Stadt, Regionaltag und Hansetag: Konfliktregulierung preußischer Kaufleute
  • 11:30 ANGELA HUANG (Lübeck): Das hansische Tagfahrtensystem vom 14.-17. Jahrhundert
  • 12:15 Mittagspause
  • 14:00 Ergebnisse „Junge Hansehistoriker“ und Projektvorstellungen
  • 16:30 Führungen
    • Stadtführung: Zwischen Dom und Altem Markt (PD DR. CHRISTOPH VOLKMAR)
    • Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Führung durch die Sonderausstellung „Mit Bibel und Spaten“ (DR. GABRIELE KÖSTER)
    • Führung durch Dom und Dommuseum Ottonianum Magdeburg (DR. ULRIKE THEISEN)
  • 19:00 Öffentlicher Abendvortrag
    • Ort: Kaiser-Otto-Saal im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, Otto-von-Guericke-Str. 68-73
    • MATTHIAS PUHLE (Magdeburg): Magdeburg als Hansestadt
    • Anschließend: Empfang durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg (nur für Tagungsteilnehmer)

Samstag, 20.11.2021


Tagungsort: Kaiser-Otto-Saal im Kulturhistorischen Museum Magdeburg, Otto-von-Guericke-Str. 68-73

  • 09:00 ALEXANDER KREY (Mühlheim a. M.): Hansetage als Kern einer hansischen „Verfassung“?
  • 09:45 ANJA RASCHE (Speyer): Vorher, nebenbei und drumherum: Was wissen wir über die Hansetage jenseits der Rezesse?
  • 10:30 Kaffeepause
  • 11:00 DOMINIK KUHN (Lübeck): Schriftgut in den Lübecker Beständen: Formen der Beglaubigung der Rezesse und anderer Unterlagentypen der Hansetage
  • 11:45 JULIA BURKHARDT (München): Auf dem Weg zur repraesentatio corporis regni – politische Versammlungen im spätmittelalterlichen Polen
  • 12:30 Mittagspause
  • 13:45 Mitgliederversammlung
  • 15:45 GABRIELE ANNAS (Frankfurt a. M.): Reich / Stadt / Tag: Über das städtische Tagen im Reich des 15. Jahrhunderts
  • 16:30 CHRISTINA LINK (Erlangen): Preußische Städtetage und Hansetage – Zusammenspiel zwischen den Ebenen
  • 17:15 Abschlussdiskussion

*** Die Exkursion entfällt ***

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